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Dorfen:"Lieber Markus ..."

Lappachtalbruecke bei Lindum

Eine Forderung der Anwohner sind richtige Lärmschutzwände statt Plexiglas auf denn Brücken sowie Tempo 60-Limit für Lastwagen.

(Foto: Stephan Görlich)

Die Erdinger CSU bittet Ministerpräsident Söder in einem offenen Brief um Lärmschutz an der Isentalautobahn A 94

Von Florian Tempel, Dorfen

Hat er es versprochen, hat er es zugesagt oder nur so dahin gesagt? Damit man ihn akustisch gut verstehen konnte, benutzte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) jedenfalls ein Megafon, als er im Januar 2020 in Hammersdorf zu lärmgeplagten A 94-Anwohnern sprach. Viele Leute hörten damals, dass er mehr Lärmschutz an der Isentalautobahn ankündigte und sagte, man sollte ruhig großzügig damit sein. Passiert ist seitdem einiges, mehr Lärmschutz gibt es aber nicht. Ganz im Gegenteil ist durch Lärmmessungen, die die Einhaltung der geltenden Lärmgrenzwerte ergaben, eine Verpflichtung zu irgendeiner Nachbesserung abgewehrt worden.

Erdinger CSU-Größen haben kurz vor Ostern einen offenen Brief an Ministerpräsident Söder geschickt. Das gemeinsame Schreiben ist von den Bundes- und Landtagsabgeordneten Andreas Lenz und Ulrike Scharf, Landrat Martin Bayerstorfer, den Dorfener und Bucher Bürgermeistern Heinz Grundner und Ferdinand Geisberger, den ehemaligen Lengdorfer und Pastettener Bürgermeisterinnen Gerlinde Sigl und Cornelia Vogelfänger sowie Kreistagsfraktionschef Thomas Bauer und Kreisrätin Sabine Berger unterzeichnet. Nach einer langatmigen Einleitung wird die mit Ausrufezeichen vehement gemachte Forderung "Wir brauchen dringend einen bessere Lärmschutz auf dieser Neubaustrecke!" mit einer höchstpersönlich adressierten Bitte verbunden: "Lieber Markus, auch du hast bei einem Besuch die Probleme vor Ort erkannt und einen besseren Lärmschutz für die Anwohnerinnen und Anwohner versprochen. Wir bitten dich deshalb nochmals zu prüfen, mit welchen Maßnahmen ein verbesserter Schutz vor Lärm erreicht werden kann."

Die Bürgerinitiative Schwindkirchen hat auf das Schreiben an Söder ihrerseits mit einem offenen Brief reagiert. Darin heißt es, der Brief der Erdinger CSU sei "sehr löblich, jedoch möchten wir Sie darauf hinweisen, dass wir als Anwohner gezielte Maßnahmen benötigen, welche reale Verbesserungen erzielen". Ein Tempolimit, das im CSU-Brief als Möglichkeit im Rahmen eines "automatisierten Verkehrsleitsystems" genannt wird, sei "definitiv unzureichend", da "der Hauptlärm von Lastwagen ausgeht". Im Weiteren werden ganz konkrete Lärmschutzmaßnahmen genannt: Durchgehende und höhere Lärmschutzwälle mit Lärmschutzwänden oben drauf, hochabsorbierende Lärmschutzwände anstatt Plexiglas an Brücken sowie ein Tempolimit von 60 Stundenkilometer für Lastwagen und 120 Stundenkilometer für Personenwagen. Und das alles nicht nur in Schwindkirchen, sondern auch anderswo entlang der A 94.

Von Ministerpräsident Söder kam noch keine Rückmeldung. Dafür aber teilt Landrat Bayerstorfer mit, dass die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) ihm geschrieben habe. Auch sie sehe, dass man eigentlich nichts machen könne, sie sehe dennoch "Handlungsbedarf". Schreyer tue deshalb folgendes, so Bayerstorfer: "Sie hat in ihrem Schreiben zugesichert, dass ihr Haus zeitnah mit dem Bund als verantwortlichem Baulastträger Gespräche führen wird, um zu prüfen, inwieweit zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Situation vor Ort zu verbessern."

© SZ vom 09.04.2021
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