Aktionswoche in ErdingEinsamkeit ist keine Frage des Alters

Lesezeit: 2 Min.

Vor dem Haus der Begegnung in Erding: KBW-Bildungsreferentin Carina Dollberger (links) und Werkstudentin Karoline Eberhart.
Vor dem Haus der Begegnung in Erding: KBW-Bildungsreferentin Carina Dollberger (links) und Werkstudentin Karoline Eberhart. Regina Bluhme
  • Einsamkeit ist ein subjektives und schmerzhaftes Gefühl, das Menschen aller Altersgruppen treffen kann und durch einen Mangel an Bindungen entsteht.
  • Als Hilfe gegen Einsamkeit empfehlen Experten: auf sich achten, in Kontakt bleiben und sich im Umfeld engagieren.
  • Wichtig sind lokale Netzwerke und niederschwellige Angebote wie das Montags-Café im Erdinger Haus der Begegnung oder das Silbernetz-Telefon für Senioren.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Ein Vortrag im Haus der Begegnung widmet sich dem Thema. Die gute Nachricht der beiden Referentinnen: Es gibt durchaus Wege, dem Alleinsein zu entkommen – und man kann sie üben.

Von Regina Bluhme, Erding

SZ bei Google bevorzugen

Immer montags ist das Café des Erdinger Aktivtreffs am Rätschenbach von 9 Uhr an geöffnet. Senioren und Seniorinnen nutzen die Gelegenheit zum Ratschen, Kartenspielen und Kaffeetrinken. Im Anschluss steht ein Vortrag auf dem Programm, dieses Mal im Zeichen der bundesweiten Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“. Carina Dollberger, Diplom-Pädagogin und Bildungsreferentin beim Katholischen Bildungswerk (KBW) in Erding, erklärt, welche zwei Aspekte grundsätzlich Einsamkeit definieren: „Es ist ein subjektives Gefühl und es ist ein schmerzhaftes Gefühl.“

Einsamkeit könne Menschen in allen Altersgruppen und unterschiedlichen Lebenssituation treffen und verschiedene Facetten und Formen haben, so Karoline Eberhard, Werkstudentin beim KBW. Grundsätzlich gehe es aber immer um „einen Mangel an Bindungen“. Dazu zählten zum Beispiel ein Mangel an Verbindungen mit Menschen, an Freundschaften, an Interaktion in einer Gruppe oder Gemeinschaft. Oder die Abwesenheit eines gewohnten kulturellen Umfelds sowie fehlende körperliche Nähe.

Dollberger und Eberhart gehen mit dem Thema auch an Schulen im Landkreis, demnächst an die Fach- und Berufsoberschule FOS/BOS. Bei ihrem Besuch vor wenigen Wochen an der Erdinger Mädchenrealschule habe sie wieder gesehen, „dass das Thema Einsamkeit auch junge Menschen sehr beschäftigt“, erzählt Karoline Eberhart.

Gerade in der Pubertät beispielsweise „werden die Freunde so wichtig, wer hier den Anschluss verpasst, könne sich schnell ausgegrenzt fühlen“, so Eberhart. Angesichts der in den sozialen Medien gezeigten Schönheitsideale, könnten sich Jugendliche auch unzulänglich, nicht dazugehörig fühlen. Dazu komme Cybermobbing. Wer blöde Kommentare über sich lese, der trete oft den kompletten Rückzug an.

Helga Obermaier (links) und Gertraud Köck verstehen sich bestens. Gertraud Köck ist erst vor sieben Jahren nach Erding gezogen. Der Aktivtreff im Haus der Begegnung „war mein Anker“, sagt sie.
Helga Obermaier (links) und Gertraud Köck verstehen sich bestens. Gertraud Köck ist erst vor sieben Jahren nach Erding gezogen. Der Aktivtreff im Haus der Begegnung „war mein Anker“, sagt sie. Regina Bluhme
Silke Hörold-Ries, Seniorenbeauftragte der Stadt und Leitung des Hauses der Begegnung.
Silke Hörold-Ries, Seniorenbeauftragte der Stadt und Leitung des Hauses der Begegnung. Regina Bluhme

Als Hilfestellung präsentieren die beiden Referentinnen folgendes ABC: A wie achte auf dich („Tu was für dich, bleibe aktiv.“), B wie bleibe in Kontakt („Unternimm etwas mit anderen.“), C wie Check dein Umfeld („Engagiere sich für etwas, das dir wichtig ist.“). Um erst gar nicht in die Einsamkeit abzurutschen, sollte man also „auf sich selbst achten, aber auch auf andere“, betont Dollberger. „Sich engagieren, rausgehen, Gemeinschaft leben“, das sei wichtig.

Carina Dollbergers Tipp: „Trainieren Sie dreimal die Woche, ein echtes Gespräch zu führen.“ Es genügten schon mal ein paar Worte auf dem Hausflur oder beim Einkaufen. „Reden ist Gold!“, so Dollberger. Wichtig sei auch, „sich in Freundlichkeit zu üben“, positiv auf andere Menschen zuzugehen.

Dieser Tipp wird dann auch gleich praktisch umgesetzt. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erhalten Kärtchen mit je einer Frage. Zum Beispiel: „Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben – und von wem?“ Da kommt man schnell ins Gespräch.

Entscheiden seien auch ein lokales Netzwerk und niederschwellige Angebote

Freilich werde man nicht jeden erreichen können, erklärt Dollberger. „Nicht jeder hat das Rüstzeug.“ Deshalb seien zwei weitere Aspekte ganz entscheidend. Es brauche ein lokales Netzwerk, eine Caring Community, in der Nachbarn, Freiwillige oder soziale Dienste füreinander Verantwortung übernehmen. Sowie sogenannte dritte Orte, also Orte, an denen man weitgehend ohne Konsumzwang Menschen treffen kann. Als absolut gelungenes Beispiel nannte Dollberger das Haus der Begegnung am Rätschenbach. Es könne aber auch ein Jugendtreff sein oder auch eine Picknickbank unter alten Bäumen.

Zudem gebe es verschiedene Hilfsangebote, wie das Kompetenznetzwerk Einsamkeit (https://kompetenznetz-einsamkeit.de). Zudem verwies Carina Dollberger auf den Verein Silbernetz (silbernetz.org). Unter dem Motto „Einfach mal reden“ können bei dem Netzwerk Senioren und Seniorinnen über 60 unter der Nummer 0800 / 470 80 90 täglich von 8 bis 22 Uhr anrufen und anonym und kostenfrei mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern ins Gespräch kommen.

Silke Hörold-Ries, städtische Seniorenbeauftragte und Leiterin des Hauses am Rätschenbach, betont, wie wichtig ein niederschwelliges Angebot sei. Ein erfolgreiches Beispiel sei das Montags-Café. Das Konzept klingt so einfach wie einleuchtend: „Hier kann jeder reinkommen und nette Leute treffen.“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Freizeittipps
:Feiern mit Charakter

Im Sommer hat die Region rund um München viele einzigartige Festivitäten zu bieten: Die einen zelebrieren bayerische Tradition, die anderen ungewöhnliche Wettbewerbe. Acht Tipps für Entdeckungstouren.

SZ PlusVon SZ-Autorinnen und SZ-Autoren

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: