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Dorfen:Brandanschläge auf Marktkirche

Gerüstplane geht in zwei aufeinander folgenden Nächten in Flammen auf. Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus und sucht Zeugen

Von Thomas Daller, Dorfen

Brandfahnder der Polizei haben gestern die Dorfener Marktkirche nach Spuren abgesucht, nachdem dort zwei Nächte hintereinander Feuer an der Gittergewebeplane ausgebrochen waren, die das Baugerüst umfasst. Offenbar hat es ein Brandstifter auf die Kirche St. Veith abgesehen, die Kirche kam jedoch bei beiden Bränden unbeschadet davon. Die Polizei sucht nun Zeugen: Wer verdächtige Wahrnehmungen gemacht hat, die mit diesen Brandfällen in Verbindung stehen könnten, soll sich unter der Telefonnummer 08122/9680 melden.

Auf Grund von Renovierungsarbeiten ist die Marktkirche derzeit mit einem Gerüst versehen, das mit einer Gittergewebeplane eingedeckt ist. In der Nacht zum Dienstag gegen 4 Uhr morgens nahm ein Lieferwagenfahrer, der am Marktplatz Gemüse anliefern wollte, Brandgeruch und einen Feuerschein am Gerüst der Kirche wahr und informierte daraufhin über den Notruf Polizei und Feuerwehr. Dem aufmerksamen Lieferanten war es zu verdanken, dass ein Großaufgebot von rund 100 Feuerwehrkräften des Landkreises sehr schnell an Ort und Stelle war und durch sofort eingeleitete Brandbekämpfungsmaßnahmen ein Übergreifen der Flammen von der Einrüstung auf die Kirche verhindert werden konnte.

Verbrannte und verschmorte Fetzen der Plane hängen an der Ostseite der Marktkirche St. Veith in Dorfen. Die Renovierungsarbeiten wurden bereits vor den Weihnachtsfeiertagen eingestellt.

(Foto: Renate Schmidt)

Am gleichen Tag, kurz vor Mitternacht, kam es erneut zu einem Brand an der Gerüstabdeckung der Kirche. Ein Anwohner des Marktplatzes entdeckte gegen 23.30 Uhr das Feuer und alarmierte über den Notruf die Einsatzkräfte. Durch die erneute sofortige Alarmierung konnten die eingesetzten Feuerwehrkräfte wieder ein Übergreifen der Flammen auf das Gebäude verhindern. Insgesamt beziffert sich der Sachschaden der beiden Brandfälle an den Gerüstplanen auf etwa 1000 Euro.

Mesner Herbert Moser sah sich am Dienstag Vormittag den Schaden an der Plane an, die an der Ostseite der Kirche fast vollständig weggeschmolzen war. Das hätte böse enden können, sagte Moser, denn Teile des Dachs seien noch vor der Winterpause geöffnet worden, um den Dachstuhl zu renovieren. Die Sparren darunter seien knochentrocken. "Ein Windstoß, ein Funkenflug - und der Dachstuhl brennt", sagte Moser.

Die Marktkirche wird noch länger eingerüstet bleiben, weil ihr eine Gesamtrenovierung bevorsteht: Neben dem Dachstuhl werden auch der Ambo und der Priestersitz erneuert. Bis 1962 gab es in der Marktkirche auch eine Empore, die dann herausgerissen wurde. Auch eine Empore kommt nun wieder hinein und eine neue Pfeifenorgel. Nach 1962 behalf man sich mit einem Harmonium. Außerdem soll eine Bodenheizung verlegt und die elektrischen Leitungen sollen erneuert werden.

Ein Schwelbrand durch Schweiß- oder Lötarbeiten ist ausgeschlossen, nichts deutet auch auf einen technischen Defekt hin.

(Foto: Renate Schmidt)

In Dorfen hat es immer wieder schwere Brandstiftungen gegeben, bei denen aber glücklicherweise keine Menschen ums Leben gekommen sind. Berühmt ist der Bierkrieg, bei dem 1910 sieben Gebäude zerstört wurden.

Bei einem nächtlichen Brandanschlag am 15. April 2000 auf ein überwiegend von ausländischen Menschen und Sozialhilfe-Empfängern bewohntes Gemeindehaus konnte das Feuer noch rechtzeitig gelöscht werden. Die Täter hatten Benzin durch die gekippten Fenster im Erdgeschoss geschüttet, die Haustüre damit getränkt und angezündet. Keine der zur Tatzeit anwesenden 19 Personen wurde verletzt. Als Täter wurden sieben junge Männer und eine Frau verurteilt, die dem Neonazi-Spektrum zugeordnet wurden. Die Haupttäter erhielten langjährige Haftstrafen.

2003 hatte ein Serienbrandstifter, ein damals 28-jähriger Feuerwehrmann aus dem Landkreis München, mehrere Male in Dorfen zugeschlagen.

© SZ vom 30.12.2020
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