Der Ist-Zustand des Gewässers ist kritisch Unterstützung für die Schwillach

Die Schwillach wurde als Pilotprojekt im Landkreis für die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ausgesucht.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Bach ist das Pilotprojekt im Landkreis für die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Verpflichtende Uferrandstreifen, wie sie das Volksbegehren "Rettet die Bienen" vorsieht, wären ein ganz wesentlicher Beitrag

Von Thomas Daller, Wörth

Die Schwillach könnte ein hervorragender Lebensraum für viele selten gewordene Fischarten sein, denn sie wird von Quellen und Zuläufen gespeist, die auch im Sommer kühles Wasser führen. Das ist für Salmoniden wie die Bachforelle und die Äsche wichtig, die warmes Wasser nicht verkraften. Daher war es eine gute Wahl, die Schwillach als Pilotprojekt im Landkreis für die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie auszusuchen. Allerdings ist der Ist-Zustand kritisch: Das Gewässer ist verschlammt, eingeschwemmte Gülle fördert Algenteppiche, es gibt kaum noch Äschen, Elritzen und Aitel. Mit einem Schwillach-Dialog hofft das Wasserwirtschaftsamt auf ein Einlenken der Landwirte, die für den schlechten Zustand verantwortlich sind.

Der schlechte Zustand der Bäche hängt generell mit einer bayerischen Besonderheit zusammen: In allen anderen Bundesländern sind Landwirte verpflichtet, einen Uferrandstreifen freizuhalten, auf dem nicht geackert, gedüngt und gespritzt wird. In Bayern beruht das Prinzip auf Freiwilligkeit und wird durch finanzielle Anreize gefördert. Diese Förderung ist ganz erheblich: Der landwirtschaftliche Ertrag eines Hektars liegt zwischen 300 und 400 Euro, bei Zuckerrüben kann man sogar 700 Euro erwirtschaften. Wenn ein Landwirt allerdings einen sieben bis 20 Meter breiten Uferrandstreifen anlegt, erhält er pro Hektar 920 Euro. Dieses großzügige Entgegenkommen der Staatsregierung gegenüber der Landwirtschaftslobby sollte eigentlich dazu führen, dass das Förderprogramm flächendeckend umgesetzt wird. Aber es läuft so zäh, dass sich die Bäche kaum erholen können.

Das Wasserwirtschaftsamt München hat in einer aktuellen Pressemitteilung die Ergebnisse des dritten Schwillachdialogs zusammengefasst, bei dem sich Landwirte, Anlieger, Fischer, Wasserkraftbetreiber, Kommunalpolitiker und Wasserwirtschaftler in Pastetten getroffen haben. Von Seiten des Wasserwirtschaftsamtes sei dabei Entschlammungen und ökologische Unterhaltsmaßnahmen thematisiert worden. Der Erdinger Kreisverband des Bayerischen Bauernverbandes reklamierte eine Verbesserung des Zustandes der Schwillach als Verdienst der Landwirte: "Unsere Devise ,Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht' hat wieder einmal hervorragend funktioniert."

Es mag sein, dass sich verschiedene Landwirte redlich engagieren, durchgängige Uferrandstreifen an Bächen sind mit Freiwilligkeit erfahrungsgemäß nicht zu erzielen: Wie aus dem Umsetzungskonzept des Wasserwirtschaftsamtes zur Schwillach hervorgeht, ist das Gewässer an zwei Stellen punktuell entschlammt worden. An der Rothmühle seien 700 Kubikmeter ausgebaggert worden und an der Keckmühle 100 Kubikmeter. Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 25 000 Euro. Auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) ist in das Projekt eingebunden. Wie aus deren Unterlagen hervorgeht, ist man keineswegs so euphorisch wie der Bauernverband: Der ökologische Zustand der Schwillach sei "unbefriedigend", heißt es in einer Bestandsaufnahme, der chemische Zustand "nicht gut". Das Ziel, einen ökologischen Zustand bis 2021 zu erreichen, sei "unwahrscheinlich", man geht von weiteren organischen Belastungen, von weiterem Eintrag von Nährstoffen und Schadstoffen aus. "Unklar" sei der weitere Bodeneintrag. Der Fischbestand sei "unbefriedigend", es gebe krankheitsbedingt Ausfälle bei der Fischzucht mit Schwillachwasser und Beobachtungen von Äschen mit Flossenfäule. Auch Coliforme Keime habe man im Wasser gefunden, was auf die Belastung mit Gülle hindeutet.

Doch nun gibt es Hoffnung, dass es mit der Schwillach wieder aufwärts gehen kann. Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Denn es sieht, wie in allen anderen Bundesländern, auch in Bayern Uferrandstreifen vor, die verpflichtend eingeführt werden sollen. Damit würde die Bodenerosion eingedämmt, die nicht mehr als Schlamm in den Bächen landen würde, es würden bei Starkregen auch weniger Spritzmittel und Gülle in die Bäche eingeschwemmt.