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Ebersberg/Erding:Das große Ganze

Webinar Grünenkandidat für Bundestag Christoph Lochmüller

Der Grünen-Kandidat Christoph Lochmüller.

(Foto: privat)

Der Grüne Christoph Lochmüller wirbt für ein neues Denken

Von Johannes Korsche, Ebersberg

Kurz bevor sich Christoph Lochmüller, der für die Grünen und den Wahlkreis Ebersberg und Erding als Direktkandidat 2021 in den Bundestag einziehen will, am Mittwochabend verabschiedete, war ihm noch eines wichtig: "Entschuldigt, da hab ich mich ein wenig hineingesteigert", sagte der sonst betont sachlich und ruhig auftretende Unternehmer und Biobauer aus Hohenlinden. Die Emotionalität dürfte im Hinblick auf das Thema des Abends wenig überraschend gewesen sein, schließlich kann Lochmüller dabei mit seinen eigenen Erfahrungen argumentieren: "Wie gestalten wir die Wirtschaft der Zukunft?"

Sein Betrieb, der in Feldkirchen Aufzüge baut und instand hält, sei seit 2021 klimaneutral, erklärte er. Und er sei die "Debattiererei", was zu tun sei, um Ähnliches für die gesamte Wirtschaft zu erreichen eben leid. Eine höhere CO2-Bepreisung, eine bessere Unterstützung der kleineren Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität und ein Recht auf Reparatur - um nur einige der Vorschläge zu nennen, die Christoph Lochmüller und Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, den bis zu 50 Zuhörern des online abgehaltenen Info-Abends vorstellten. Lokale Themen kamen kaum zur Sprache. Eine Ausnahme bildeten die Windräder im Ebersberger Forst.

Er kämpfe für die Windräder, machte Lochmüller klar. Auch gegen die "kleine aber laute Minderheit", die gegen die fünf Windräder trommle, die im Ebersberger Forst entstehen könnten. Ihnen unterstellte er gar "trumpistische Methoden" und warf ihnen vor, mit "vielen Unwahrheiten Stimmung zu machen". Er wolle mit Fakten dagegenhalten, sagte Lochmüller. Am 16. Mai fällt die Entscheidung, dann können die Ebersberger ihre Stimme beim Bürgerentscheid abgeben.

Ansonsten drehte sich der Abend um das ganz Große, die "fünfte industrielle Revolution", wie Lochmüller den Wandel zum klimaneutralen Wirtschaften nannte. Dabei "wird es Härten geben. Das ist so", sagte er und meinte damit das Ende mancher Berufszweige. Das sei allerdings schon immer so gewesen, heute stelle auch kaum einer mehr Holzkutschen her. Aufgabe der Politik sei es, "die Härten abzufedern." Und wie will er nun die fünfte industrielle Revolution gestalten? Von Verboten, wie es mancher politische Gegner den Grünen ja gerne vorhält, hören die Zuschauer an diesem Abend kein Wort. Von "freiwilligen Selbstverpflichtungen" der großen Konzerne hält Lochmüller aber auch nichts. "Das funktioniert einfach nicht." Sein Antwort: Politische "Rahmenbedingungen", die "Lenkungswirkung" haben. Ein stetig steigender CO2-Preis werde schon zur Folge haben, dass Unternehmen ihren Energiemix umstellen. Derzeit kostet es Unternehmen lediglich 25 Euro, eine Tonne CO2 auszustoßen. Viel zu wenig, findet Lochmüller. Allerdings sollen auch Privatpersonen umdenken, fordert er. "Wir sollten dafür werben, einen anderen Lebensstil zu haben", einen einfacheren, aber das müsse jeder für sich entscheiden.

An der Stelle gab es dann doch sanften Widerspruch im sonst so einigen Grünen-Team. "Wir dürfen den Klimaschutz nicht privatisieren", beeilte sich Katharina Schulze hinterher zu schieben. Zudem sei der soziale Ausgleich mit zu bedenken, betonte sie.

© SZ vom 06.03.2021
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