Man sollte sich nicht täuschen. Auf den ersten Blick erscheint das Programm des Orgel-Symposiums in Dorfen nur etwas für Kenner und Liebhaber zu sein. Das stimmt auch zum Teil. Es gibt von Mittwoch bis Sonntag, 27. bis 31., Mai, musikalische Meisterklassen, die sich vor allem an Studierende richten. Organistinnen und Organisten von internationalem Rang kommen nach Dorfen, um an dem Instrument in der Marktkirche St. Veit zu zeigen, was und wie man auf ihm spielen kann. Zudem gibt es Vorträge mit so kuriosen Titeln wie „Tasti spezzati und Instrumentum perfectum – Instrumente mit zusätzlichen Tasten und ihr Gebrauch“ oder über die „Aufführungsmöglichkeiten von intabulierter Vokal- und Instrumentalmusik“. Alles klar?
Darüber hinaus bietet das Orgel-Symposium jedoch vier exquisite Abendkonzerte, die für jede Musikfreundin und jeden Musikfreund etwas sind, vor allem aber für alle, die Barockmusik lieben. Bei den Konzerten kann man die außergewöhnliche neue Dorfener Orgel und ihren besonderen Klang erleben – gespielt von ausgewiesenen Meistern ihres Fachs.

Der Dorfener Kirchenmusiker Ernst Bartmann hatte 2022 die Idee, in die renovierte Marktkirche ein Instrument nach dem Vorbild einer oberitalienischen Renaissance-Orgel einzubauen. Solch eine spezielle Orgel gab es im gesamten Bereich der Erzdiözese München-Freising bislang nicht, es ist das erste Instrument seiner Art weit und breit. Renaissance-Orgeln sind kleiner als andere Kirchenorgeln, somit aber genau das Richtige für die kleine Marktkirche, die das Zentrum der historischen Dorfener Altstadt markiert. Eine kleinere Orgel passt ohnehin, weil Dorfen oben auf dem Ruprechtsberg in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ein großes Instrument hat. Eine italienische Renaissance-Orgel eignet sich zudem in besonderem Maß für kammermusikalische Besetzungen, ob mit Instrumentalisten oder einem Gesangsensemble.
Das alles lässt sich nun erleben. Los geht es am Mittwoch, 27. Mai, wenn Massimiliano Raschietti das Eröffnungskonzert gibt. Er ist Professor für Orgel in Verona und spielt Werke italienischer Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts. Am Donnerstag, 28. Mai, nimmt der Münchner Orgel-Professor Bernhard Haas sein Publikum mit auf „Eine Reise durch Europa“ mit Stücken von Thomas Tallis bis Domenico Scarlatti und Georg Friedrich Händel. Am Freitagabend, 29. Mai, präsentiert Martin Riccabona, Professor an der evangelischen Musikhochschule in Bayreuth und mit Ernst Bartmann zusammen Leiter des Dorfener Orgel-Symposiums, unter dem Titel „Consonanze Stravaganti“ italienische und deutsche Orgelmusik des 16. und 17. Jahrhunderts. Den Abschluss machen Studierende des Studios für historische Aufführungspraxis der Hochschule für Musik und Theater München am Samstag, 30. Mai, mit einem Konzert, in dem neben der Orgel auch Cembalo, Gesang und Streicher zu hören sind.
Alle Abendkonzerte beginnen um 19.30 Uhr. Vorverkauf und Informationen zu allen Veranstaltungen des Orgel-Symposiums finden sich auf www.caecilienverein-dorfen.de.

