Die Tücken der Elekromobilität Einfach ist nichts beim E-Auto

Der Überblick bei den Ladesäulen lässt zu wünschen übrig. Es gibt mehrere Anbieter und keine Instanz, die den Überblick über alle Stationen hat.

(Foto: Renate Schmidt)

Diese Faktoren verhindern einen Schwenk zur Elektromobilität: Hohe Preise, ein Wirrwarr bei den Steckern und die Tarifstruktur

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Trotz staatlicher Förderung sind Elektro-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen immer noch eine Seltenheit. Zu viele Faktoren halten potenzielle Käufer ab, von Benzin auf Strom umzuschwenken: die hohen Preise, die geringe Reichweite von 150 bis 250 Kilometer und lange Ladezeiten. Dazu kommt das Wirrwarr bei den Ladesäulen und ihren unterschiedlichen Tarifstrukturen. "Einstecken, Aufladen & Losfahren" lautet das E-Mobility-Konzept der Überlandwerke Erding. Die Realität sieht anders aus.

Natürlich kann man sein Auto auch daheim über Nacht an die Steckdose anschließen. Wer sein Auto aber nicht zuhause laden kann, muss eine E-Ladesäule suchen. Es gibt Online-Karten, die den Standort der nächsten Stromtankstelle anzeigen, auch Apps für das Smartphone, aber es gibt keine zentrale Stelle, in der wirklich alle verzeichnet sind: Jeder Stromanbieter zeigt in der Regel nur seine E-Ladepunkte. Die im März eröffnete E-Ladesäule am Landratsamt Erding ist nicht einmal auf der Landkreis-Webseite zu finden. Nur wer weiß, dass sie von den Stadtwerken betrieben wird, findet sie auf deren Homepage.

Drei Ladesäulen in Dorfen

Wie schnell ein E-Auto voll geladen ist, hängt von mehreren Faktoren ab: wie groß die Batterie ist und wie schnell sie geladen werden kann und von der Größe der Ladestation, die von 3,7 Kilowatt über 7,4, 11, 22 bis zu 100 und 120 (bei Teslafahrzeugen) oder künftig bis zu 350 Kilowatt reichen. Als Vergleichsfahrzeug dient der kleine Zoe Life, den seit Mai das Landratsamt als zweites E-Auto im Dienstwagen-Fuhrpark hat. Er enthält eine 22 kWh Batterie. Er ist an einer Station mit 22 kW in einer Stunde voll, bei 100 Kilowatt theoretisch in unter 15 Minuten, bei 3,7 Kilowatt in fast sechs Stunden.

Weitere Konfusion erzeugen die Tarife. Wer sein E-Auto zuhause auftankt, zahlt bei einem Kilowattpreis für Hausstrom von 29,4 Cent für ein Fahrzeug mit einer Kapazität von 22 Kilowattstunden 6,74 Euro. An öffentlichen Ladesäulen wird es komplizierter - und unterschiedlich teuer.

In Dorfen wurden drei Ladesäule in Betrieb genommen. "Einfach soll es sein", heißt es auf der Internetseite der Stadtwerke. Um das Laden "schnell und einfach zu gestalten", werden zwei Zahlungsmöglichkeiten angeboten: mit einer auf den Kunden ausgestellte Chipkarte zum Freischalten der Ladesäulen und mit der Web-App Ladepay. Mit der Karte kostet eine Stunde Laden bei der 22-Kilowatt-Station 1,80 Euro plus Grundgebühr von zehn Euro. Mit der App am Handy kostet jeder komplette Ladevorgang sieben Euro. Aktuell tanken die Elektromobilisten in Dorfen und in vielen anderen Städten aber noch kostenlos, wie Geschäftsführer Klaus Steiner sagt. Der Grund hierfür liegt im komplexen deutschen Eichrecht. "Die meisten Anbieter können den Strom nicht dauerhaft verschenken, sondern müssen damit Geld verdienen. Wo etwas verbraucht wird, muss aber genau gemessen und abgerechnet werden. Und dann greift das Eichrecht", sagt Steiner.

Gesucht wird eine eichrechtskonforme Lösung.

Das Problem sei einerseits die hohe Anzahl an Nutzern pro Stromzähler und zum anderen die Vorschrift, dass die Messergebnisse für den Verbraucher "prüfbar" sein müssen. "An den meisten Ladesäulen zahlt der Nutzer den Strom nicht direkt, sondern es wird am Monatsende abgerechnet. Will der Kunde Wochen später prüfen, ob sein Auto die abgerechnete Verbrauchsmenge überhaupt geladen hat, fehlt ihm derzeit schlichtweg die Möglichkeit dazu." Kaum eine Ladesäule könne heute anzeigen, "welches Auto am 5. Juni 2018 um 11.24 Uhr Ladepunkt 2 genutzt hat und welche Menge Strom dabei geflossen ist". Für das Eichrecht müsse dies aber gesichert sein, sagt Steiner. Werde der Strom verschenkt oder pauschal abgerechnet, greife das Eichrecht nicht.

Bei den Stadtwerken Dorfen werden App-Nutzer deshalb derzeit pauschal abgerechnet. Laut Steiner werde daran gearbeitet, im Laufe des Jahres 2019 eine eichrechtskonforme Lösung abzubilden. Dann würden auch die neuen Preise bekannt gegeben.

Einfach und übersichtlich ist die Tarifstruktur bei den drei Ladesäulen des E-Werk Schweiger: Der Kunde zahlt nur den getankten Strom - 30 Cent je Kilowatt. Kostendeckend sei der Preis zwar nicht, sagt Franz Schwaiger. Dafür müsste man an der 22-kW-Säule 50 Cent verlangen. Aber man wolle dazu beitragen, die E-Mobilität zu fördern. Den Zoe aufzutanken, kostet dort 6,60 Euro.

Eine Mischkalkulation gibt es bei den Überlandwerken Erding. Von ihnen sind auch die Ladesäulen, die der Landkreis mit der Gesellschaft Energievision Erding (EVE) aufgestellt hat - unter anderem am Landratsamt, aber auch an Schulen und dem Bauernhausmuseum. Alle haben 22 kW. Der Zoe ist damit theoretisch in einer Stunde voll. Aber nur theoretisch, weil die Ladeleistung auf 15 kW sinkt, wenn zwei Autos gleichzeitig an der Säule tanken, wie Alexander Moll sagt.

Es gibt auch kostenlose Stationen.

Beim Bezahlen kommt es darauf an, ob man Kunde bei den Stadtwerken ist oder eine Überland-E-Mobility-Ladekarte hat oder nichts von beiden. In letzterem Fall muss man sich die Web-App Ladepay auf sein Smartphone laden, den QR-Code auf der Säule scannen und kann dann tanken. Abgerechnet wird je angefangene Stunde bei 4,50 Euro je Stunde. Ist man Stromkunden, muss man von 2020 an eine Grundgebühr von 4,99 Euro je Monat zahlen, zudem je angefangene Viertelstunde 0,25 Euro und 30 Cent je Kilowattstunde. Die Zoe-Auffüllung kostet somit im Idealfall mit einer Stunde 7,60 Euro. Dazu kommt die Grundgebühr.

Glück hat, wer eine kostenlose E-Ladestation findet wie beispielsweise beim Kaufland in Erding. Ob dies aber so bleibt, ist offen. Dort darf man aber nur eine Stunde stehen bleiben, damit nicht ein Auto den ganzen Tag eine Ladesäule blockiert.