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Dilettanen vor Gericht:Versuchte Erpressung endet mit Verhaftung

23-Jähriger wollte sich Schweigen im Fall eines aufgeflogenen Drogendeals bezahlen lassen: Haftstrafe auf Bewährung

Wegen gemeinschaftlicher Erpressung haben sich am Dienstag drei Angeklagte zwischen 23 und 25 Jahren am Amtsgericht Erding verantworten müssen. Nachdem sich alle voll geständig gezeigt hatten, wurde letztlich nur der Jüngste von ihnen wegen des Versuchs einer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt. Die beiden anderen Angeklagten sah Richter Andreas Wassermann nur der Beihilfe schuldig, sie kamen mit einer Geldstrafe davon. Zugute kam allen drei Angeklagten, dass sich Staatsanwaltschaft, die Verteidiger und Richter Wassermann einig waren: Die Erpressung verlief äußerst "unprofessionell".

Dass es überhaupt dazu kam, ist einer Drogengeschichte geschuldet, die schon zwei Jahre zurück lag, wie die Beweisaufnahme ans Licht beförderte. Der zur Freiheitsstrafe verurteilte heute 23-Jährige, zwei Freunde von ihm und sein ebenfalls vor Gericht stehender 25-jähriger Bruder hatte damals im Internet dreimal Drogen gekauft, vor allem Haschisch und Ecstasy. Der 23-Jährige bestellte per E-Mail, sein älterer Bruder bezahlte per Überweisung, und die Drogen wurden auf alle vier anschließend aufgeteilt. Als der Händler aufflog, tauchte bei den Ermittlungen damit auch der Name des jungen Mannes auf. Und der Erwerb von Betäubungsmittel ist nach dem Gesetz eine Straftat.

Nach seinen eigenen Angaben wollte der 23-Jährige zwar nicht die Namen seiner beteiligten Freunde beziehungsweise seines Bruders nennen. Er sei aber "maßlos enttäuscht" und "sauer" gewesen auf einen der Freunde, weil der sich nach den Ermittlungen gegen ihn völlig zurück gezogen und kein Wort mit ihm mehr geredet habe. Schließlich kam es dann doch im Mai vergangenen Jahres zu einem Gespräch am Busbahnhof in der Nähe des Erdinger Klinikums. Dort sei er "spontan" auf die "dämliche Idee" gekommen, den früheren Freund unter Druck zu setzen. Seiner Aussage nach nur deshalb, damit der endlich wieder mit ihm rede, auch über die Sache mit dem Drogengeschäft. Er drohte ihm, ihn vor Gericht zu verpfeifen, wenn es zu einer Verhandlung gegen ihn komme - es sei denn, er würde ihm 6000 Euro geben. Ums Geld sei es ihm dabei eigentlich nicht gegangen, weil er ja gewusst habe, dass der die Summe mit seinem Gehalt als Auszubildender nicht zahlen kann. Mit dabei am Busbahnhof, allerdings ohne sich am Gespräch zu beteiligen, waren sein Bruder und der zweite ebenfalls vor Gericht stehende 24-jährige Freund.

Als der Erpresste sich zwei Wochen lang nicht rührte, kam der 23-Jährige auf die Idee, dessen Eltern in die Sache mit hinein zu ziehen, damit sie Druck auf ihren Sohn ausüben, damit der sich endlich zum Reden entschließe, wenn sie wüssten wie er in der Sache drin stecke. Diesmal dabei: sein älterer Bruder - wieder allerdings ohne was zu sagen. Dafür erhöhte der 23-Jährige die Summe auf 10 000 Euro.

Der Schuss ging allerdings nach hinten los. Laut Aussage des ermittelnden Kriminalbeamten kam der Vater am nächsten Tag zur Polizeiinspektion Erding, um Anzeige wegen des Erpressungsversuches zu erstatten. Zudem berichtete er den Beamten, dass es noch am selben Tag am Abend zu einem neuen Treffen kommen sollte, um offenbar weitere Modalitäten auszuhandeln. Daraufhin fuhren abends zwei Einsatzteams in Zivil zum Haus des Erpressten, der noch bei seinen Eltern wohnt. "Ziemlich pünktlich" gegen 19 Uhr sei dann das vom Vater beschriebene Auto angekommen. Und der 23-Jährige und sein Bruder wurden beim Aussteigen festgenommen.

Nachdem man sich gleich nach Verfahrensbeginn auf das maximal Strafmaß geeinigt hatte, wenn alle drei Angeklagten sich geständig zeigten, kam es relativ schnell zu einem Urteil. Die Eltern und der Erpresste mussten gar nicht mehr angehört werden. Für Richter Wassermann war der 23-Jährige klar der "Rädelsführer" bei der Erpressung. Es sei zudem "ein starkes Stück" gewesen, dass er die Eltern mit in die Sache hineingezogen habe. Deshalb sei eine "kurze Freiheitsstrafe" für ihn unerlässlich. Da er, wie die anderen beiden Angeklagten, bis zum Tatzeitpunkt strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten war, wurde die Strafe aber auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Sein Bruder erhielt eine Geldstrafe von 4000 Euro, der mitbeteiligte Freund von 1480 Euro.