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Dorfen: Kulturzentrum Jakobmayer:Einzigartiger Veranstaltungsraum

Etwas Phantasie ist noch nötig. Doch wird klar, dass Dorfen ein beeindruckendes Kulturzentrum bekommen wird. Ein Rundgang

Natürlich braucht es etwas Phantasie und Vorstellungsvermögen, um sich auszumalen, wie das neue Dorfener Kulturzentrum Jakobmayer in einem Jahr wohl aussehen wird. Denn noch ist das hundert Jahre alte Haus eine einzige Baustelle. Der Boden ist staubig, der Putz von den Wände gehauen, Kabel und Leitungen hängen von den Decken, Gerüste und Zementsäcke, Schubkarren und Werkbänke stehen herum, es ist kalt und zugig, als Architekt Udo Rieger rund 50 "Freunde des Jakobmayer" am Donnerstagabend durchs Gebäude führt.

Hinter der Fassade des Gasthauses zum Jakobmayer wird gewerkelt: In einem Jahr soll das Kulturzentrum in Dorfen fertig sein.

(Foto: Peter Bauersachs)

So gespannt man auf die Details der Renovierung sein darf - wie werden wohl die Wände, die Böden, Türen und Lichter aussehen - kann das Baustellenambiente aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stadt Dorfen mit diesem Haus auf alle Fälle ein im Großen und Ganzen beeindruckendes Kulturzentrum erhält.

Zwar gibt schon die Fassade zum Unteren Markt dem Jakobmayer einen imposanten äußeren Auftritt. Und doch ist es erstaunlich und überraschend, wie die innere Architektur des Hauses in ihrer Großzügigkeit die äußere Erscheinung noch übertrifft. Im Jakobmayer ist nichts klein. Alles hier hat - wie es sich für eine Kulturstätte gehört - Größe und Würde.

Schon der Eingang: Eigentlich ist es ja nur ein langer ebenerdiger Gang auf der rechten Seite des Hauses. Doch was für einer. So breit und noch viel höher als nötig wäre, um mit einer Kutsche durchzufahren. Das ist kein Gang, sondern eine echte Eingangshalle, die den Besucher des Kulturzentrum als willkommenen Gast begrüßen wird. Dieses Entree ist auch deshalb alles andere als ein einfacher Eingang, weil es nicht nur auf ein Ziel weiterführt, sondern zu allen drei zentral wichtigen Räumen des Jakobmayer gleichermaßen.

Links geht es zunächst in die Gaststätte, die weit mehr als ein Lokal sein soll, sondern ebenso ein kleiner Saal für Lesungen oder Konzerte wie auch das Foyer für Großveranstaltungen. Hinter dem Eingang zur Gaststätte weist ein üppig breiter Treppenaufgang den Weg nach oben, zum zweistöckigen großen Saal im Obergeschoss. Allein das Hinaufsteigen nach oben sollte die letzte Vorfreude vor dem Eintritt zu einer Abendveranstaltung im großen Saal zu einem erhabenen Gefühl verfeinern. Viele Jakobmayer-Besucher werden später aber auch regelmäßig an diesem schönen Treppenhaus vor bei gehen, da ihr Ziel, das kleine, feine Kino, erst ganz am Ende des breiten Ganges im Hinterhof liegt.

Das derzeit noch verstaubte, unzweifelhafte Glanzstück des Hauses befindet sich ein Stockwerk höher. Der zwei Etagen hohe Saal mit seiner großen Galerie wird ein im Freistaat einzigartiger Veranstaltungsraum sein. Denn die Bühne für Theater- und Konzertabende wird direkt vor der großen Fensterfront stehen. "Das wird bayernweit der einzige Saal sein, wo das so ist", sagte Rieger.

Die Bühne soll freilich nicht fest installiert sein, sondern aus einzelnen Bühnenelementen nach Bedarf zusammengebaut werden. Der Auf- und Abgang für die Künstler wird mittels einer seitlichen, mit einem Vorhang abgehängten Treppe - "eine Art Gangway", die zur Zuschauergalerie im zweiten Stock führt möglich werden. Auch das ist "ungewöhnlich und einzigartig", betonte Rieger. Von der Galerie aus sind dann die im hinteren zweiten Obergeschoss gelegenen Künstlergarderoben aus zu erreichen.

Diese Räume sind dort ausgezeichnet untergebracht, da sie den Künstler den maximal möglichen Rückzug im Jakobmayer erlauben. Dass manch einer eine Beruhigungszigarette vor seinem Auftritt benötigt, wurde ebenfalls berücksichtigt. Nikotinbedürftige Künstler können auf einem kleinen Balkon über dem Hinterhof qualmen.

Zur Besichtigung gehörte auch ein Blick in den riesigen Dachspeicher des Hauses. Der Raum über dem großen Saal ist enorm groß und hoch wie ein Kirchenschiff. Leider, so Architekt Rieger, lässt sich dieser üppige Speicher jedoch als nichts anderes als ein Lager für Bühnenelemente, Stühle, Tische und jegliche Art von nicht ständiger Ausstattung nutzen. Seine "erste Idee, als ich das hier gesehen habe", hier oben eine Probenbühne oder einen weiteren Veranstaltungsraum einzurichten, war aus Gründen des Brandschutzes - man hätte eine turmartige zweite Fluchttreppe in den Hof bauen müssen - nicht realisierbar.

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