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Dorfen:Entscheidung für die Ewigkeit

Ganz neu eingerichtet und bald schon wieder weg: der Containerplatz in Oberdorfen war eine totale Fehlentscheidung.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Dorfener Stadtrat beordert Wertstoff-Container an den alten Standort am Kindergarten zurück und verbietet sich weiteres Gemecker

Von Florian Tempel, Dorfen

Es ist nicht so, dass es in Dorfen viel zu viele Wertstoffcontainer geben würde. Am vergangenen Montag, zum Beispiel, war es in der Stadt fast unmöglich, weißes Glas, das ja doch am häufigsten anfällt, ordnungsgemäß loszuwerden. Am Containerplatz am Freibad ging absolut nichts mehr rein, am Recyclinghof war alles voll, auf dem Edeka-Parkplatz quollen die Flaschen und Gläser aus den Einwurflöchern. Oberdorfen war schließlich die Rettung. Am dortigen nagelneuen Wertstoffsammelplatz konnte man endlich die zwei großen Einkaufstüten voller Glasschrott ihrer Wiederverwertung zuführen. Doch damit ist schon wieder Schluss. Die neuen Container kommen wieder weg. Das ist kein Aprilscherz. Das ist der einstimmige Beschluss des Dorfener Bauausschusses.

Die Glas-, Blechdosen-, Papier- und Altklamotten-Container wandern genau dahin zurück, wo sie vorher standen und wo sie unbedingt verschwinden sollten: zurück an den Kindergarten Oberdorfen. Dort erschienen sie zwar bislang als untragbare Gefahrenquelle, weil Scherben und ein- und ausparkende Autos neben der Kita absolut nicht das Richtige sind. Nun will man es aber doch noch mal probieren. Auf dem frisch gepflasterten, aber nun unnützen Platz auf einer Wiese an der Isen soll ein Bushäuschen stehen. Damit er nicht ganz so unnütz ist.

Wie konnte das passieren? Tatsächlich hat der Bauausschuss mehrere Jahre lang immer wieder darüber beraten, wie und wo man die Wertstoffcontainer in Oberdorfen platzieren könnte. In einem war man sich einig. An der Kita sollten sie nicht stehen. Es gab viele Ideen für andere Standorte, die eine nach der anderen für schlecht befunden und verworfen wurden. Zuletzt schlug Martin Heilmeier (Landlisten) den Platz auf der Wiese vor.

Da ihm alle als besonders ortskundigem Stadtrat in seiner Einschätzung vertrauten, wurde das dann eben so gemacht. Nun musste Heilmeier eingestehen, dass er keine Ahnung gehabt hatte. In einem "Dringlichkeitsantrag" gestand er seine Fehleinschätzung der Lage ein. Es waren ja nicht nur die Anwohner, die sich über den Containerplatz vor ihrer Haustür beklagt hatten. Etwa 480 Menschen hatten auf Unterschriftenlisten gegen die "Verschandelung" protestiert. Und sogar die Polizei sah den Platz kritisch. Heilmeier war bei einem Vororttermin mit 40 wütenden Leuten klar geworden, wie schwerwiegend die Sache war und was für ein folgenschwerer Fehler ihm unterlaufen war. In seinem Dringlichkeitsantrag schrieb er nun, dass man unbedingt handeln müsse, da sonst "ein friedliches Dorfleben nicht mehr möglich sein wird".

Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) nahm Heilmeier wenigstens ein bisschen in Schutz. Die missglückte Standortwahl "war gut gemeint". Und Heilmeier sei nicht allein an dem Schlamassel schuld. Auch er selbst müsse eingestehen, "dass die Eignung an dieser Stelle nur sehr eingeschränkt vorhanden ist", sagte Grundner.

Einige Stadträte waren nicht so milde gestimmt, sondern ziemlich genervt. Ludwig Rudolf (CSU) wies darauf hin, dass die sinnlose Verlagerung ärgerliche 15 000 Euro gekostet habe. Da ein Containerstandort an der Oberdorfener Kita aber zuvor als "extrem schlecht" dargestellt worden sei, befürchte er, dass auch aus dieser Ecke wieder massive Klagen kommen könnten. "Was ich aber vermeiden will, ist, dass die Diskussion sich weiter im Kreis dreht und zum Running Gag wird", sagte Rudolf. Es brauche deshalb eine "definitive Entscheidung", aus der es kein Zurück mehr gebe. Michael Oberhofer (CSU) wollte gleich einen Schritt weiter gehen. Da man es "nicht jedem Recht machen kann", sollte man die Container nicht mehr an der Kita aufstellen, sondern ganz aus Oberdorfen abziehen.

Das fand die Mehrheit dann allerdings doch zu hart. Dennoch wurde in den finalen Zurückbeschluss der Zusatz aufgenommen, dass es keine weitere Standort-Diskussion geben dürfe. Falls sich jemand noch mal beschweren werde, dann ist es aus und vorbei. Dann sollen halt die Oberdorfener mit dem Auto durch die ganze Stadt irren, bis sie einen leeren Wertstoffcontainer finden.

© SZ vom 17.04.2021
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