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Der Einfirsthof in Steinhöring wurde 1779 erbaut:"Zum Hafna" wird ein Schmuckstück

Rosemarie und Max Kopp gestalten einen denkmalgeschützten Hof behutsam um

Der Ortskurator Axel Hofstadt kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. In der dicken Winterjacke mit Schal und Mütze besichtigt er bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt ein altes Bauernhaus und schaut, wie die Fördergelder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz verbaut werden. Axel Hofstadt ist Architekt und weiß, dass die Umgestaltung eines alten Hauses einem Kraftakt gleicht. Voraussetzung für das Gelingen eines Denkmalumbaus ist neben der Begeisterung für das alte Gemäuer ein gut gefülltes Portemonnaie und ein guter Draht zu den Behörden. Axel Hofstadt steht in der alten Stube der längst verstorbenen Bäuerin Elisabeth Mair und blickt auf Tapetenschichten aus dem vergangenen Jahrhundert.

Der Einfirsthof "Zum Hafna" liegt idyllisch unter der Kirche von Sankt Christoph. Das Bauernhaus gehört Rosemarie Oberschätzl-Kopp, 32, und ihrem Mann Max Kopp, 35. Geerbt haben sie es von der Bäuerin Elisabeth Mair, die ihr Haus der Familie gegen eine Leibrente übergeben hatte. Der Einfirsthof wurde 1779 erbaut und war einer der ersten Bauernhöfe in Bayern, die unter Denkmalschutz gestellt wurden. Rosemarie spielte als Kind schon hier. Als die Agraringenieurin ihrem Mann sagte, dass sie gern hier wohnen würde, zögerte er zunächst. Max Kopp, gelernter Bankkaufmann, blickte mit Sorgen auf das große Unternehmen. Das alte Haus, und was das alles werden wird?

Auf viele Bauherren wirkt der Denkmalschutz erst einmal abschreckend. Sie scheuen die Auflagen der Denkmalschutzbehörde und vor allem die damit verbundenen Kosten. Die Institutionen agierten eher kontraproduktiv und zäh, wird immer wieder behauptet. An manchen Orten, zum Beispiel am Ortseingang von Zorneding, verfallen alte Bauernhäuser. Max Kopp aber ließ sich von seiner Frau Rosemarie überreden. Gemeinsam entschieden die beiden, den Steinhöringer Hof herzurichten. In einem First war er erbaut worden: als Gebäude, das alle drei notwendigen Funktionen - Wohnhaus, Stall und Tenne - hintereinander vereint.

Den früheren Stall und die Tenne hat das Ehepaar als Wohnhaus für sich selbst umgebaut. Aus dem alten Wohnhaus der Elisabeth Mair soll eine Ferienwohnung für Sommermonate werden. Dauerhafte Mieter, so befinden die Bauherren, würde der vordere Teil des Hofes nicht erlauben. Der erste Stock ist von außen und innen ein massiver Blockbau und somit nicht dämmbar. Die "Hofna-Lis", wie Elisabeth Mair früher genannt wurde, hatte oben ihr Schlafzimmer eingerichtet und schlief im Winter unter vielen Bettdecken. Unten in der Küche hängt ein Metallgestell über einem alten Ofen. Auf den Kochringen kochte Elisabeth Mair, Handtücher zum Trocknen legte sie über das Metallgestell.

Axel Hofstadt lässt sich die Räume von den Bauherren zeigen. Die Mauern im Untergeschoss sind bereits freigelegt. Balken an der Decke sauber abgebürstet oder, wenn das Holz nicht mehr zu erhalten war, aber tragen muss, ausgewechselt. Die unterarmdicken Wände lassen sehen, wie damals überall dort, wo man keinen Lehm hatte, mit Stein und großen Kieseln mauerte. An einer Wand in der guten Stube fand das Ehepaar unter fünf Farbschichten eine Bordüre, die vermutlich in den 1920er Jahren erstellt wurde. Die Malerei mit dem Weinlaub werden die Bauherren erhalten. Ebenso die alten Türen und Beschläge. Architekt Hofstadt ist begeistert, mit welch liebevollem Blick fürs Detail Rosemarie und Max Kopp den Umbau gestalten - in ständiger Absprache mit dem Amt für Denkmalpflege. Jeder Schritt bedarf der Absegnung.

Bevor das Ehepaar im Jahr 2016 einen kleinen Bagger kaufte und fortan jeden Urlaub auf der hauseigenen Baustelle verbrachte, waren die Genehmigungen für den Umbau zu bekommen. Für ihr neues Zuhause entwickelten sie zusammen mit dem Wörther Architekten Reinhard Lindner einen außergewöhnlichen Plan. Der Gedanke war, möglichst wenig an der bestehenden Fassade des Gebäudes zu verändern und den Charakter der alten Hofstelle zu erhalten. Dahinter errichteten sie ein neues Gebäude. Um dem Denkmalamt die Ideen besser zu veranschaulichen, bauten die Besitzer ein 1:50-Modell des Haus-im-Haus-Konzepts - mit Erfolg. Wie Max Kopp erzählt, leitet das Denkmalamt Bauherren mit ähnlichen Problemen an ihn und seine Frau weiter, damit sich diese ein Vorbild an ihrer Vorgehensweise nehmen könnten. Am Ende erlaubte die Behörde den Kopps sogar, Fenster in das geschlossene Dach einzubauen, damit sie in ihre Haus-in-Haus-Konstruktion auch Licht hineinbringen.

Die Familie, Freunde packten mit an, um die Kosten zu verringern. 630 000 Euro kostete der Umbau von Stall und Tenne; für das Wohnhaus, das Ferienwohnung werden soll, wollen die Besitzer weitere 280 000 Euro investieren. An staatlichen Zuschüssen bekamen sie bislang 60 000 Euro. Für die Wiederherstellung des Wohnteils stellte ihnen die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 30 000 Euro zur Verfügung.

Ortskurator Hofstadt, der den Scheck überbrachte, ist voll des Lobes: "Die behutsame Umformung dieses Gebäudes ist fantastisch." Alles was noch gut und nützlich ist, wurde und wird für den Neubau wieder verwendet. Die Fenster wurden nachgebaut und mit Isolierglas versehen, Säulen im ehemaligen Stall entrostet und gereinigt. Spuren der Vergangenheit treffen auf die Gegenwart. Wer jetzt die frühere Scheune betritt, steht in einem loftartigen Raum mit Empore. Selbst den alten Tennenboden bauten die Besitzer wieder ein, nachdem sie ihn gebürstet hatten. In der Küche liegen die unebenen Holzbretter neben dem glatten Estrich. Es gibt keine Sockelleisten, keine Türzargen. Die Empore oben, auf der Max Kopp in einem Regal zehn Ordner Briefwechsel mit dem Denkmalamt aufbewahrt, ist mit einem schlichten schmiedeeisernen Geländer versehen.

Der Einfirsthof in Sankt Christoph ist ein Paradies für Minimalisten und ein positives Beispiel, wie mit viel Liebe, Anstrengung und pfiffigen Ideen ein denkmalgeschützter Bauernhof in ein modernes Wohnhaus umgebaut wurde.