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Dorfener Jungunternehmer:Explosive Kompositionen

matthias greimel

Eine Leidenschaft für Explosionen: Matthias (links) und sein Vater Bernhard (rechts) veranstalten Feuerwerke mit musikalischer Untermalung.

(Foto: oh)

Matthias Greimel produziert Feuerwerke, die von Musik begleitet werden. Vom Erfolg ist er selbst überrascht

Matthias Greimel erinnert sich noch gut an den Tag, an dem er endgültig nicht mehr an seiner Idee zweifelte. Er stand im Olympiapark, an einem Juliabend vor zwei Jahren. Der Sommernachtstraum in München, eine Show mit Feuerwerk und Musik, steuerte gerade auf das große Finale zu: Raketen malten bunte Muster an den dunklen Nachthimmel, die sich im See spiegelten. Aus den Boxen wummerte laute Musik. Greimel gefiel die Choreografie, die Symbiose aus Musik und Feuerwerk. Er dachte: "Das ist es." Ein Jahr später gründete Greimel, 22, die Firma Feuerwerkstatt Bayern. Sie hat sich auf Musikfeuerwerke spezialisiert: Pyroshows, die von Musik begleitet werden. Am kommenden Mittwoch (22.30 Uhr) wird Greimel beim Volksfest in Taufkirchen auftreten.

Feuerwerke faszinieren Greimel schon seit Kindestagen. Der Sommernachtstraum war dann der Aha-Moment. "Das war noch mal was ganz anderes, ein neues Level. Die Musik weckt zusätzliche Emotionen", erinnert sich Greimel. Weil sein Vater Bernhard die Leidenschaft des Sohnes teilt, machte er mit. "Es läuft erstaunlicherweise gut", sagt Matthias Greimel und klingt dabei aufrichtig überrascht. Natürlich sei es am Anfang etwas schwierig gewesen, "bis man reinkommt und die Leute kennen lernt". Aber inzwischen habe man sich in der Szene einen Namen gemacht. Zu den Kunden gehören vor allem Volksfeste, aber auch Jubilare, die ihre Geburtstagsfeiern aufwerten wollen.

Der Dorfener glaubt, eine kleine Marktlücke entdeckt zu haben. Ein Feuerwerk, das auf Musik abgestimmt ist, bieten vergleichsweise wenige Firmen an. "Die Choreografie ist schon deutlich aufwendiger als ein klassisches Feuerwerk", findet er. Es müssten schließlich zwei Komponenten zusammenpassen: "Das hat viel mit Komponieren zu tun." Zwar schreibt Greimel die Musik nicht selbst, sondern verwendet stattdessen aktuelle Lieder oder - sehr häufig - klassische Stücke. Doch er orchestriert die zur Musik passenden Raketen, Effekte, Knaller. Es gehe um das richtige Timing, um Takte und Rhythmen - knifflige Detailarbeit. "Diesen kreativen Part wollen viele Kollegen nicht machen, weil es unheimlich viel Zeit braucht", glaubt Greimel. Er versteht sich schon auch als Künstler. Obwohl am Ende der Computer den Ablauf steuert.

Vor vier Jahren hat er mit der Ausbildung zum Großfeuerwerker begonnen, da war er gerade 18. Es ist ein mühsamer, zeitraubender Prozess. Jeder Anwärter muss 26 Teilnahmen an offiziellen Feuerwerken nachweisen, erst dann darf er auf die Pyrotechnikerschule. Dort folgt ein einwöchiger Intensivkurs: Recht, Technik, theoretische und praktische Prüfung vor der Gewerbeaufsicht. Wer mit explosiven Materialien hantiere, müsse sich jedesmal ausweisen, erklärt Greimel. Das beginne beim Kauf und ende beim Antrag, den man für jedes Feuerwerk bei der Regierung von Oberbayern einreichen müsse: "Die Sicherheitsstandards sind sehr hoch. Deswegen passiert sehr selten etwas, bei mir nicht einmal während der Ausbildung."

Ihr Material, insgesamt mehrere Tonnen Schwarzpulver, müssen die Greimels in einer speziellen Halle lagern, hinter dicken Wänden und Stahltüren. Bisher war das Lager nur gemietet. Doch weil das Geschäft brummt, wollen sie nun ihre eigenes Lager bauen. Am Dienstagabend wird sich der Dorfener Bauausschuss zu dem Vorhaben äußern. Mit Genehmigungen hatten die beiden Feuerwerksliebhaber bisher jedoch kaum Probleme. Nur vor ein paar Wochen, als die Hitze die Wiesen ausgetrocknet hatte, fiel ein Auftritt aus. "Die Waldbrandgefahr war zu hoch, da haben wir es gelassen", erklärt Matthias Greimel.

Für den 22-Jährigen ist das Geschäft derzeit eine Mischung aus Hobby und Nebenjob. Er finanziert sich damit das Bauingenieurs-Studium in München. "Das ergänzt sich gut", findet er: "Ich plane gerne." Die Choreografie für das Volksfest in Taufkirchen steht bereits. Um 14 Uhr beginnen die Aufbauarbeiten, gut acht Stunden später erfolgt die Zündung. "Innerhalb weniger Minuten sieht man die ganze Arbeit von mehreren Tage vorüberziehen - das ist einmalig", sagt Greimel. Es wird dunkel sein wie vor zwei Jahren im Münchner Olympiapark. Wieder werden Raketen den Himmel erleuchten, dazu die Musik. In dem Moment dürfte sich Matthias Greimel bestätigt fühlen, dass das damals eine gute Idee gewesen ist.

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