Angekündigt wurde das neue Zentraldepot des Deutschen Museums erstmals vor zwölf Jahren, beim Erwerb des Grundstücks. Allerdings konnte das Museum damals die Kosten nicht stemmen. Die erforderlichen 100 Millionen Euro sollen nun mit einem Investor und einem PPP-Modell finanziert werden. Erding soll mit der Fertigstellung des Moduls eins im Dezember 2028 ein Zentrum der Technikgeschichte werden, wo Exponate nicht nur gelagert, sondern auch erforscht, restauriert, konserviert und digitalisiert werden. Hier sollen auch digitale 3D-Modelle gefertigt werden, die man dann weltweit abrufen kann. Ein gigantisches Projekt mit einer geplanten Fläche im Endausbau von rund 45 000 Quadratmetern auf fünf Etagen.
Henrik Häcker, der kaufmännische Direktor des Deutschen Museums, bedauerte bei einem Pressegespräch, dass man das ursprüngliche Konzept eines Schaudepots mit regelmäßigen Besucherführungen nun doch nicht realisieren könne: „Das können wir uns personell und finanziell nicht leisten“, sagte er. Es soll zwar gelegentliche Führungen, insbesondere für Schulklassen, geben, aber Ausstellungen mit regelmäßigen Öffnungszeiten könne man nicht bieten.
Sehenswert wäre das Depot auf alle Fälle, auch wenn es künftig nur digital erlebbar werden soll. Denn was das Deutsche Museum in München in seinen Räumlichkeiten ausstellt, ist nur die Spitze des Eisbergs: Nach Angaben von Generaldirektor Michael Decker verfügt das Museum insgesamt über 125 000 Objekte. „Nur zehn Prozent können wir tatsächlich zeigen“, sagte er. Der „Rest“, etwa 110 000 Exponate, ruht in Mietdepots im Münchner Umland.
Wenn man lediglich die drei größten und teuersten Depots auflösen würde, ergänzte der kaufmännische Direktor Häcker, könne man damit das Zentraldepot Erding finanzieren. Aus diesen „Ewigkeitskosten“ soll nun Eigentum werden, innerhalb von 25 Jahren.

Im Erdgeschoss des künftigen Depots sollen die schweren Exponate gelagert werden, kleinere Flugzeuge, Schiffe, Oldtimer. „Wir sammeln ja manchmal etwas unhandliche Sachen“, sagte Häcker. Unter anderem soll die Sammlung der Flugwerft Oberschleißheim nach Erding verlagert werden, darunter Oldtimer, Motor- und Fahrräder. In den höheren Etagen werden kleinere und leichtere Objekte untergebracht.
Decker betonte die Bedeutung der Räume für die Forschung. In den bisherigen Depots werden die Exponate nur gelagert, dort gebe es keine Werkstätten oder Dokumentationsräume. In Erding soll das anders werden. 15 Forschende kümmern sich um die Objekte und können sie in den wissenschaftlichen Fokus rücken. Auch deswegen ist das Zentraldepot am Standort Erding für das Deutsche Museum ökonomisch sinnvoll: Bislang musste eine Logistik für die acht Standorte vorgehalten werden, wenn man ein einzelnes Exponat für ein aktuelles Projekt benötigte. Wenn künftig der Großteil bereits an einem Ort lagert, wird es billiger.
Ein Unternehmen aus Baden-Württemberg baut das Depot
Aus architektonischer und gebäudetechnischer Sicht ist das geplante Depot eine Herausforderung. Denn die Exponate bestehen aus unterschiedlichen Materialien wie Stahl, Kunststoff, Gummi oder Leder. Für jedes Objekt muss die optimale Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit geschaffen werden. Es gibt dafür Referenzwerte, die auch in Erding präferiert werden. Diese Bedingungen sollen jedoch nicht mit großem technischem Aufwand geschaffen werden, sondern die Räume sollen als möglichst geschlossene Kammern stabile Bedingungen aufrechterhalten.
Gebaut wird das Depot von der Firma Georg Reisch GmbH & Co. KG, einem großen, mittelständischem Unternehmen aus Baden-Württemberg. Es finanziert den Bau auch über den Kapitalmarkt. Finanzierungspartner ist dabei die Bayerische Landesbank. Das Deutsche Museum zahlt dem Investor über 25 Jahre die Baukosten und die Finanzierungskosten ab. Reisch kümmert sich in diesen 25 Jahren auch um den Betrieb und die Bewachung der Objekte. Das erste Modul soll eine Gesamtfläche von rund 17 400 Quadratmetern umfassen, mit zwei weiteren Modulen sollen im Endausbau rund 45 000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Baubeginn ist im September 2026, Fertigstellung und Übergabe des ersten Moduls ist im Dezember 2028 geplant.

Obwohl der Baubeginn erst in sieben Monaten erfolgen soll, kletterte Erdings Oberbürgermeister Max Gotz beim Ortstermin in Aufhausen bereits in einen Bagger, um damit den symbolischen Spatenstich auszuführen. Nach einer kurzen Unterweisung in den Hebeln grub er in der Zufahrt ein Loch aus. „Es gibt nichts, was ein deutscher Handwerksmeister nicht kann“, sagte der gelernte Gebermeister. Obwohl seit dem Kauf des Grundstücks mittlerweile zwölf Jahre vergangen sind, sei er immer zuversichtlich gewesen, dass das Depot in Erding realisiert werde. „Seit 2014 hat man uns alle Veränderungen mitgeteilt und wir haben das einvernehmlich hinbekommen. Ich habe von Anfang an daran geglaubt.“

