FaschingstraditionIm Nachthemd durch die Stadt

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Traditioneller Einmarsch der Hemadlenzen in die Innenstadt durchs Wachsziehertor.
Traditioneller Einmarsch der Hemadlenzen in die Innenstadt durchs Wachsziehertor. Marco Einfeldt
  • Am Unsinnigen Donnerstag ziehen in Dorfen etwa 4000 Menschen im Nachthemd durch die Altstadt beim traditionellen Hemadlenzenumzug.
  • Der Brauch zählt zum ältesten Faschingsbrauchtum der Region und wird bereits seit dem 19. Jahrhundert gepflegt.
  • Höhepunkt ist die Verbrennung einer Strohpuppe am Marienplatz, die symbolisch den Winter austreibt.
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Am Unsinnigen Donnerstag treiben die Hemadlenzen in Dorfen den Winter aus. Im Nachthemd ziehen Tausende durch die Stadt und verbrennen abschließend eine Strohpuppe, die symbolisch für die kalte Jahreszeit steht.

Von Thomas Daller, Dorfen

In Dorfen herrscht am Donnerstag Ausnahmezustand: Die Kinder haben schulfrei, Geschäfte sind geschlossen, Jung und Alt sind im weißen Nachtgewand, mit Zipfelmützen oder Schlafhauben, in der historischen Altstadt unterwegs. Die ist für den Verkehr gesperrt, Autos haben an diesem Tag nichts im Zentrum zu suchen.

Es ist Unsinniger Donnerstag und der gilt in der Stadt als „Dorfener Nationalfeiertag“: Der Hemadlenzen-Umzug zählt zum ältesten noch lebendigen Faschingsbrauchtum in der Region. Niemand weiß, wo der Brauch herkommt, aber die Dorfener haben ihn schon im 19. Jahrhundert gepflegt, das steht fest. In der alemannischen und schwäbischen Fasnacht ist ein solches Treiben in vielen Dörfern üblich – nur dass die Hemadlenzen dort Hemdgluncker heißen. Möglicherweise ist dieser Brauch durch einen Übersiedler nach Dorfen übergesprungen.

Traditionell stärken sich die Dorfener mit einem Weißwurstfrühstück, bevor sie weiß gewandet in die Erdinger Straße ziehen, wo sich der Zug formiert. Gegen 10 Uhr spielt die Stadtkapelle das Dorfener Faschingslied und dann setzt sich der Zug schunkelnd in Bewegung. Erste Station ist das Untere Tor, wo im Turmstüberl das Faschingsprinzenpaar Nicole I. und Bernhard I. darauf warten, von der singenden und jubelnden Menge abgeholt zu werden. „Aufstehen, aufstehen“, schallt es zu ihnen hinauf, dann wird eine Leiter ans Stüberl angelehnt, über die sie zu den Lenzen hinabsteigen.

Vom Stüberl aus hat man einen guten Überblick über die Menschenmenge, die den Unteren Markt füllt. In den vergangenen Jahren waren es meist um die 3000 Personen, heuer glich der Marktplatz einem nahezu lückenlos geschlossenem weißen Meer. Es dürften wohl an die 4000 Teilnehmer gewesen sein, die bei strahlendem Sonnenschein ihre Gaudi hatten.

Ein Foto, vom Turmstüberl aus aufgenommen, zeigt die vielen Teilnehmer des Umzugs. Schätzungen zufolge sollen es weit mehr als die üblichen 3000 gewesen sein.
Ein Foto, vom Turmstüberl aus aufgenommen, zeigt die vielen Teilnehmer des Umzugs. Schätzungen zufolge sollen es weit mehr als die üblichen 3000 gewesen sein. Marco Einfeldt
Die Leiter als Schmuck auf der Wange gehört ebenso zum Umzug wie die aufgeblasenen Schweinsblasen, mit denen man beim Draufschlagen etwas Lärm machen  kann.
Die Leiter als Schmuck auf der Wange gehört ebenso zum Umzug wie die aufgeblasenen Schweinsblasen, mit denen man beim Draufschlagen etwas Lärm machen  kann. Marco Einfeldt

Zu den traditionellen Elementen des Umzugs gehören alte Petroleumlaternen, die an langen Stangen getragen werden, oder  Saublasen, die an Stöcke gebunden werden. Diese Bräuche kommen aber allmählich aus der Mode, sie werden ersetzt durch Konfetti-Kanonen oder Seifenblasenmaschinen, die einem Fön ähneln.

Nachdem das Prinzenpaar mit einer Leiter vom Turmstüberl zu den Hemadlenzen hinabgestiegen ist, geht es zur nächsten Station: dem Dorfener Rathaus. Dort warten bereits Bürgermeister Heinz Grundner und Landrat Martin Bayerstorfer. Während die Mitarbeiter des Rathauses Bonbons für die Kinder in die Menge werfen, prostet Grundner vom Vordach aus mit einem Halbekrügerl den Lenzen zu und klettert dann ebenfalls über die Leiter hinab. Schunkelnd und singend setzt sich der Zug wieder in Bewegung.

Bürgermeister Heinz Grundner steigt über eine Leiter vom Vordach des Rathauses zu den Lenzen hinab und nimmt dann ebenfalls am Unzug teil.
Bürgermeister Heinz Grundner steigt über eine Leiter vom Vordach des Rathauses zu den Lenzen hinab und nimmt dann ebenfalls am Unzug teil. Marco Einfeldt

Nach dem Rathaus dreht der Umzug noch eine Runde durch den Süden der Innenstadt und erreicht um die Mittagszeit sein endgültiges Ziel im Zentrum, den Marienplatz, auf dem bereits der sogenannte Galgen mit der Aschewanne wartet und wo die Lenzenpuppe, ausgestopft mit Holz und Stroh, unter Gejohle verbrannt wird. Dort warten neben Fotografen und Fernsehteams viele Eltern mit kleineren Kindern, die das Spektakel sehen wollen.

Die Strohpuppe, die den Winter repräsentiert, brennt. Damit gilt die kalte Jahreszeit in Dorfen als vertrieben.
Die Strohpuppe, die den Winter repräsentiert, brennt. Damit gilt die kalte Jahreszeit in Dorfen als vertrieben. Marco Einfeldt

Die ausgestopfte Strohpuppe, ebenfalls in ein Nachtgewand gekleidet, die den Winter darstellen soll, wird aus dem fahrbaren Käfig geholt, mit dem sie durch die Stadt gezogen wurde. Anschließend wird die Puppe an den Galgen gehängt, noch mit etwas Spiritus getränkt und nach oben gezogen. Unter dem Jubel der Zuschauer wird sie mit einer Fackel in Brand gesetzt. Das Stroh brennt wie Zunder, innerhalb weniger Minuten ist auch vom Holzgerippe kaum noch etwas übrig.

„Hammas wieder mal geschafft“, kommentiert eine Zuschauerin zufrieden. Der Winter ist erfolgreich ausgetrieben. Der offizielle Teil des Umzugs ist damit vorbei, aber viele Teilnehmer feiern auf den Straßen oder in den Gaststätten ein wenig weiter. Der Hemadlenzen-Umzug verlief nach Angaben der Dorfener Polizei friedlich, auch das Rote Kreuz hatte einen ruhigen Vormittag. Ob sich der Winter jedoch geschlagen gibt, steht bislang nicht fest: Zum Wochenende soll es noch mal kalt werden.

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