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Dorfen:Supersonderschnäppchenfonds

Sommer in Dorfen

Schaut ganz nett aus, aber da fehlt noch etwas: Auf dem Unteren Markt soll ein Fontänenfeld seine belebende Wirkung entfalten.

(Foto: Stephan Görlich)

Die Stadt hofft auf Extrageld aus einem 100 Millionen-Förderprogramm des Staats - unter anderem für ein Fontänenfeld

Von Florian Tempel, Dorfen

Der Freistaat Bayern hat einen Sonderfonds für darbende Kommunen aufgelegt, um sie dabei zu unterstützten, wieder Leben in ihre Innenstädte zu bringen. Die Stadt Dorfen will sich das nicht entgehen lassen und bewirbt sich um ein Stück vom Kuchen. 100 Millionen Euro werden "zur Belebung und Stärkung der bayerischen Innenstädte" ausgeschüttet, war im Stadtrat zu erfahren. Die Dorfener Stadtverwaltung meldet eine ganze Reihe von förderfähigen Maßnahmen an. So könnte das seit längerem geplante, wegen akuter Finanzknappheit aber verschobene Fontänenfeld auf dem Unteren Markt nun endlich realisiert werden. Zudem will man Zuschüsse für eine "After Corona Kick-off-Veranstaltung", ein allgemeines Innenstadt-Gestaltungskonzept, ein "proaktives Leerstandsmanagement", ein Programm für "Erdgeschossnutzung" und eines für Barrierefreiheit mit Hilfe der staatlichen Finanzspritzen auflegen.

Die Möglichkeiten des Sonderfonds wurde von Stefan Erber, dem neuen Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit im Dorfener Rathaus, vorgestellt. Insbesondere sei nun eine "einmalige Chance" gegeben, das Fontänenfeld auf dem Unteren Markt tatsächlich zu bauen. Ein Fontänenfeld ist eine Art ebenerdiger Brunnen, bei dem aus einer Vielzahl von Düsen im Boden Wasser in die Luft spritzt. Mal höher, mal niedriger, mal gar nicht, alle Fontänen auf einmal oder hintereinander oder durcheinander. Andernorts sind solche Fontänenfelder der Renner an heißen Sommertagen. Vor vier Jahren beschlossen die Dorfener, dass sie das auch haben wollen. Doch wie so oft gab es dann Wichtigeres, die Pläne kamen in die Schublade, und dann war wegen des Steuerrückgangs durch Corona kein Geld mehr da. So ein Fontänenfeld hat seinen Preis. In Dorfen wird mit 255 000 Euro gerechnet. Der Sonderfonds des Freistaats Bayern zur Belebung der Innenstädte würde die belebenden Wasserspiele wie alle anderen förderfähigen Projekte mit 80 Prozent Zuschuss unterstützen. Auf diese Weise wäre das schöne, aber teure Fontänenfeld zum Schnäppchenpreis von 51 000 Euro zu haben.

"Wir sollten jetzt zugreifen", sagte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU), so ein tolles Förderprogramm werde es so schnell nicht noch einmal geben. Auch Ludwig Rudolf (CSU) warb dafür, und Gewerbereferent Martin Greimel (CSU) sagte, "wir müssen auf die Attraktivität unserer Innenstadt schauen", das sei ein ganz wichtiges Thema. Damit meinte er freilich nicht nur das Fontänenfeld, sondern auch die anderen Programme, für die es Extrageld vom Staat geben könnte. Das "Paket mit neuen Maßnahmen" nahm sich kostenmäßig mit 60 000 Euro vergleichsweise bescheiden aus. Die Stadt darf auf 48 000 Euro Zuschüsse hoffen und müsste selbst nur 12 000 Euro zusammenkratzen.

Leise Kritik kam nur von Martin Heilmeier (Landlisten). Auch wenn der Staat der Stadt viel Geld schenken würde, entstünden ja doch auch bislang im Haushalt nicht eingeplante Extrakosten. Heilmeier wies darauf hin, weil eine von ihm geforderte Verkehrsinsel am westlichen Ortseingang von Esterndorf bei den abschließenden Haushaltsberatungen wegen der akuten Geldknappheit der Stadt als grundsätzlich entbehrlicher Extrawunsch eingestuft worden ist.

Hans Selmair (Landlisten) und Ursula Frank-Mayer (GAL) wiesen wiederum daraufhin, dass das Thema Barrierefreiheit kein kleiner Nebenpunkt im "Paket neue Maßnahmen" sein dürfe. Man brauche keine neuerlichen Überlegungen, was zu tun sei, sondern müsse auf den bereits erfolgten Vorarbeiten der ehemaligen Dritten Bürgermeisterin Doris Minet und anderer aufbauend nun endlich ein konkretes Programm für Barrierefreiheit in der Dorfener Innenstadt auflegen.

Mit einem Gestaltungskonzept für die Innenstadt soll unter anderem das Erscheinungsbild der Außengastronomie verbessert werden. Stefan Erber nannte als Beispiel Sonnenschirme ohne Firmenlogos. Mit einem proaktiven Leerstandsmanagement will er verhindern, dass Läden nach einer Geschäftsaufgaben lange ungenutzt bleiben und auch Zwischennutzungen vermitteln.

© SZ vom 10.06.2021
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