Kommunaler Versorger:Das beste Jahresergebnis jemals

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Kommunaler Versorger: Das eigene Glasfasernetz der Stadtwerke Dorfen war zuletzt die gewinnträchtigste Sparte des kommunalen Unternehmens.

Das eigene Glasfasernetz der Stadtwerke Dorfen war zuletzt die gewinnträchtigste Sparte des kommunalen Unternehmens.

(Foto: Stephan Görlich)

Mit 30,3 Millionen Euro haben die Stadtwerke Dorfen einen Jahresüberschuss von einer Million Euro erwirtschaftet. So viel noch nie. Doch die Zukunft ist ungewiss.

Von Florian Tempel, Dorfen

Es klang schon fast absurd, was Klaus Steiner, Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen, dem Stadtrat zur Bilanz des vergangenen Jahres zu verkünden hatte: "Wir hatten das beste Jahresergebnis in der Geschichte der Stadtwerke." 2021 sah eben so vieles noch ganz anders aus: Kein russischer Angriffskrieg in der Ukraine, keine Gasknappheit, keine Energieversorgungskrise. Dass im Oktober 2022 gute Nachrichten über vergangene Zeiten nicht im Mittelpunkt des Interesses stehen, war Steiner natürlich auch klar. Er fasste seine Jahresbericht deshalb möglichst kurz, um sich der näheren Zukunft zu widmen: "Ich denke, was mehr interessiert, ist das, was vor uns liegt." Seine Prognose: Es wird schwierig.

Die Zahlen des Jahres 2021 waren rundum erfreulich. Bei einer Bilanzsumme von 30,3 Millionen Euro konnten die Stadtwerke einen Jahresüberschuss von einer Million Euro erwirtschaften, so viel wie noch nie und 200.000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Vom Gewinn werden 400.000 Euro an die Stadt ausgeschüttet, der Rest bleibt als Rücklage im Unternehmen. Den größten Anteil am positiven Betriebsergebnisse hatte 2021 die Sparte Glasfaser, die 32 Prozent zum Gewinn beitrug. Der jüngste Geschäftsbereich der Stadtwerke hat sich durch viele neue Kunden so gut entwickelt. Mittlerweile sind mehr als 2000 Betriebe und Haushalte ans Dorfener Glasfasernetz angeschlossen. An zweiter Stelle trug im vergangenen Jahr die ökologische Fernwärme zum Gewinn bei, noch vor der Sparte Erdgas. Auch die Fernwärme findet immer mehr Abnehmer in Dorfen. Gleichwohl hängen immer noch dreimal so viele Haushalte am Gas wie an der Fernwärme. Während auch die Wasserversorgung und der Unternehmensbereich Elektroinstallationen positive Ergebnisse einbrachten, ließ sich einzig mit der Stromversorgung 2021 bei den Stadtwerken Dorfen kein Gewinn erzielen.

Kommunaler Versorger: Der Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen, Klaus Steiner.

Der Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen, Klaus Steiner.

(Foto: Renate Schmidt)

Ein "größeres Ärgernis", sagte Stadtwerkechef Steiner, seien die nach wie vor relativ vielen Strom- und Gaskunden, die nicht dauerhaft bei den Stadtwerken bleiben, sondern zu vermeintlich günstigeren Anbietern wechselten und wieder von diesen zurückkämen. Die schwer kalkulierbaren Wechselkunden machten schon immer teure Zukäufe bei Strom und Gas nötig. Aktuell werden es wohl noch einmal mehr werden, die wegen zu hoher Rechnungen anderswo kündigen und zum Grundversorger, den Stadtwerken, kommen.

"Wir haben in den nächsten Jahren unglaublich viel zu tun"

Doch das ist nur eine von vielen Unbekannten, mit der Stadtwerke-Geschäftsführer Steiner rechnen muss. Ihn beschäftigten derzeit jede Menge schwieriger Themen und Herausforderungen. "Wir haben in den nächsten Jahren unglaublich viel zu tun." Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz seien die drei wesentlichen Elemente. Was die Bezahlbarkeit bei Gas und Strom angehe, habe man bei den Stadtwerken eine vergleichsweise gute Situation. Die Energiemengen würden in Dorfen schon immer "sehr konservativ beschafft", das heißt im Wesentlichen drei Jahre vor dem Verbrauchszeitraum eingekauft. Steiner illustrierte das mit einem Beispiel: 20 000 Kilowattstunden Gasverbrauch kosteten am 1. August 2022 im teuersten Tarif der Stadtwerke knapp 2600 Euro. Das billigste Gasversorger-Angebot im Internet lag hingegen Ende September bereits bei knapp 7000 Euro.

Die Preise für die Dorfener Fernwärme werden voraussichtlich auch steigen, sagte Steiner, aber nicht ganz so stark. Er rechne derzeit bei 20 000 Kilowattstunden Wärmeverbrauch mit einer Steigerung von 1700 Euro in diesem auf 2240 Euro im kommenden Jahr. Zur Frage "Kommt der Blackout?" beim Strom wollte sich Steiner nicht festlegen. "Keiner weiß es genau und ich will auch keine Prognose abgeben". Das Risiko taxierte er auf "fifty-fifty".

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