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Dorfen:Eine tragende Säule wackelt

Neuer Jakobmayer-Wirt gesucht: Sun Riemer gibt nach zwei Jahren das "Kunst und Genuss" auf

Ein Wirt wird gesucht: Sun Riemer will so schnell wie möglich aus seinem Pachtvertrag für das Gasthaus Jakobmayer.

(Foto: Bauersachs)

Das Dorfener Jakobmayer habe "drei tragende Säulen", heißt es im Konzept des Kulturhauses: Den großen, wunderbar renovierten Veranstaltungssaal im der Bel-Etage, das schicke Kino im Hinterhof und die schöne Gaststätte im Erdgeschoss samt Platz zum draußen Sitzen am Unteren Markt. Der Kulturbetrieb und das Kino laufen erfolgreich, doch die dritte Säule trägt nicht mehr: Sun Riemer, der Wirt der Jakobmayer-Gastronomie "Kunst und Genuss", gibt auf. Er will so schnell wie möglich raus aus seinem Pachtvertrag. Er selbst ist auf der Suche nach einem Nachmieter und auch auf der Homepage prangt schon seit einigen Tagen eine Anzeige: "Wirt gesucht! Engagiert, freundlich, innovativ, dynamisch, kulturbegeistert."

Die Anforderungen, die ein Jakobmayer-Gastronom erfüllen sollte, passen auch auf Sun Riemer. Doch der gelernte Koch und Hotelfachmann kann neben seiner Leidenschaft für gutes Essen in geschmackvollen Ambiente auch rechnen. Die Abrechnung für sein "Kunst und Genuss" fällt negativ aus. Er ist in den roten Zahlen.

Wirt zu sein ist kein einfaches Geschäft, auch und gerade nicht in Dorfen. "Die Stadt hat eine zu große Dichte an Gastronomie", sagt Riemer nach zwei Jahren, die er durchgehalten hat. Es gibt in der Tat nicht wenige Speiselokale, Gasthäuser und Kneipen in der Dorfen und Umgebung. Die Gäste haben die Wahl und können kaum alle Wirte gleichmäßig beglücken. Das war auch schon vor der Eröffnung der Jakobmayer-Gaststätte so. Doch Riemer setzte darauf, dass er sich mit einem urbanen Konzept eines Restaurants mit gehobener Küche und gleichzeitig gediegenem Kneipenflair am Markt etablieren könnte. Eine schöne Idee, die sich für ihn als Wirt jedoch nicht ausgezahlt hat. Nicht, dass er gar keine Gäste hätte, aber es sind zu wenige, "die Masse fehlt".

Riemer sagt, er habe zwar "wahnsinnig gute Stammkunden", die gerne oft kommen, sowie auch Gäste aus München oder Landshut, die bei ihm ab und an vorbeischauten. Doch viele andere kämen eben nur abends mal schnell auf einen Aperitif vor einer Veranstaltung im großen Saal oder einer Filmvorführung im Kino rein, oder danach auf ein gemütliches Glas Wein. Nebenbei bestelle "der typische Dorfener" zwar auch ein paar Tapas. Doch es müssten schon sehr viele Häppchen und Drinks sein, wenn sich das für ihn rechnen sollte: "Nur mit Tapas kann ich die Kosten nicht erwirtschaften." Außerdem wurde er seltener, als er erhofft hatte, als Caterer für Veranstaltungen im großen Saal gebucht, sagt Riemer.

Insbesondere funktionierte jedoch eines nicht: Das Angebot, schon mittags im "Kunst und Genuss" essen zu können. Als Konsequenz hat Riemer mit Beginn des Monats seine Öffnungszeiten geändert. Von Montag bis Samstag ist das Lokal erst von 17 Uhr an geöffnet, nur sonntags ist schon von 10 Uhr an gedeckt.

"Uns tut es leid", sagt Sigrid Wiedenhofer, die zusammen mit Birgitt Binder den Jakobmayer managt. Die beiden sind nun mit der Suche für einen Nachfolger beauftragt. Das Pachtverhältnis läuft allerdings direkt mit der Stadt. Die Stadt sei bereit, Riemer entgegen zu kommen und ihn aus dem Vertrag zu entlassen, sobald ein neuer Wirt übernehmen könne. "Es gibt schon Interessenten", sagt Wiedenhofer. Sie hofft, dass sich relativ schnell ein neuer Wirt finden lässt. Wichtig für den Jakobmayer sei, "dass es keinen Leerlauf im Betrieb gibt". Denn wer in den Jakobmayer komme, ob in den Saal oder ins Kino, gehe davon aus, auch in der Gaststätte vorbeischauen zu können: "Wir glauben nach wie vor, dass das Lokal als eine Art Theaterkneipe funktioniert."

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