Ebersberg:330 Notfälle im Jahr

Lesezeit: 2 min

Die Obdachlosigkeit im Landkreis Ebersberg nimmt zu

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Menschen ohne Dach über dem Kopf sind auch und gerade im reichen Landkreis Ebersberg nicht selten. Wie eine nun vorgestellte Studie aus dem Büro des Ebersberger SPD-Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer belegt, hat die Zahl der Obdachlosen im Landkreis im vergangenen Jahrzehnt deutlich zugenommen. Dies bekommt man auch in den Kommunen zu spüren. Diese sind dafür zuständig Obdachlose unterzubringen, eine Aufgabe, die also immer mehr Aufwand erfordert.

Für die Studie hat Schurers Mitarbeiterin Katharina Würzberg verschiedene Quellen, etwa Statistiken des Landratsamtes, der Bundesagentur für Arbeit oder des statistischen Landes- und Bundesamtes ausgewertet. Für den Bereich Obdachlosigkeit lässt sich aus den Daten ein deutlicher Anstieg herauslesen. So hatte die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit des Landkreises im Jahr 2004 noch 80 sogenannte Wohnungsnotfälle zu betreuen - also Fälle in denen Personen von akuter Obdachlosigkeit betroffen sind, etwa nach einer Zwangsräumung der Wohnung. Laut Daten aus dem Landratsamt stieg die Zahl dieser Notfälle bis 2014 auf 330 an. Auch geografische Unterschiede bei der Obdachlosigkeit hat Würzbergs Sozialstrukturanalyse für den Landkreis ausgemacht - und auch eine Ursache dafür: Besonders hoch ist die Zahl der Obdachlosen mit fünf auf 1000 Einwohner in Ebersberg, Kirchseeon und Markt Schwaben.

Auch in der größten Landkreisgemeinde, in Vaterstetten, ist die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen Jahren gestiegen - vor allem aber habe sich das Klientel verändert. Laut gemeindlichem Ordnungsamt seien es früher hauptsächlich alleinstehende Männer gewesen, für die man eine Unterkunft finden musste. Mittlerweile seien auch Familien von Obdachlosigkeit betroffen. In Vaterstetten wurde im vorvergangenen Jahr die ehemalige Polizeistation am Rathaus als Unterkunft hergerichtet, und zusätzlich noch Wohncontainer daneben aufgestellt. Weitere Entspannung könnte es im Laufe dieses Jahres geben, wenn die vom Freistaat geplante Asylbewerberunterkunft in Vaterstetten fertiggestellt wird. Voraussichtlich im Frühjahr soll mit dem Bau begonnen werden, in dem neuen Haus am Wertstoffhof sind auch Schlafplätze für Obdachlose geplant, die in die Zuständigkeit der Gemeinde Vaterstetten fallen.

Doch nicht in allen Kommunen gibt es überhaupt Unterkünfte für Obdachlose, gerade kleinere Kommunen behelfen sich, indem sie bei Bedarf kurzfristig Pensionszimmer anmieten - was freilich nicht ganz billig und vor allem schwer zu planen ist. Nicht zuletzt sind diese kurzfristig angemieteten Unterkünfte gelegentlich wenig wohnlich, es gab auch schon Fälle, in denen findige Geschäftsleute viel Geld mit Bruchbuden verdienten.

Um hier eine sowohl für die Obdachlosen wie für die Gemeinden brauchbare Lösung zu finden, hat vor gut einem Jahr die Diakonie Rosenheim, der Träger der zentralen Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit, ein neues Unterbringungskonzept initiiert. Zwei Gemeinschaftsunterkünfte mit je zehn Plätzen sollten entstehen, je eine im Landkreisnorden und eine im Süden. Finanziert wird das von den beteiligten Kommunen, diese zahlen pro Person und Monat 510 Euro - allerdings nur, wenn sie einen Platz in Anspruch nehmen.

Die erste Einrichtung wurde im vergangenen Sommer in Ebersberg eröffnet, neben einen sauberen Schlafplatz gibt es dort auch Betreuung von Sozialpädagogen. Denn Ziel des Angebotes sei es nicht nur, die Menschen von der Straße zu holen, so formuliert die Diakonie ihren Auftrag, sondern ihnen zu ermöglichen, in eine eigene Wohnung umzuziehen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB