Ja, auch in Dorfen gibt es jetzt chinesische Touristen. Und es gefällt ihnen hier augenscheinlich sehr gut. Wenn sie morgens, oft schon um sechs oder sieben Uhr, aus dem Hotel Marienhof heraustreten, sind sie mitten drin in einer echten bayerischen Altstadt. Dann blicken sie auf die schönen historischen Fassaden, sehen den mit Kreuzdorn-Bäumchen gesäumten Marienplatz und die altehrwürdige Markt-Kirche St. Vitus. Das ist alles sehr hübsch und authentisch, und wird sofort mit dem Smartphone fotografiert. Für die chinesische Touristen - die manchmal eigentlich Koreaner oder Thailänder sind - ist das ein erstes Erlebnis.
Am Tag zuvor sind sie gegen Mittag in Frankfurt am Main gelandet. Ein tschechisches oder slowakisches Busunternehmen hat sie danach ohne weitere Umwege nach Dorfen gebracht. Meistens ist es Freitag, sagt Wolfgang Kilian, der das Hotel Marienhof betreibt. Es geht kaum an einem anderen Tag. Denn ein Bus voll mit Chinesen bedeutet, dass das Hotel Marienhof mit seinen 31 Zimmern eine Nacht lang voll belegt ist. Am Freitag sind die Geschäftsreisenden schon alle abgereist und die Familien aus Österreich und Südtirol, die für ein Wochenende in der Therme Erding und einen München-Besuch kommen, sind noch nicht da. "Direkte Attraktionen in Dorfen selbst haben wir nicht", sagt Kilian. Aber so passt es auch. 2015 gab es in Dorfen 17 Prozent mehr Übernachtungen als im Jahr zuvor.
Wenn die Chinesen in Dorfen ankommen, steht im Hotel extra viel heißes Wasser für sie bereit, für mitgebrachten grünen Tee und Instant-Nudelsuppen. Und am nächsten Morgen gibt es zum Frühstück Reis. Dieser gute Service hat sich bei Reiseveranstalter aus Fernost herumgesprochen. Hotelier Kilian erhält mehr Anfragen für Reisegruppen, als er erfüllen kann. Natürlich liege es auch am Preis, dass Dorfen ab und an Etappenziel chinesischer Touristen sei, sagt Kilian: "Die reisen mit schmalem Budget und wir machen ihnen ein günstiges Angebot". Dorfen ist zudem ein geografisch günstig gelegener Zwischenstopp auf einer beliebten Städteroute. Nach dem Ankunftstag geht es mit dem Bus weiter nach Salzburg. Dann folgen Aufenthalte in Wien, Budapest und Prag, bevor man wieder von Frankfurt aus nach China fliegt.
In diesem und den kommenden Jahren werden aber wahrscheinlich nicht mehr so viele Chinesen kommen können, sagt Kilian. Die Isentalautobahn wird gebaut und es gibt schon reichlich Voranfragen von den beteiligten Firmen, die Unterkünfte für ihre Mitarbeiter brauchen.
"Arbeitende Bevölkerung", sagt Barbara Obermaier vom Gasthaus Obermaier in Lappach bei St. Wolfgang, das sei bei ihr schon seit langem die Hauptkundschaft. Über den anhaltenden "Tourismus-Boom" in der Region, könne sie aus ihrer Sicht nur lachen. Das höre sich ja so an, als ob die Menschen zum Urlaub machen kämen: "Aber wir sind hier keine Urlaubsregion." Ihre Gäste kommen aus Ostdeutschland oder Kroatien. Sie logieren sich in einem ihrer 50 Zimmer ein, weil sie "im Umkreis von 50 Kilometern" arbeiten. Die Business-Hotellerie läuft gut. In der Gemeinde St. Wolfgang übernachteten im vergangenen Jahr 72 Prozent mehr Menschen als in der Stadt Dorfen.
Die Tourismus-Statistik macht keinen Unterschied, aus welchem Grund einer in der Dorfener Gegend übernachtet. Urlaub im Isental ist es in den seltensten Fällen. Aber egal, sagt Hotelier Kilian, das Potenzial für mehr Übernachtungen sei so oder so gegeben.