bedeckt München

Dorfener CSU:Doppeltes Spiel

Die CSU macht sich für mehr Geld für Jugendarbeit stark und bürstet eine Kritikerin ab

Von Florian Tempel, Dorfen

Die CSU im Dorfener Stadtrat kann kooperativ arbeiten, verträgt aber keine Kritik. Sie hat mit der Zwei-Mann-Fraktion Gemeindewahl Tegernbach - einer der beiden Tegernbacher ist allerdings sowieso CSU-Mitglied - eine Fraktionsgemeinschaft gebildet. Man harmoniert und hat zusammen einen "Antrag zur Jugendförderung in der Stadt Dorfen" in die Haushaltsberatungen im Hauptausschuss eingebracht. Die örtlichen Vereinen sollten "pro zuschussfähigem Kind oder Jugendlichen" in diesem Jahr 15 Euro bekommen, statt wie bisher zehn Euro. Kostet die Stadt halt circa 8000 Euro mehr, aber das sollte es einem trotz Corona-Sparzwängen wert sein. Eine gute Idee, fanden auch alle anderen im Ausschuss. Als aber Ursula Frank-Mayer, die Fraktionssprecherin der Grün-Alternativen-Liste (GAL), doch noch etwas anmerkte, bevor es zur Abstimmung ging, rastete Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) beinahe aus.

Bürgermeister Heinz Grundner (CSU).

(Foto: Renate Schmidt)

Sie finde es ja super, dass die CSU ein großes Herz für die Jugendarbeit habe, sagte Frank-Mayer. Das sei deshalb bemerkenswert, weil die CSU beim Haushalt des Landkreises zuletzt sehr knickrig den Etat des Kreisjugendrings (KJR) reduziert habe. Die lokale Vereinsarbeit in Dorfen hoch zu halten, aber zuvor den KJR finanziell zu stutzen, "das passt nicht zusammen", sagte Frank-Mayer.

So kann man das durchaus sehen. Die Dorfener Christsozialen stellen ein Fünftel der Mitglieder in der CSU-Kreistagsfraktion und in Michael Oberhofer den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Die Dorfener Christsozialen haben im Kreistag die knausrigen KJR-Kürzung mitgetragen und daheim dann einen Antrag für mehr Geld für die Jugendarbeit verfasst. Darin steht mit reichlich Pathos: "In zahlreichen Vereinen wird wertvolle Jugendarbeit geleistet, die nachweislich nachhaltig einen positiven Effekt für das Gemeinwohl mit sich bringt. Pandemiebedingt stellt die Aufrechterhaltung oder gar der Ausbau dieser immens wichtigen Gesellschaftsaufgabe die Vereine vor zahlreiche Herausforderungen." Vergleichbares hatte man zur Arbeit und Wichtigkeit des KJR, in dem die Jugendorganisationen des Landkreises zusammengeschlossen sind und Jugendleiter von Vereinen und Verbänden in Fragen der Jugendarbeit unterstützt werden, von der CSU nicht gehört.

Ursula Frank-Mayer (GAL).

(Foto: Renate Schmidt)

Frank-Mayer wies daraufhin, dass der Kreistag dem KJR nach der ersten Sparrunde noch mal 20 000 Euro gestrichen habe, bevor diese Kürzung durch eine Spende der Sparkasse ausgeglichen wurden. Sie fragte dazu Bürgermeister Grundner, ob er, als Mitglied des Verwaltungsrats, denn nicht ebenso wie Landrat Martin Bayerstofer (CSU) eine Spende von der Sparkasse organisieren könnte, wegen Corona-Sparzwang und so.

Bürgermeister Grundner kochte vor Wut und wies alles "entschieden zurück". Die CSU unterstütze schon immer die Jugendarbeit und die Kritik sei völlig unangebracht. Die Presse habe falsch und einseitig berichtet, giftete er, und unterm Strich habe der KJR ja gar keine Einbußen. Wenn etwas nicht passe, dann sei es ja wohl nur die Wortmeldung von Frank-Mayer, die nicht in den Stadtrat, sondern wenn, dann in den Kreistag gehöre. Stadträtin Barbara Lanzinger (CSU) sprang ihm bei, wiederholte die steile These, dass Kritik an der CSU im Dorfener Stadtrat "fehl am Platz" sei, und verbat Frank-Mayer kurzerhand den Mund: "Sei einfach staad!"

© SZ vom 19.02.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema