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Dorfen:Ausgezeichnet vernetzt

"Kinder in den Mittelpunkt stellen" - dieses Ziel will der Deutsche Kitapreis mit der Auszeichnung vorbildlicher Einrichtungen und besonders engagierter lokaler Bündnisse unterstützen und fördern. Die Kinder im Dorfener Kinder- und Jugendhaus finden das auch gut.

(Foto: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung)

Der Arbeitskreis Kinder- und Jugendarbeit hat beim Deutschen Kitapreis einen zweiten Preis gewonnen. Die Jury beeindruckte besonders, wie breit aufgestellt und professionell in der Stadt kooperiert wird

Alle im Kinder- und Jugendhaus seien noch ganz dem Häuschen, sagt Therese Englmeier am Morgen nach der Preisverleihung. Sie muss in einen anderen Raum gehen und die Tür zumachen, damit man sie am Telefon verstehen kann. Im Hintergrund ist mächtig Lärm. Die Kitakinder haben den Karton mit der Konfettikanone und den Gummibärchen, den Pfeifen und anderen Lärmutensilien in Beschlag genommen, den man vor ein paar Tage aus Berlin zugeschickt bekommen hatte. Bei der übers Internet gestreamten Preisverleihung des Deutschen Kitapreises war man am Nachmittag zuvor als reine Erwachsenengruppe zusammengekommen. Der Dorfener Arbeitskreis Kinder- und Jugendarbeit, den Englmeier leitet, hatte es unter 1500 Bewerbern aus ganz Deutschland bis ins Finale geschafft. Als die Dorfener, von denen keiner vorab informiert worden war, dann auch tatsächlich in der Kategorie "Lokales Bündnis für frühe Bildung" mit einem mit 10 000 Euro dotierten zweiten Preis ausgezeichnet wurde, "war der Jubel groß", sagt Englmeier - auch ohne Zuhilfenahme von Pfeifen und Tröten.

Den Deutschen Kitapreis gibt es seit drei Jahren. Er wird vom Bundesfamilienministerium und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ausgelobt. Es gibt Preise in den zwei Kategorien "Kita des Jahres" und "Lokales Bündnis". Für diese Kategorie hatte sich der Arbeitskreis Kinder- und Jugendarbeit beworben, den es in Dorfen seit 15 Jahren gibt. Die Bewerbung lief unter dem Namen des Kinder- und Jugendhauses, erklärt Englmeier, denn das Haus ist Ursprung und Mittelpunkt des Arbeitskreises. Er wurde 2005 ins Leben gerufen, als darum ging, ein inhaltliches Konzept für das damals noch in Planung befindliche Kinder- und Jugendhaus zu erarbeiten. Nach der Einweihung des Hauses löste sich die Projektgruppe nicht etwa auf, sondern machte kontinuierlich weiter. In vielen Treffen tauschen sich alle Akteure, die in der Stadt Dorfen mit Kinder- und Jugendarbeit zu tun haben seitdem aus, diskutieren und entwickeln neue Ideen und realisieren neue Projekte.

Das alles wird in Dorfen so gut gemacht, dass es die mit 18 Fachleuten besetzte Jury des Deutschen Kitapreises beeindruckte. In der Kategorie der lokalen Bündnisse werden "Zusammenschlüsse von Akteuren ausgezeichnet, die die Arbeit in Kitas unmittelbar unterstützen und Kinder in den Mittelpunkt stellen", heißt es in den allgemeinen Erläuterungen. In der Laudation der Preisverleihung war zu hören, dass in Dorfen insbesondere das "Agieren als Einheit" sehr bemerkenswert war, aber auch dass man so "breit und professionell aufgestellt" sei sowie die "vorbildlich gelebte Inklusion".

Im Dorfener Arbeitskreis kommen regelmäßig die Leiterinnen der Kitas, Vertreter der Schulen und von soziale Einrichtungen, aber auch Ehrenamtliche und Vertreter aus der Politik und der Verwaltung zusammen. Gemeinsam werden Aktionstage, Workshops oder Cafés für Kinder und Eltern organisiert. Die Kitas im Dorfen werden personell mit einer Qualitätsmanagementbeauftragten und eine Fachkraft für Kinder mit Migrationshintergrund unterstützt. In den vier Inklusionshäusern in Dorfen arbeiten Heilpädagogen. Ein heilpädagogischer Fachdienst unterstützt dort, wo therapeutische Expertise benötigt wird. Es war diese starke Vernetzung, die den Dorfenern den Preis brachte.

"Die Arbeit, die dort geleistet wird, ist keine Selbstverständlichkeit", hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in ihrer Ansprache bei der Preisverleihung gesagt. Und Elke Büdenbender, die Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, betonte, es sei "die Summe der Details, die Qualitätsarbeit in der frühkindlichen Erziehung auszeichnet", und sie sagte "danke und, bitte, machen Sie weiter." Englmeier und ihr Arbeitskreis werden das sicher tun. Eine neue Aufgaben haben sie nun. Es gilt 10 000 Euro für Kinder gewinnbringend einzusetzen - das wird ihnen ganz sicher gelingen.

© SZ vom 18.06.2020

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