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Siedlungsdruck:Dorfen will "harmonisch" wachsen

Neu gestaltetes Kundendienstzentrum Stadtwerke Dorfen

Die Tallage und die bekannt schwierigen Bodenverhältnisse machen das Bauen in Dorfen nicht so einfach wie in der Münchner Schotterebene.

(Foto: Stephan Görlich)

Trotz Bedenken des Landratsamtes beschließt der Stadtrat im neuen Flächennutzungsplan fast 40 Hektar für potenzielle Wohn- und Mischgebiete festzulegen. Bis 2030 könnte die Bevölkerung auf 18 300 anwachsen

Vor zwei Jahren hat der Dorfener Stadtrat eine Überprüfung und Änderung des Flächennutzungsplans für die Stadt eingeleitet. Nun geht es auf die Zielgerade. Der neue Flächennutzungsplan wurde noch einmal im Stadtrat diskutiert und beschlossen. Das Volumen der potenziellen Wohn- und Mischgebiete ist mit fast 40 Hektar nicht gerade klein. Das Landratsamt Erding, das den Flächennutzungsplan noch prüfen wird, hat schon vorab kritisiert, diese Menge erscheine doch etwas überdimensioniert. Der Stadtrat sah das keineswegs so.

Die Stadt Dorfen ist im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen im Landkreis Erding in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig gewachsen. Allerdings ist der allgemeinen Siedlungsdruck im Großraum München auch an der Isen unübersehbar. Die Grundstücks- und Immobilienpreise schießen in die Höhe. In weniger als zehn Jahren haben sie sich verdoppelt. Allerdings gab und gibt es in Dorfen auch gar nicht so viele Baugrundstücke zu erwerben. Das Interesse ist jedoch sehr groß. Was niemanden wundern muss. Die Stadt liegt an einer Bahnlinie, mit dem Schnellzug dauert es gerade mal eine halbe Stunde bis zum Münchner Ostbahnhof. Und die Autobahn A 94 wird nun mit Hochdruck gebaut. In zweieinhalb Jahren wird sie fertig sein. Laut Angaben der Stadtverwaltung "haben sich in den letzten Jahren circa 400 Personen für Grundstücke der Stadt interessiert". Man haben sie auf eine Vormerkliste gesetzt und über aktuelle Entwicklungen der Baulandausweisung unterrichtet. Die 400 Interessierten seien freilich nur diejenigen, die der Stadt bekannt seien. "Nicht berücksichtigt sind die Personen, die ihren Bauwunsch bei anderen Institutionen der Wohnwirtschaft geltend gemacht haben, zum Beispiel bei Banken und Grundstücksmakler", heißt es im Bericht zur Flächennutzungsplanänderung.

In Dorfen stellt man sich auf ein jährliches Bevölkerungswachstum von 1,4 Prozent ein. Bis 2030, so die Hochrechnung, könnte die Einwohnerzahl demnach um knapp 3500 Neubürger auf 18 300 Dorfener zunehmen. Um so viele Menschen unterzubringen, braucht man natürlich sehr viele Wohnungen. Außerdem rechnet in der Stadtverwaltung und im Stadtrat niemand damit, dass wirklich alle potenziellen Baugebiete, die der Flächennutzungsplan aufzeigt, auch tatsächlich realisiert werden. In Dorfen machen die Topografie in der Tallage und die bekannt schwierigen Bodenverhältnisse das Bauen nicht so einfach wie zum Beispiel in der Münchner Schotterebene. Auch die Bemühungen, den Bau von Wohnungen vor allem in der Innenstadt zu intensivieren, haben bislang keine konkreten Ergebnisse gebracht.

Selbst die Grün-Alternative Liste ist für die recht üppige Ausweisung im Flächennutzungsplan, betonte Stadträtin Dorette Sprengel. Allerdings nur, wenn die Gebiete Schritt für Schritt und nicht alle auf einmal oder in kürzester Zeit verwirklicht werden. Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) sah das genauso: Das müsse sukzessive passieren und eine "harmonische" Entwicklung werden, "denn die kommunale Infrastruktur muss ja auch wachsen". Sprengel erinnerte daran, dass die Stadtverwaltung dem Stadtrat alle drei Jahre einen Wachtsumsbericht vorlegen müsse, das sei bereits früher so beschlossen worden.

Am stärksten diskutiert wird in Dorfen, wie man das sehr große Gelände der ehemaligen Dachziegelfabrik Meindl entwickeln sollte. Die Lage am Stadtrand neben der Bahnstrecke scheint prinzipiell sehr gut für ein neues Wohngebiet geeignet. Allerdings gibt es auch die Idee, dass ein Teil des Meindl-Areals womöglich für die in Dorfen gewünschte Tieferlegung der Bahngleise genutzt werden könnte.