Ebersberger Forst Honeymoon für Bienenköniginnen

Wie kleine Vogelhäuschen sehen die Begattungskästchen im Forst aus. Im Inneren tummeln sich weibliche Bienen und die Königin.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Imker bringen ihre zur Sauschütt. Sie wollen die "Apis melifera carnica" erhalten

Von Franziska Spiecker, Ebersberg

An die 480 000 Bienen sind unterwegs im 7,5 Kilometer großen Schutzkreis der Bienenbelegstelle Sauschütt im Ebersberger Forst. Während Arbeiterbienen an den Himbeer- und Brombeerflächen Nektar und Pollen sammeln, treffen sich Königinnen und Drohnen in 15 bis 50 Metern Höhe zur Paarung in der Luft: Zwölf bis 18 Drohnen begatten eine Königin - ist das vollbracht, sterben die männlichen Bienen, ihre Lebensaufgabe ist erfüllt. Die Königinnen kehren in ihre Begattungskästchen zurück, legen täglich 2000 Eier, vier Jahre lang - ohne auch nur ein einziges Mal neu begattet zu werden.

So etwa läuft es von Mitte Mai bis Anfang August normalerweise ab in der Bienenbelegstelle des Imkerkreisverbandes Erding, erklärt Imkermeister Herbert Schwarzer. Um ihn herum duftet es nach nassem Wald, nichts als Vogelzwitschern ist zu hören. Mit vier weiteren Imkern kümmert er sich ehrenamtlich um die seit 1945 staatlich anerkannte Belegstelle. Ihr Ziel ist es, die ortsübliche Bienenrasse "Apis melifera carnica" zu erhalten. Nur Bienenvölker dieser Art dürften daher in den Schutzkreis, erläutert Schwarzer.

Mit seinen Kollegen hat er 24 Drohnenvölker in großen Bienenkästen aufgestellt. "Die heißen so, weil dort für ein Bienenvolk überdurchschnittlich viele Drohnen leben." Jeden Samstag kommen Imker und bringen ihre Begattungskästchen samt frisch geschlüpfter Königin vorbei. Betritt man die Belegstelle durch das hölzerne Tor, sieht man die Begattungskästchen überall zwischen den Laub- und Nadelbäumen hervorgucken. Als Schwarzer ein Dach aufklappt, kommen hinter einer Glasscheibe Wabenzellen und 400 bis 500 weibliche Bienen zum Vorschein.

Einige krabbeln aus einem Loch ins Freie hervor, nicht aber die Königin. Die begebe sich erst dann zur Begattung in die Lüfte, wenn die Temperaturen über 15 Grad kletterten, sagt Schwarzer. Nachdem das vollbracht und die Königin in ihr Kästchen zurückgekehrt sei, dauere es ungefähr eine Woche, bis sie ihre ersten Eier in die Wabenzellen lege. "Die Besonderheit bei der Biene ist, dass eine normale Honigbiene und die Königsbiene die gleiche Ursprungsbasis haben", erklärt der 51-Jährige. Wenn also nach drei Tagen aus den winzigen Eischalen 2000 Larven kriechen, ist über das Schicksal des zur Herrschaft erkorenen weiblichen Nachwuchses noch nichts entschieden. Arbeiterin oder Königin? Das ist die Frage. Und die Antwort liegt laut Schwarzer allein im Futter: "Die normale Honigbiene bekommt Pollen, die Königsbiene Gelee Royal." Der Königinnenfuttersaft bewirke, dass die Biene mehr als doppelt so groß werde und - im Gegensatz zu den normalen Arbeiterinnen - Eier legen könne.

Weil sie nach der Begattung direkt loslegen wolle, ein Volk aufzubauen, dürfte die Königin in den sogenannten Einwabenkästchen maximal zwei Wochen bleiben: "Sonst ist sie unzufrieden und unterfordert". Die Königin wird wie ihr Nachwuchs also in einen großen Bienenkasten verfrachtet, wo ein Volk laut Schwarzer auf zwei Wegen entstehen kann: Entweder es werde mit der Königin ein neues Volk gebildet, wofür Bienen aus verschiedenen Völkern zu einem "Kunstschwarm" zusammengefügt werden müssten. Oder die Königin eines Volkes hat ihre Lebensdauer von vier Jahren erreicht und wird durch die neue Königin ersetzt. Das Volk bleibt das gleiche. Damit die Imker erkennen, wie alt die Königinnen sind, würden sie jedes Jahr in einer anderen Farbe markiert: "Letztes Jahr war es rot, dieses Jahr ist es grün."

Die Zusammensetzung in einem Volk ändert sich stetig: Besteht es grundsätzlich aus einer Königin, etwa 1500 Drohnen und 30 000 bis 60 000 Arbeitsbienen, so werden die Drohnen über den Winter rausgedrängt. "Das Bienenhaus überwintert sparsam", erklärt Schwarzer. Es reduziere sich auf 6000 bis 8000 weibliche Bienen, die ausreichen, um sich in einer "Wintertraube" gegenseitig zu wärmen.

Natürlich geht auch das Bienensterben an den Völkern nicht unbemerkt vorbei. Es steige die Zahl der Honigbienen leicht, weil sich die Imker um sie kümmerten, trotzdem merke man, dass sich ihre Gesundheit verschlechtert habe. "Sie sind heuer anfälliger für die Varroamilbe", erklärt Schwarzer. Auch Pestizide und der Mangel an unterschiedlicher Nahrung sind ein Problem. Der Imkermeister, der seine Leidenschaft für die Bienen als "Gendefekt von Opas Seite" bezeichnet, hat aber auch Hoffnung. Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" habe etwas bewegt. Es würden mehr insektenfreundliche Pflanzen gekauft. Die Imkerverbände setzen darauf, dass es wieder mehr blüht.