LokalgeschichteDie große Dorfener Feuersbrunst von 1650

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Zwischen dem Evangelischen Gemeindezentrum und der VR-Bank mündet die Brandstattgasse in den Rathausplatz.
Zwischen dem Evangelischen Gemeindezentrum und der VR-Bank mündet die Brandstattgasse in den Rathausplatz. Thomas Daller

Vor 375 Jahren brannte ein Drittel des Ortes vollständig ab. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Häuser wieder aufgebaut wurden. Der Name „Brandstattgasse“ weist noch heute darauf hin.

Von Thomas Daller, Dorfen

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Im Jahr 1650, vor nunmehr 375 Jahren, hat eine große Feuersbrunst ein Drittel des Marktes Dorfen zerstört. Der ganze Häuserblock zwischen dem Unteren Markt bis hin zum Rathaus brannte nieder. Während die Häuser am Unteren Markt nach wenigen Jahren wieder aufgebaut wurden, blieben die Überreste der teils hölzernen, teils schlecht gemauerten Häuser der kleinen Tagelöhner und Handwerker an der Rosengasse noch Jahrzehnte liegen, bis auch dort wieder angepackt wurde. Deshalb wurde die alte Rosengasse von den Dorfenern in Brandstattgasse umbenannt.

Dorfen hat einige Erfahrungen mit Bränden in der Stadt machen müssen. Am bekanntesten ist wohl der im Zusammenhang mit dem Bierkrieg von 1910, als nach einer Malzsteuererhöhung der Bierpreis um zwei Pfennige erhöht wurde. Aufrührerische Knechte und Gesellen zündeten am 5. Juni mehrere Gaststätten an und das Feuer griff auf Nachbarhäuser über, sieben Gebäude wurden dabei zerstört.

Eine weitere Brandstiftung ist aus dem Jahr 1865 überliefert. Am Rathausplatz beim Moser-Schlosser hatte ein Lehrbub eine Ohrfeige bekommen. Aus Ärger über diese Strafe legte er hinter dem Haus Feuer, das auch auf benachbarte Gebäude übergriff. Fünf Häuser brannten ab, darunter das Gasthaus Lebzelter.

Die Menschen hatten 1650 bereits eine schwere Zeit hinter sich, 1648 endete der Dreißigjährige Krieg und 1634 sowie 1648 zog die Pest durch die Erdinger Region. Die Zahl der Bewohner war durch die Pest sehr zusammengeschmolzen und die Überlebenden durch Kriegskontributionen, Einquartierungen und Plünderungen verarmt.

Die Feuersbrunst brach im September aus, die Ursache blieb unbekannt. Sie verbreitete sich mit großer Schnelligkeit. Um die Feuerwehr war es damals schlecht bestellt, einem größeren Brand stand die Bevölkerung machtlos gegenüber. Das Rentmeisterumrittsprotokoll rügte 1661 in Dorfen, dass anstatt des Feuereimers, wie ihn früher jeder bei der Bürgeraufnahme liefern musste, meist ein Betrag von zwei Gulden bezahlt wurde, und deshalb die ganze Ausrüstung der Feuerwehr nur aus vier alten Feuereimern, zwei alten zerbrochenen Feuerleitern und etlichen Feuerhacken bestand. Mit solchen Mitteln war einem großen Brand nicht beizukommen. Im Protokoll des Rentmeisters waren die Eindrücke vermerkt, die er bei seinen Visitationen, den Umritten, in den ihm anvertrauten Städten, Märkten und Dörfern gesammelt hatte.

Aus den erhaltenen Briefen kann man sich ein Bild der ungeheuren Verwüstung machen: Demnach war das ganze Mittelstück des Marktes bis hin zur Brandstattgasse und weiter zum Rathausplatz hinauf eine einzige Trümmerstätte. Neben zahlreichen Wohnhäusern verbrannten auch Backstuben, die Werkstätten zahlreicher Handwerker, das sogenannte Benefiziatenhaus der Schreibermesse, Pferdestadl, Metzgereien sowie das Rathaus.

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Ehemals wohlhabende Dorfner waren ruiniert und kamen „auf die Gant“, ihr Besitz wurde also zwangsversteigert. Dennoch konnten zumindest die Häuser am Unteren Markt nach wenigen Jahren größtenteils wieder aufgebaut werden. Aber die Häuser der kleinen Tagelöhner und Handwerker an der Rosengasse standen noch nach Jahrzehnten als Brandstätten öd und leer. Vielfach mussten Kirchengelder, die auf diese Häuser als Hypotheken ausgeliehen waren, als unwiederbringlich abgeschrieben werden.

Erst vor wenigen Jahren, bei den archäologischen Ausgrabungen 2018 vor dem Neubau des Dorfener Rathauses, kam die zentimeterdicke Ascheschicht wieder zum Vorschein, die diese Katastrophe hinterließ. Recherchen des Historischen Kreises ergaben zudem, dass der Brand offenbar keine Menschenleben forderte: Es gab im September 1650 keine Häufung von Sterbefällen.

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