Flüchtlingshilfe Dorfen Kein Sand in Sicht

In der Asylunterkunft Lindum ist der Spielplatz aufgelöst worden

Franz Leutner, einer der drei Sprecher des Vereins Flüchtlingshilfe Dorfen, wendet sich - wieder einmal - mit einem schier unglaublichen Thema an die Öffentlichkeit: In der Flüchtlingsunterkunft Lindum, in der etwa 30 Kinder leben, ist im Herbst 2018 der Spielplatz aufgelöst, Schaukeln und andere Spielgeräte abmontiert und bisher nicht wieder aufgebaut worden. Die nächsten Spielplätze für die Kinder aus Lindum liegen in der Stadt Dorfen, gut vier Kilometer von der Unterkunft entfernt.

Leutner war sein ganzes Berufsleben lang in der sozialen Arbeit tätig. Er kennt alle Arten von Wohnheimen, solche in denen Lehrlinge, Behinderte oder im Ausland angeworbene Arbeiter wohnten. Aber ein so ungenügend aufgestelltes Wohnheim wie die Asylunterkunft in Lindum sei ihm bislang unbekannt gewesen, sagte er der SZ schon vor einem Jahr: "Ich weiß nicht, warum man so etwas macht - aber so geht man nicht mit Menschen um." Im aktuellen Fall wird bei den Schwächsten der Schwachen gespart, den Kindern von Flüchtlingen.

Leutner schreibt mit Bitterkeit: "Das Spiel unserer Kinder an frischer Luft, das Schaufeln, Formen und Backen im Sandkasten ist für alle Eltern und Pädagogen selbstverständlich. Unbestritten ist der Wert der Sandkästen und Spielplätze für die geistige, psychische und motorische Entwicklung unsere Kinder." In den Bauordnungen seien deshalb auch Spielplätze vorgeschrieben. Leutner deutet die Auflösung des Spielplatzes in Lindum mit sarkastischen Worten so: "Sicher, Regierungsmittel sind Steuergelder und die Beamten sind zum sorgfältigem und sparsamen Umgang verpflichtet. Insofern handelt es um eine vorbildliche Mitteleinsparung im Sinne einer Politik, die Flüchtlingen gegenüber im rauer, ablehnender und verletzender wird." Er sieht allerdings eine Folge voraus: "Viele dieser Kinder, die unter den diskriminierenden Bedingungen in den Unterkünften aufwachsen, werden noch lange bei uns leben. Ausgrenzung und Benachteiligung sind explosiver sozialer Konfliktstoff. "

Alle Nachfragen bei der Regierung von Oberbayern, schreibt Leutner, seien bislang unbeantwortet geblieben.