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Dorfen:"Ein Wunder, dass noch nichts passiert ist"

Flüchtlinge aus Lindum müssen an einer viel befahrenen Straße nach Dorfen gehen, was im Winter besonders gefährlich ist

Um 17 Uhr ist es in den Wintermonaten auf der Staatsstraße bei Lindum stockdunkel. Mütter mit Kinderwagen, junge Männer und Familien aus der Flüchtlingsunterkunft laufen am Rand der unbeleuchteten Fahrbahn, da weder ein Fuß- noch ein Fahrradweg vorhanden ist. Sie sind kaum zu erkennen, denn sie tragen weder Stirnleuchten noch die Warnwesten, die Flüchtlingshelfer ihnen zur Verfügung gestellt haben. Das Tempo ist auf 50 Stundenkilometer begrenzt. Dennoch sollte man hier höchstens halb so schnell fahren, um auf der kurvenreichen Strecke rechtzeitig bremsen zu können. Fast täglich kommt es zu Beinaheunfällen und in den sozialen Medien diskutieren viele Dorfener, warum die Flüchtlinge nicht zumindest die Warnwesten tragen.

Das ehemalige Gasthaus Stiller in Lindum wird seit etwa drei Jahren als Flüchtlingsunterkunft genutzt. In der Asylunterkunft leben momentan circa 65 Geflüchteten. Es wurden bereits Warnwesten an die Bewohner verteilt, damit die Autofahrer früher auf sie aufmerksam werden, wenn sie zu Fuß nach Dorfen gehen. Allerdings werden diese Westen nur selten getragen. "Es ist ein Wunder, dass bis jetzt noch nichts passiert ist", sagt Josef Kronseder von der Flüchtlingshilfe Dorfen.

Um die nächste Bushaltestelle zu erreichen, zu Fuß oder mit dem Rad ins drei Kilometer entfernte Dorfen zu kommen, müssen die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft die stark befahrene Staatsstraße benutzen. Eine andere Wahl bleibt ihnen nicht. Doch die Straße ist weder ausgeleuchtet noch für Fußgänger gedacht. Es sei auch nicht vorgesehen, die Straße besser auszuleuchten, sagt Franz Leutner, Vorstand der Flüchtlingshilfe Dorfen. Dies führt immer wieder zu brenzligen Situationen mit Autofahrern.

"Wir haben die Geflüchteten schon informiert, dass sie die Warnwesten tragen sollen", sagt Kronseder. Auch Harald Kratzel, der Leiter der Polizeiinspektion Dorfen, bestätigt, wie wichtig auffällige Kleidung wäre. Einige der Flüchtlinge gaben aber an, die Warnweste erinnere sie an die Rettungswesten, die sie bei der Überfahrt übers Mittelmeer getragen hatten - die Westen würden deshalb negativ assoziiert. "Zwingen können wir die Bewohner natürlich nicht", sagte Kronseder. In Kürze werde aber eine Infoveranstaltung stattfinden, in der man noch einmal darauf hinweisen wolle, wie wichtig die richtige Kleidung ist.

Des Weiteren sieht sowohl die Flüchtlingshilfe Dorfen als auch die Polizei Handlungsbedarf bei der Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. "Die Bewohner haben nur einmal am Tag die Möglichkeit, mit dem Bus nach Dorfen oder Erding zu kommen", sagt Leutner. Selbst zu dieser Bushaltestelle müssen die Geflüchteten erst mal eine ganze Strecke zu Fuß zurücklegen. Die Frage, wer für den Ausbau der Buslinien zuständig ist, war bis zuletzt nicht geklärt. Weder die Stadt noch der Landkreis fühlten sich verantwortlich. Nun stehe die Flüchtlingshilfe Dorfen mit der Regierung von Oberbayern in Kontakt und führe Verhandlungen über die Buslinien, sagt Leutner: "Zum einen müssen die Busse regelmäßiger fahren und zum anderen wäre eine Verlegung der Bushaltestelle unter die neue Lappachbrücke nötig." Wenn die Bewohner zu Ämtern oder Ärzten nach Dorfen oder Erding müssen, haben sie nur einen Bus morgens und einen am Nachmittag zur Verfügung. Dieser Zustand sei nicht tragbar und mache es Flüchtlingen schwer den Alltag zu meistern, sagt Kronseder. Die Polizei sieht das ähnlich: "Wir haben eine bessere Busversorgung bereits bei der Regierung angeregt", bestätigt Kratzel.

Von der Lappachbrücke fährt bislang nur der Schulbus, den ausschließlich Schüler und Kindergartenkinder mit Begleitung nutzen dürfen. Eine ausreichende Beleuchtung für die Bushaltestelle wäre auchnötig, sagt Leutner. In den Ferien fährt der Bus gar nicht, obwohl die Kindergärten offen hätten. Die zuständigen Abteilungen bei der Regierung von Oberbayern sei über all das informiert, sagt Leutner: "Nun warten wir auf Rückmeldung und hoffen, dass bald gehandelt wird.