1250 Jahre Dorfen:Drei Sommermärchen in der Altstadt

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Die große Tribüne und Hunderte weitere Sitzplätze bis zur Bühne vor der Marktkirche bildeten mit den Häuserzeilen einen weiten theatralen Raum unter freiem Himmel. (Foto: Renate Schmidt)

Die Open-Air-Konzerte am Unteren Marktplatz sind ein voller Erfolg. 4300 Menschen kommen zu Martina Schwarzmann, Helge Schneider und dem Herbert-Pixner-Projekt. Der historische Stadtraum wird zu einer einzigen großen Kulturstätte.

Von Florian Tempel, Dorfen

Es war eine Premiere und ein voller Erfolg. So große Open Air-Konzerte mitten in der Stadt hat es in Dorfen zuvor noch nie gegeben. Die drei Auftritte von Martina Schwarzmann, Helge Schneider und dem Herbert Pixner-Projekt auf dem Unteren Marktplatz, mitten drin in der Dorfener Altstadt, hatten zusammen 4300 Besucherinnen und Besucher. Allein diese große Zahl ist beeindruckend. Doch neben der schieren Quantität hatte das Ganze auch besondere urbane Qualitäten - es waren tolle und passende Geschenke zum 1250-Jahre-Stadtjubiläum.

Wenn man heute am Unteren Marktplatz vorbei kommt, muss man sich schon wieder aktiv zurückerinnern, wie das gerade noch war. Der Platz liegt offen da, die Blumen hinter den Sitzbänken blühen und gedeihen, als ob sie dort bereits den ganzen Sommer wachsen würden. Dabei war hier vor kurzem noch alles ganz anders. Die große Tribüne, die nach dem Faust-Freilufttheater stehen geblieben war, dazu weitere hundert Sitzplätze auf dem Platz, bis zur Bühne vor der Rückseite der Marktkirche bildeten mit den Häuserzeilen links und rechts einen weiten theatralen Raum unter freiem Himmel, fast schon klassisch wie ein antikes Odeon. Der historische Stadtraum präsentierte sich in der ungewohnten, aber schönen Funktion einer einzigen großen Kulturstätte.

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Für die drei Platzkonzerte, die Birgitt Binder und ihr Jakobmayer-Team organisiert hatten, wurde die Altstadt schon nachmittags für den Verkehr gesperrt. Nur zu Fuß und mit dem Rad kam man durch. Das verstärkte das ganz besondere Feeling noch einmal. Da stellte sich Urlaubsstimmung ein, wenn man vor oder nach dem Konzert frei und beschwingt durch die Altstadt flanieren konnte.

Die drei sehr stark ausgewählten Konzerte einte dieselbe Location und doch waren sie sehr unterschiedlich. Bei Martina Schwarzmann waren gefühlt alle da. 1700 gut gelaunte Menschen vor allem aus Dorfen und der Umgebung hatten an einem lauen Sommerabend jede Menge Spaß mit der grandiosen Kabarettistin, und man traf so viele Nachbarn, Kollegen und Bekannte auf einmal wie selten.

Ein Großmeister des schrägen Humors und der lässigen Jazzmusik: Helge Schneider in Aktion in Dorfen. (Foto: Renate Schmidt)

Bei Helge Schneider war ein ganz anderes Publikum da, mehr Leute von außerhalb. "Klar", sagt Birgitt Binder, "die einen lieben ihn, die anderen sagen, sie können mit seinem Humor nichts anfangen". Und es zeigte sich die Grundgefahr jeder Open Air-Veranstaltung. Das Wetter war den ganzen Tag ziemlich durchwachsen, "zwischendrin haben wir weiche Knie bekommen", erinnert sich Birgitt Binder. Die bereits ausgepackten Instrumente auf der Bühne wurden vorsichtshalber wieder verstaut. Doch zum angesetzten Konzertbeginn war es trocken und es konnte wie geplant los gehen. Helge Schneider war ausgesprochen gut drauf und das Publikum ebenso, selbst als es dann doch zu regnen begann.

Das Herbert-Pixner-Projekt in Dorfen. (Foto: Michael Bögl/oh)

Zum Abschluss des Festivals hat Herbert Pixner nicht nur sein Publikum begeistert, sondern war es auch selbst, wie Birgitt Binder berichtet. Die Atmosphäre bei seinem Konzert war zauberhaft. Pixner und seine Projekt-Mitglieder versinken, wenn sie Musik spielen, zum Teil tief in einen emotional-konzentrierten Zustand, der sich im besten Fall auf das Publikum überträgt. In Dorfen stellten sich diese magischen Momente ein. 1300 Menschen mitten in der Stadt lauschten so gebannt dem Klang der Musik, dass sie gar keine Quelle für Nebengeräusche mehr sein konnten.

Das Dorfener Kulturzentrum Jakobmayer hat mit seinem außerordentlichen Beitrag zum Stadtjubiläum drei Volltreffer gelandet. Das bleibt noch lange in Erinnerung. Das Festjahr ist freilich noch nicht zu Ende. Nach den Sommerferien geht es im Jakobmayer innen drin weiter. Das Line-up bei Kabarett und Comedy bis zum Jahresende ist fulminant: Es kommen Martin Frank, Willy Astor, Stefan Waghubinger, Jonas Greiner, Urban Priol, Angela Ascher, Sigi Zimmerschied, Helmfried von Lüttichau, die Science Busters und Luise Kinseher. Und auch die Musikschiene ist mit Martina Eisenreich, Matthias Kellner, Pam Pam Ida, Der Nino aus Wien, Gankino Circus, Goldmund, Voodoo Jürgens und Claudia Koreck toll besetzt.

Alle Termine und Infos auf www.jakobmayer.de .

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