"Habe die Ehre":Ausgleich zum Homeoffice

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Erich Griebl ist Ehrenamtlicher bei der Tafel Dorfen. Er freut sich, dadurch anderen Menschen eine Freude zu bereiten. Gleichzeitig gefällt ihm die Abwechslung zum Alltag.

Von Niklas Behnke, Dorfen

Bundesweit ist die "Woche des bürgerschaftlichen Engagements" vom 9. bis zum 18. September gelaufen. Die Erdinger und Freisinger SZ hat sich bei "Ehrenamtlern" erkundigt, was sie dazu bewegt, ihre Freizeit zu opfern, um anderen freiwillig und ohne Entgelt zu helfen. Entstanden ist daraus die Mini-Serie "Habe die Ehre". Heute: Erich Griebl, 55 Jahre, Tafelhelfer bei der Nachbarschaftshilfe Dorfen.

"Habe die Ehre": Erich Griebl von der Tafel Dorfen.

Erich Griebl von der Tafel Dorfen.

(Foto: Renate Schmidt)

"Ich habe in Regensburg studiert und habe da schon in einer Art Nachbarschaftshilfe mitgemacht, aber danach war ich lange Jahre nicht aktiv. Ich habe einen relativ stressigen Job bei einem Halbleiterhersteller im Projektmanagement. In der Corona-Zeit war ich aber plötzlich sehr viel daheim im "Homeoffice" und konnte mir somit die Zeit nehmen. Deshalb habe ich mit Nachbarschaftshilfe angefangen: Ich habe Einkäufe erledigt für Leute, die sich wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr auf die Straße getraut haben. Relativ schnell ist dann die Frage gekommen, ob ich nicht auch in der Tafel mithelfen könnte. Sehr vielen Helfern, die oft schon im Rentenalter sind, war das Risiko sich in der Tafel anzustecken, zu groß und haben deshalb ihr Amt pausiert. In der Folge sind der Tafel die Leute ausgegangen. Weil ich ja doch noch deutlich jünger bin, habe ich daher das Risiko auf mich genommen.

"Momentan kommen deutlich mehr Leute als früher"

Zu Beginn der Corona-Zeit gab es relativ starke Einschränkungen, sodass wir die Lebensmittel in vorgepackten Tüten zu den Leuten geliefert haben. Als sich die Lage wieder normalisiert hat, konnten wir wieder vor oder in den Tafelräumen ausgeben. Die Lebensmittel werden von zwei Personen von Supermärkten oder Sponsoren abgeholt und jeden Donnerstagmorgen zwischen 7 und 9 Uhr zur Tafel gebracht. Danach werden sie von den Sortierern übernommen, durchgeschaut und geordnet. Am Nachmittag kommen die Leute, die die Waren ausgeben. Ich helfe überwiegend bei der Ausgabe, manchmal aber auch beim Sortieren. Den Fahrdienst habe ich bis jetzt noch nicht gemacht.

Momentan kommen deutlich mehr Leute als früher - sowohl Flüchtlinge aus der Ukraine als auch Deutsche, die durch die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse auf die Tafel angewiesen sind. Die Anzahl der Leute hat sich verdoppelt. Deswegen haben wir jetzt zwei Ausgabeschichten und eine Sortierschicht. Für eine typische Einfachschicht kann man ungefähr drei Stunden rechnen. Am Nachmittag machen wir teilweise eine Doppelschicht und da bist du dann schon eher fünf Stunden im Einsatz. Mit meinem Job kann ich das vereinbaren, da ich oft sehr früh mit der Arbeit anfange und ich mir die Zeit einteilen kann. Wenn ich irgendwann in zehn Jahren in den Ruhestand gehe, dann kann ich mir durchaus vorstellen, noch mehr Zeit für das Ehrenamt aufzuwenden, aber das aktuelle Maß mit etwa drei Stunden in der Woche ist aber auch jetzt locker machbar und das will ich auch so beibehalten.

"Die Leute sind sehr dankbar und du siehst auch wirklich, wie die Leute lächeln. "

Ein Grund für mein Ehrenamt ist, dass es irrsinnig viel Spaß macht, den Leuten zu helfen. Die Leute sind sehr dankbar und du siehst auch wirklich, wie die Leute lächeln. Wenn du mit den Menschen ins Gespräch kommst, erfährst du auch mehr über ihre Kultur. Es ist auch ein tolles Erlebnis, zu wissen, dass man etwas für Personen tut, denen es nicht so gut geht und die nicht alles haben. Für mich ist es aber auch eine tolle Sache, dass ich mal aus meinem üblichen Trott rauskomme. Normal sitze ich im Büro und mache Projektmanagement - mit sehr viel Telefonieren, Organisieren und Verfolgen, dass die Kosten und die Zeitleisten nicht davonlaufen. Das ist schon eine sehr hirngesteuerte Arbeit, bei der man es wirklich mal braucht, etwas "mit den Händen" zu machen: Kisten heben und Sachen ausgeben - einfach was anderes.

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