Seit 18 Jahren ist Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) im Amt und bei den Kommunalwahlen 2026 kandidiert er erneut. Es gibt einen Herausforderer und eine Herausforderin: Claudius Siebert, Rechtsanwalt und bisher noch nicht im Stadtrat, ist gemeinsamer Kandidat von SPD, ÜWG, Grünen und der Liste Dorfen West. Die AfD hat Manuela Schulz nominiert, die Rechtsfachwirtin und Bezirksrätin trat im Wahlkampf aber bislang nicht in Erscheinung. In der öffentlichen Wahrnehmung spitzt sich die Auseinandersetzung daher auf Siebert gegen Grundner zu.
Grundner bietet Angriffsfläche: Seine Gegner werfen ihm vor, er habe sich für den Lärmschutz beim geplanten Bahnausbau zu wenig eingesetzt, das Sportflächenkonzept sei gescheitert und das geplante Wohngebiet Obere Mooswiesen eine Fehlplanung, weil der Untergrund sumpfig und nicht geeignet sei. Zudem verschleppe Grundner Anträge und beantworte Anfragen nicht.
Ebenso herrscht schlechte Stimmung im Stadtrat, für die Grundner ebenfalls verantwortlich gemacht wird: Der Bürgermeister wirkt häufig gereizt, Sachkritik oder Verbesserungsvorschläge wagen viele Stadträte nur, indem sie verbale Unterwürfigkeitsfloskeln bei Wortmeldungen vorausschicken: „Ich bin ja kein Fachmann“ oder „ich kenn mich da ja nicht aus, aber“ sind Beispiele dafür. Gestandene Stadträte und Stadträtinnen machen sich klein, bevor sie ihre Ideen einbringen. Und dennoch fasst Grundner das oft als persönliche Kritik auf und reagiert schroff.
Bei der vergangenen Kommunalwahl haben SPD und ÜWG jeweils eigene Kandidaten ins Rennen geschickt, aber diesmal bündeln sie zusammen mit Grünen und Liste West ihre Kräfte, um im Rathaus eine neue Ära einzuleiten. Ihr gemeinsamer Kandidat Siebert hat sich in der Vergangenheit für den Lärmschutz engagiert, zuerst an der A94, dann beim Bahnausbau. Weiterhin setzt er sich für die Schulwegsicherheit ein und steht selbst als Schülerlotse regelmäßig an der B15. Zudem ist er stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender am Gymnasium Dorfen und Mitglied im Vorstand des Förderkreises Dorfen.

Siebert ist gebürtiger Münchner hat nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann Jura studiert und sich als Wirtschaftsanwalt auf Bank-, Insolvenz und Sanierungsrecht spezialisiert. Seit 2015 hat er eine eigene Kanzlei in Dorfen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Als politische Ziele nennt der 49-Jährige unter anderem die Mitwirkung beim Bahnausbau, beim Bau der geplanten Sportstätten sowie beim Hochwasserschutz.
Dorfen ist mit annähernd 100 Quadratkilometern die viertgrößte Flächengemeinde in Bayern. Die politische Landschaft ist durch einen Stadt-Land-Unterschied geprägt. Je weiter weg von der Kernstadt und der Autobahn, umso höher fällt der Zuspruch für die CSU und Amtsinhaber Grundner aus. Ohne die dörflichen Teile der Stadt kann man keine Wahlen gewinnen. Bisher mussten sich daher Kandidaten auf die Ochsentour begeben: eine Versammlung beim jeweiligen Wirt einberufen und dort dann die eigenen politischen Ziele vorstellen. Eine undankbare Aufgabe, meist kamen nur jene, die einen ohnehin wählen würden.
Das ist dieses Mal anders, Siebert erzielt Reichweite über die sozialen Medien, insbesondere über die Facebook-Gruppe Dorfen. Diese Gruppe zählt mittlerweile über 16 000 Mitglieder, mehr als die Stadt Dorfen Einwohner hat. Siebert postet dort regelmäßig kurze Videos, mal nimmt er die Zusehenden dabei auf Spaziergänge durch Dorfen mit, bei denen er seine politischen Ideen erläutert, mal berichtet er im Anschluss an eine Stadtratssitzung über deren Verlauf und Ergebnis. Und er kommt damit an. Allein das Video, in dem er Probleme beim geplanten Bahnausbau erläutert, wurde bislang mehr als 4000-mal geklickt.
Von der AfD-Kandidatin hört man nicht viel
Die AfD-Bürgermeisterkandidatin Manuela Schulz lebt seit 2011 in Dorfen und ist Rechtsfachwirtin. Seit 2023 sitzt sie im Bezirkstag, dort ist sie unter anderem Mitglied in der Kommission für Kinder- und Jugendarbeit. Was man in früheren Wahlkämpfen von ihr hörte, betraf vorrangig bundes- und landespolitische Themen. Sie beklagte beispielsweise eine „Bildungsmisere“, ein großer Teil des Unterrichts werde ihrer Ansicht nach für „Gender-Propaganda, Klimahysterie und parteiische politische Agitation verschwendet“. Ihre kommunalpolitischen Vorstellungen sind unklar, sie war bisher nicht im Stadtrat und seit der Aufstellungsversammlung hat sie mit dem Wahlkampf noch nicht begonnen. Auch auf Social-Media-Plattformen sucht man sie vergeblich.

Wie die Chancen stehen, ist bei dieser Wahl schwierig einzuschätzen. Grundner hat im Umland Bastionen wie Grüntegernbach, wo er bei der vergangenen Kommunalwahl mehr als 80 Prozent der Stimmen holte. Interessant wird es hingegen sein, inwieweit Siebert Klickzahlen im Internet tatsächlich in Wählerstimmen ummünzen kann, weil man damit im Dorfener Wahlkampf noch wenig Erfahrung hat. Aber dass Manuela Schulz aus aktueller Sicht als Außenseiterin antreten wird, zeichnet sich bereits ab.

