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Dorfen:"Vollständig verantwortlich"

Klaus Steiner, Harald Lesch, Cecilia Scorza und Detlef Fischer vom Verband der Energie- und Wasserwirtschaft mit einem Klimakoffer.

(Foto: Renate Schmidt)

Professor Harald Lesch bringt es auf den Punkt: Der Klimawandel ist zweifelsfrei menschengemacht

Von Florian Tempel, Dorfen

Professor Harald Lesch ist nicht nur ein profilierter Wissenschaftler. Seit 1995 ist er Professor für Astrophysik an der Universität München und seit vielen Jahren unterrichtet er zudem an der Hochschule für Philosophie in München. Einem breiten Publikum ist er seit Jahren vor allem als besonders befähigter Vermittler wissenschaftlicher Erkenntnisse bekannt. Wie kaum ein anderer vermag er die kompliziertesten Themen der Physik auch für Laien begreiflich zu machen. Seit einigen Jahren treibt ihn jedoch ein Thema ganz besonders um: der menschengemachte Klimawandel, der nicht zu leugnen ist und doch von so vielen abgetan, verharmlost oder abgestritten wird.

Seine Ehefrau, die Physikerin Cecilia Scorza, hat mit anderen Wissenschaftler Unterrichtsmaterial für Schulen entwickelt, sogenannte Klimakoffer mit Experimenten zum Klimawandel, um dem Unwissen und der unwissenden Verdrängung etwas entgegenzusetzen. Am Freitagabend waren Scorza und Lesch auf Einladung der Stadtwerke Dorfen im Jakobmayer, um mehrere Klimakoffer an bayerische Schule, darunter das Gymnasium Dorfen, zu überreichen. Die Aktion wird vom Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft gesponsort, dessen aktueller Präsident der Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen, Klaus Steiner, ist.

Im bis auf den letzten Stehplatz belegten, fast schon übervollen Jakobmayer-Saal traf Lesch auf ein aufnahmebereites Publikum. Nachdem er seine Zuhörer in seiner mitreißenden und witzigen Art in Stimmung gebracht hatte, redete er nicht lange drumherum und erklärt kurz und bündig, was Sache ist: "Wir sind es, die vollständig für den Klimawandel verantwortlich sind." Professor Lesch legte dar, wie sich das beweisen lässt und dass es daran nichts zu zweifeln gibt. Der menschengemachte Klimawandel sei kein Diskussionsthema, sondern eine Tatsache. Dass viele Menschen das nicht verstehen und akzeptieren wollen, ist etwas, was Lesch tatsächlich wütend machen kann. Er habe sich zuletzt erst, als Mitglied des Klimarats, "den Mund fusselig geredet", damit "Politikern, deren Namen sie alle kennen", die Notwendigkeiten der Zeit erkennen. Zum Beispiel, dass "alles was CO₂ emittiert, ein Problem ist," und das es keinen Sinn mache auf "technische Entwicklungen" zu warten, die schon noch kommen und die Erde retten würden. Wie wenig die Politik den Ernst der Lage verinnerlicht habe, sei allgemein bekannt.

Gleichwohl sei "Angst kein guter Ratgeber", sagte Lesch. Wichtig sei die richtige Wissensvermittlung, wozu die Klimakofferaktion in den Schulen einen Beitrag leisten können. Denn auch wenn der Klimawandel aktuell eines der zentralen Themen im politischen Diskurs und in den Medien ist, heiße das noch nicht, dass Schülerinnen und Schüler die Tragweite des Klimawandels absehen und begreifen. Wissenschaftliche Hintergründe und Folgen des Klimawandels können mit den Experimenten des Klimakoffers experimentell erfahrbar gemacht werden. Mit relativ einfachen Mitteln kann man so die verhängnisvollen Mechanismen des Treibhauseffekts oder der Erwärmung der Ozeane nachvollziehen und die naturwissenschaftliche Zusammenhänge erkennen.

Seinem Publikum in Dorfen rief Lesch zu, "machen Sie mit, wo immer es geht", bei der "epochalen Aufgabe", den Klimawandel zu stoppen.

© SZ vom 10.02.2020
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