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Dorfen:Mondlandschaft am Schwammerl

Im Mai will die Autobahndirektion mit dem eigentlichen Bau der Lappachtalbrücke beginnen. Unterdessen kommt die A 94 nicht mehr voran, weil die Finanzierung nicht gesichert ist

Die Wunden, die die Bagger in die Landschaft geschlagen haben, sind  gewaltig. Wer in diesen Tagen zum Schwammerl geht, erschauert. Man hatte früher eine herrliche Aussicht von hier.

(Foto: wos)

Der Bau der Autobahn bringt im Isental die massivsten Erdbewegungen seit der Würm-Eiszeit mit sich. Vor einem Jahr fand der symbolische Spatenstich statt. Im Mai soll nun mit dem Bau der eigentlichen Brücke begonnen werden.

Die Wunden, die die Bagger in die Landschaft geschlagen haben, sind schon jetzt gewaltig. Wer in diesen Tagen zum Schwammerl geht, erschauert. Man hatte früher eine herrliche Aussicht von hier. Nun werden in den Äckern unterhalb des Schwammerls Fundamente zementiert, auf denen eine dreihundert Meter lange Betonbrücke errichtet wird. Hier wurden Feste der Autobahngegner gefeiert, Klangspaziergänge zum Schutz der Heimat zelebriert und im wahrsten Sinne des Wortes Denkmäler für das Isental errichtet. Nun ähnelt die Baustelle einer Mondlandschaft. Ein Brücke mitten im Isental, in beide Richtungen mehr als 15 Kilometer von den derzeitigen Autobahnenden entfernt. Und so schnell werden die Autobahnenden nicht näherkommen, denn der Weiterbau der noch fehlenden A 94-Abschnitte wurde verschoben.

Weil der Bund knapp bei Kasse ist, soll die Lücke zwischen Pastetten und Heldenstein privat finanziert werden. Bei der Autobahndirektion Südbayern geht man davon aus, dass diese Finanzierung erst Ende 2015 oder Anfang 2016 gesichert ist. Damit verzögert sich auch die für 2018 geplante Fertigstellung. Von dem Baustopp nicht betroffen ist die Lappachtalbrücke bei Dorfen. Laut offizieller Definition zählt die Brücke zu den "bauvorbereitenden Maßnahmen": Sie gilt als Baustraße, über die der Erdaushub abtransportiert werden soll.

Auf der Baustelle der Lappachtalbrücke wird der Aufschub jedoch nicht ersichtlich sein. Die Vorarbeiten sind so weit gediehen, dass im Mai dieses Jahres mit dem eigentlichen Bau begonnen werden kann, kündigte die Autobahndirektion an. Die 13,2 Millionen Euro teure Brücke gilt laut Bundesverkehrsministerium als "Schlüsselelement der A 94 " und wurde deswegen mit einer vorgezogenen Finanzierung bedacht.

Die Widerlager der Brücke wurden bereits mit sogenannten Rüttelstopfsäulen befestigt; im Zuge des Brückenbaus werden eine halbe Million Kubikmeter Erde an den Hanganschnittsbereichen bewegt. Für die Gegner der Trasse Dorfen wird die Brücke auf Jahre hinaus das in Beton gegossene Symbol dafür sein, wie dumm und überheblich die Gesamtplanung der A 94 ist. Erst wenn sie im Ganzen fertig ist, werden Autofahrer sie nutzen können. Zig Jahre werden verplempert, in denen man Stück für Stück die Bundesstraße B 12 hätte ausbauen können.