Jakobmayer Dorfen:Die Geschichte einer unmöglichen Liebe

Lesezeit: 2 min

Der Countertenor Uri Elkayam singt und spielt die Hauptrolle der Violetta Valery. (Foto: OH)

"Opera Incognita" zeigt "La Traviata" von Giuseppe Verdi. Die Hauptrolle der unglücklichen Violetta Valery wird vom Countertenor Uri Elkayam und somit erstmals in der Operngeschichte von einem Mann übernommen.

Von Florian Tempel, Dorfen

Wenn sich Andreas Wiedermann und Ernst Bartmann eine Oper vornehmen, um sie im Dorfener Jakobmayer auf die Bühne zu bringen, dann muss etwas Besonderes dabei passieren. Wiedermann und Bartmann haben mit Opera Incognita einen programmatischen Namen für ihre Musiktheaterkompagnie gewählt. Sie inszenieren entweder selten gespielte Musiktheaterstücke oder sehr bekannte Opern an ungewöhnlichen Orten und mit einem speziellen Dreh. Der Jakobmayer kann, auch wenn er nur das Kulturzentrum einer Kleinstadt ist, nicht mehr als besonderer Ort gelten. Opera Incognita ist hier Stammgast und hat hier seit 2011 schon 14 Stücke, also mehr als eines pro Jahr, produziert. Nach Klassikern wie "La Bohème" (2013) und "Tosca" (2019) von Giacomo Puccini bringen sie nun mit "La Traviata" von Giuseppe Verde einen weitere Opern-Megahit. Mit der Besetzung der legendären Hauptrolle der Violetta Valery durch einen Counter-Tenor wird es die erste queere Traviata.

Star der Dorfener Inszenierung ist der israelische Sänger, Schauspieler und Drag-Performer Uri Elkayam. Der 32-Jährige ist extra aus Tel Aviv für diese ganz besondere Rolle angereist. Mit Wiedermann und Bartmann ist er schon vor zwei Jahren in Kontakt gekommen. Seine Gesangslehrerin hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass sie für den Echnaton in Philipp Glas' Oper "Akhnaten", die im Sommer 2022 im Ägyptischen Museum in München gezeigt wurde, einen Countertenor suchten. "Eine absolute Traumrolle", sagt Uri Elkayam, der sie aber aus gesundheitlichen Gründen dann doch nicht übernehmen konnte.

Aus einer "verrückten Idee" wird ein "historischer Moment"

Doch Wiedermann und Bartmann vergaßen ihn nicht. Schon seit mehreren Jahren planten die beiden, die Traviata mit einem Mann in der Hauptrolle zu besetzen. Als sie Elkayam ihre Idee unterbreiteten, hielt er das für "eine verrückte Idee". Gleichwohl freute ihn das Angebot und seine Neugier war geweckt. Wiedermann und Bartmann überzeugten ihn und das Dorfener Publikum darf schon mal vorab begeistert sein. Die Premiere am Freitag wird "ein historische Moment", sagt Uri Elkayam, denn noch nie war ein Mann in der Rolle der Violetta Valery zu erleben.

Das glamouröse Plakatmotiv, mit dem seit Wochen für die Dorfener Traviata effektvoll geworben wird, zeigt Uri Elkayam allerdings in einer für ihn schon länger bekannten Rolle. Als Drag-Performer tritt er unter dem Namen Miss Sistrata auf und ist einer von zehn internationalen Teilnehmern in der zweiten Auflage der von RuPaul produzierten Show "Queen of the Universe". In Dorfen ist er jedoch ganz Opernsänger in einer wahrhaft tragischen Rolle ohne parodistische Züge.

Für die Dorfener Inszenierung von "La Traviata" hat Ernst Bartmann Verdis Musik wieder für ein ganz kleines Orchester arrangiert. Neben ihm am Klavier wird es nur aus einer Geige, einer Klarinette und einem Kontrabass bestehen. Da bei Verdi aber sowieso die Gesangstimmen im Vordergrund stünden, sei die reduzierte instrumentale Begleitung völlig in Ordnung, "das klappt wunderbar", sagt Bartmann. Regisseur Andreas Wiedermann hat das Stück von allen Nebenhandlungen befreit und "auf eine ganz klare Geschichte, eines Paares, das nicht sein darf" eingedampft. Denn: "Wie keine andere Oper erzählt La Traviata von gesellschaftlicher Intoleranz und einer unmöglichen Liebe."

La Traviata, Premiere Freitag, 14. April, 20 Uhr; Jakobmayer Dorfen, weitere Aufführungen am 15., 28. und 29. April, Vorverkauf Ticket Treff Dorfen, Telefon 08081/1393.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusSchausteller-Dynastie
:Die Grande Dame vom Rummelplatz

Fast sieben Jahrzehnte zog Lydia Rilke von Volksfest zu Volksfest. Ein hartes Leben sei es gewesen, erinnert sie sich. Aber hart gemacht, hat es sie nicht. Treffen mit einer Schausteller-Legende.

Von Gerhard Wilhelm und Birgit Goormann-Prugger

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: