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Dorfen:Grüne Politik mit vielen Stellschrauben

Renate Künast macht Station in Dorfen: Die Bürger konfrontieren sie mit vielen Anliegen - vom Bahnausbau über die Massentierhaltung bis zum Veggie Day

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Prominente Unterstützung für die Kandidaten der Region: Renate Künast (Mitte) mit der Landtagskandidatin Helga Stieglmeier und dem Bundestagskandidaten Stefan Kisters. Foto: Daller

Ganz zum Schluss ist Renate Künast doch noch der Kragen geplatzt, als sie ein Zuhörer auf die Pädophilen-Debatte bei den Grünen ansprach: "Wir sind nicht der Ort der Täter", sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion auf ihrer Wahlkampftour in Dorfen. Das sei eine "Hetzkampagne der CSU". Sie lasse sich nicht mit der Katholischen Kirche vergleichen, wo es solche Übergriffe gegeben habe. Bei den Grünen habe es einst eine Debatte darüber gegeben, ob Pädophilie straffrei sein sollte; im übrigen habe man auch in der FDP darüber diskutiert. Damals habe man sich eben offen mit Sexualität auseinandergesetzt; als Reaktion auf restriktive Jahrzehnte in Deutschland, in denen Homosexualität noch strafbar und Vergewaltigung in Ehe lediglich Nötigung gewesen sei.

Zusammen mit der Landtagskandidatin Helga Stieglmeier und Bundestagskandidat Stefan Kisters war Künast am Donnerstag im Biergarten des "Jakobmayer" zu Gast, um sich den Fragen der Dorfener zu stellen. Georg Brandhuber von der Bürgerinitiative "Bahnausbau ohne Mauern und Schranken" informierte Künast über den geplanten zweigleisigen Ausbau durch Dorfen, der ohne eine Tieferlegung der Gleise den Ort zerschneiden würde. "Allein in Dorfen müssten sieben Brücken gebaut werden, die bis zu zwölf Meter hoch sind und das Isental zerstören." Das Problem kenne sie aus Offenbach und von der Dresdner Bahnstrecke, sagte Künast: "Die Bahn will stets die billigste Lösung haben, aber wo steht geschrieben, dass immer die billigste Lösung für die Bahn geplant werden muss?" Es gebe auch Beispiele, wo man nur lange genug Druck ausgeübt und die Bahn dann eingelenkt habe. Die Bürgerinitiative solle nicht locker lassen, sagte sie zu Brandhuber, der ihr 2900 Unterschriften in dieser Angelegenheit überreichte.

Eine Bürgerin aus der Umgebung von Dorfen monierte die schlechten Busverbindungen auf dem Land; ein Thema, für das Helga Stieglmeier als Kreisrätin zuständig war: "Wir haben immer wieder Forderungen gestellt", sagte sie. "Das Problem ist, dass wir viele Verbindungen haben, die nicht angenommen werden und leer fahren. Wir brauchen mehr bedarfsgesteuerte Angebote wie den Rufbus."

Auch der Veggie Day, die Forderung der Grünen nach einem bundesweiten vegetarischen Tag in öffentlichen Kantinen, kam zur Sprache. "Ich habe mir heute extra keine Wurst vom Buffet genommen", sagte Künast, die sich als "Teilzeitvegetarierin" bezeichnete. Für die Idee des fleischlosen Tags bekam sie in Dorfen viel Zuspruch. Etliche Zuhörer wiesen auf die katholische Tradition in Bayern hin, dass es am Freitag kein Fleisch gebe und manche erinnerten daran, dass bei den eigenen Großeltern nur sonntags Fleisch auf den Tisch gekommen sei.

Nahtlos ging die Diskussion in die Massentierhaltung über und Rudi Oberpriller erkundigte sich, warum die Politik es noch immer nicht geschafft habe, den Bau von großen Mastanlagen zu unterbinden. Mittlerweile komme Bewegung in die Sache, entgegnete Künast, weil die Wahl in Niedersachsen etwas verändert habe. Aufgrund ihrer Wahlverluste sei die CDU nun zu mehr Bürgerbeteiligung bereit, wenn es um die Ställe gehe. Längerfristig müsse man aber zu einer Regelung kommen, bei der Großvieheinheiten pro Hektar zugrunde gelegt würden. Dann könne ein Landkreis sagen, wir haben unser Limit erreicht und weitere Bauvorhaben ablehnen. Dazu gehöre aber auch eine Novelle des Tierschutzgesetzes, denn Politik sei kein einfaches Geschäft: Es gebe in kaum einem Bereich nur eine Stellschraube, sondern immer mehrere und man müsse immer das Ganze im Auge behalten.