Süddeutsche Zeitung

Stadtplanung Dorfen:Entwürfe für das Meindl-Quartier

Die Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbs für die Konversion des alten Fabrikgeländes in ein innovatives neues Stadtviertel stehen fest.

Von Florian Tempel, Dorfen

Der Gewinner steht fest, und doch ist noch nichts so richtig endgültig entschieden. Der städtebauliche Wettbewerb für die Konversion des Geländes der ehemaligen Dachziegelfabrik Meindl in ein innovatives Stadtquartier ist allerdings ein wichtiges Etappenziel. Die Städteplaner und Landschaftsarchitekten waren mit der Ausarbeitung ihrer Idee, wie das Fabrikgelände südlich der Bahngleise zu einem neuen Dorfener Stadtteil werden könnte, ganz schön schnell. Sie brauchten nur wenige Monate. Die Vorbereitung des Wettbewerbes hatte hingegen Jahre gedauert.

Nun soll zwar auf der Basis der Wettbewerbsergebnisse zügig weitergeplant werden. Doch auch hierbei gibt es so viele Dinge zu bedenken, dass sich Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) nicht traut, ein auch nur annähernd konkretes Datum zu nennen, wann auf dem Areal tatsächlich das Bauen beginnen könnte. "Die Zeit darf nicht die große Rolle spielen", sagte er bei der Vorstellung der drei ersten Preise des Wettbewerbs. Nur in einem war er sich schon fast so etwas wie sicher: Der Bau des neuen Stadtteils werde früher beginnen als der Ausbau der Bahnstrecke.

Es tut sich zwar schon seit Jahren etwas auf dem Areal der 2016 stillgelegten Dachziegelfabrik. Nachdem der Dorfener Immobilienunternehmer Robert Decker das etwa 21 Hektar große Gelände 2018 erworben hatte, entstanden mit dem Tonwerk zunächst ein Kultur-, Party- und Veranstaltungsgelände, später kamen Werkstätten, Büros, ein Ableger der Akademie für Sozialverwaltung plus Studentenwohnheim und sogar ein Montessori-Kindergarten dazu. Weiter den Hang rauf Richtung Autobahn hat die Post ein neues Verteilzentrum hingestellt und oben an der Straße nach Schwindkirchen entstehen große Produktionshallen, in denen Decker Wohnungen in Modulbauweise herstellt.

Doch irgendwann, in einigen Jahren, wird es hier noch mal ganz anders aussehen und 1500 Menschen werden hier wohnen. Einige der alten Meindl-Gebäude werden zwar erhalten bleiben, doch zum größten Teil wird hier alles umgekrempelt. Die erste Idee, dass hier fast ausschließlich Wohnungen hinkommen, ist überdacht worden. Es gibt ja bereits mehrere andere Nutzungen wie Büros oder die Beamtenhochschule, dass man erkannt hat, das Quartier besser zu einem gemischten Gebiet zu machen.

Der mit dem ersten Preis gewürdigte Entwurf des Münchner Architektur- und Städtebaubüros Palais Mai geht darauf sehr stringent ein. Hier ist ein Teil des Stadtviertels gleich als kleines Campus-Gebiet eingeplant, an der Stelle, wo sich heute noch die riesige alte Produktionshalle befindet. Die könnte nach der Idee der Planer sogar in gewisser Weise weiterleben. Die Stahlträger, die das Hallendach tragen, könnten als eine Art Riesenpergola stehen bleiben. Mit Pflanzen bewachsen, würden sie einen großen öffentlichen Außenraum überspannen. Das ist eine tolle Idee, weil sie die Geschichte des Geländes in der Transformation mehr als nur als nostalgische Erinnerung erhält, wie etwa ein Schornstein, den man stehen lässt.

Neben dem bereits jetzt bestehenden Gastro- und Eventbereich des Tonwerks sind auch im Ostteil entlang der Bahn Nicht-Wohngebäude eingeplant. Das ist - wie auch bei anderen Entwürfen - eine gute und naheliegende Idee, die Wohngebäude vor dem zukünftigen Bahnlärm abzuschirmen, zudem ja das Gelände nach Süden den Hang hinaufsteigt. Etwas locker und nicht streng rechtwinklig gruppiert sind bei den Wettbewerbssiegern viele einzelne Wohngebäude mit drei bis vier Stockwerken vorgesehen. In einer langgezogenen alten Fabrikhalle mitten im Quartier stellen sich die Planer soziale Nutzung wie Kita und Seniorentreff vor. Alle Dächer sollen als Gründächer gebaut werden, um Regenwasser zurückzuhalten, ebenso wie viele Sickermulden zwischen den Gebäuden.

Über den Gleisen ist eine S-förmige Brücke für Radfahrer und Fußgänger vorgesehen

Ganz wichtig ist der Sprung über die Bahn. Das gelingt dem Siegerentwurf ziemlich gut und überzeugend. Hier ist eine S-förmige Brücke für Radfahrer und Fußgänger vorgesehen, die sich in einem Bogen über die Gleise spannt. Sie ist relativ weit westlich platziert, was funktional schlüssig ist, da es hier zum Supermarktgebiet und weiter in die Innenstadt geht. Zu den Bahnsteigen, die ungefähr auf Höhe des alten Meindl-Bahnübergangs liegen werden, baut die Deutschen Bahn eh eine eigene Unterführung.

Tatsächlich ist aber noch nicht abschließend sicher, dass wirklich der Erste-Preis-Beitrag des Wettbewerbs weiterverfolgt wird. Es ist auch möglich, dass nach Verhandlungen mit den Planern und weiteren Bewertungen der zweite oder der dritte Preis als endgültiger Sieger aus dem Rennen hervorgehen wird.

Im Stadtrat waren die Reaktionen auf die Wettbewerbsergebnisse, die alle im Rathaus ausgehängt sind, eher zurückhaltend. Barbara Lanzinger (CSU) sagte, sie habe sich "mehr erwartet, irgendetwas Außergewöhnliches", und sie vermisse definitiv Reihenhäuser.

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