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Coronavirus in Erding:Klinikchef wendet sich an Bürger

Maßnahmen sollen ernst genommen werden.

Die Bürger in Erding haben sich in der ersten Nacht folgsam an die Ausgangssperren gehalten, die Polizei meldete eine "ruhige Lage", wie es vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord heißt. Der Landkreis Erding überschreitet den Sieben-Tage-Inzidenzwert von 200 seit Tagen bei weitem, daher gelten die strengere Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Am Donnerstag meldete das Landratsamt eine nochmals von 320,3 auf 327,5 gestiegene Inzidenz. Von Mittwoch auf Donnerstag waren 77 neue bestätigte Fälle hinzugekommen. Im Klinikum wurden am Donnerstag 40 Covid-19-Patienten behandelt, sechs von ihnen lagen auf der Intensivstation, drei von ihnen wurden beatmet. Diese Zahlen nahm der Ärztliche Direktor des Klinikums, Lorenz Bott-Flügel, zum Anlass für einen Appell.

Das Klinikum habe sämtliche planbaren Operationen abgesagt; für notwendige Operationen werden jedoch Kapazitäten freigehalten, wie es in der Mitteilung des Landratsamtes heißt. Bott-Flügel fordert in der Mitteilung die Bevölkerung dazu auf, "Covid-19 ernst zu nehmen". In 20 Jahren Berufserfahrung habe er keine Erkrankung erlebt, "die in einer internistischen Abteilung für eine solchen Andrang gesorgt hätte". Von den Patienten sei fast die Hälfte mit dem Coronavirus infiziert. Das "krasse Übergewicht einer einzigen Erkrankung ist äußerst erstaunlich". Das Gleiche treffe für die Intensivstation zu: Von den elf Plätzen seien sechs mit Covid-19-Patienten belegt. Eine solche Dominanz sei ihm "noch nie außerhalb eines spezialisierten Zentrums" begegnet.

Covid-19 sei eine Multisystemerkrankung, die neben der Lunge das Herz, das Gefäßsystem und Nervenzellen angreife. Das klinische Bild bei sterbenden Patienten sei das des Lungenversagens. Dies führe "ohne künstliche Beatmung in einer Vielzahl der Fälle auch in Erding binnen weniger Tage zum Tode". Bott-Flügel stellte einen Vergleich an: An einem akuten Herzinfarkt stürben bundesweit täglich 120 Menschen. An Covid-19 und seinen Folgen seien allein in Bayern in den vergangenen beiden Wochen täglich etwa 100 Menschen gestorben.

Am Donnerstag hat der Landkreis eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die um Mitternacht in Kraft getreten ist. Demnach wurde die Maskenpflicht und das Alkoholverbot in Erding, Dorfen, Taufkirchen, Wartenberg, Isen und Moosinning erweitert. In Erding betrifft dies die zentralen Fußgängerbereiche in der Altstadt, Bereiche am Volksfestplatz und am Bahnhof sowie das Gewerbegebiet Erding West. In den anderen Kommunen sind die Ortszentren betroffen und zusätzlich die Eichenrieder Sportanlage. Die Bereiche werden ausgeschildert. Offene alkoholische Getränke dürfen nicht verkauft werden.

Wie es von der Polizei heißt, wurden bei 254 Kontrollen der Ausgangssperre und Maskenpflicht 28 Verstöße erkannt und unterbunden. Die Polizeiinspektion Flughafen unterband bei 64 Kontrollen zwei Verstöße. Es sei festzustellen, dass die Beschränkungen und Auflagen von der überwiegenden Mehrheit angenommen würden, schreibt die Polizei. Auch für die Zukunft kündigte die Dienststellen an, "ihre Zusammenarbeit zur Überwachung der Ausgangssperren auch weiter eng abstimmen sowie sich gegenseitig unterstützen".

© SZ vom 11.12.2020 / ts
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