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Corona-Krise:Therme Erding möchte bald wieder öffnen

Während NRW und Berlin die Schwimm- und Strandbäder noch vor Pfingsten öffnen, geht in Bayern laut Ministerpräsident Söder vor Juni "nichts".

(Foto: Renate Schmidt)

Geschäftsführer Marcus Maier hat bereits ein Hygienekonzept erstellt. Doch derzeit gibt es weder einen Stufenplan für Bäderbetriebe, noch eine Infektionszahl, ab der Lockerungen befürwortet werden.

Die Therme Erding würde gerne wieder öffnen. Sie bietet ein Konzept dazu mit strengen Auflagen und viel Abstand zwischen den Gästen an. Es liegt dem Innenministerium bereits vor. Landrat Martin Bayerstorfer bezeichnet es in einem Begleitschreiben an Ministerpräsident Markus Söder als "überzeugend"; und es enthalte "Ansätze, die auch für die Arbeit des Wirtschafts- und Gesundheitsministeriums hilfreich sein könnten". Doch es tut sich nicht viel: Laut Auskunft der Pressestelle des Innenministeriums gibt es weder einen Stufenplan für Bäderbetriebe noch eine Infektionszahl, ab der man Lockerungen befürworten könne.

Über Lockerungen der Beschränkungen in der Corona-Krise entscheiden die Bundesländer. Somit müssen sie auch prüfen, ob Schwimm- und Spaßbäder wieder geöffnet werden können. Während NRW und Berlin die Schwimm- und Strandbäder noch vor Pfingsten öffnen, geht in Bayern laut Ministerpräsident Söder vor Juni "nichts". Dennoch geben die sinkenden Infektionszahlen auch im Freistaat Anlass zur Hoffnung: Maßgeblich sind derzeit die Zahlen der Fälle pro 100 000 Einwohner in den Landkreisen innerhalb der vergangenen Woche. Eine Handvoll bayerischer Landkreise ist bereits bei null, Erding ist wie viele andere mit weniger als fünf auf einem guten Weg.

Allerdings lässt sich die größte Therme der Welt nicht mit einem kleinstädtischen Freibad vergleichen; angefangen von den Besucherzahlen bis hin zum Einzugsgebiet. Daher hat Marcus Maier, Prokurist der Therme, ein Konzept erstellt, wie man es sich vorstellen könnte, unter Auflagen zu öffnen. Grundsätzlich bestehe in Badebetrieben kein erhöhtes Risiko, weil das gechlorte Wasser das Virus abtötet, schreibt Maier mit Verweis auf eine Stellungnahme des Umweltbundesamtes. Hinzu komme auch, dass das Virus von höheren Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit geschwächt werde. Auch dabei kann sich Maier auf Fachleute berufen.

Außerdem hat die Therme einen Hygiene- und Desinfektionsplan mit mehr als 100 Seiten erstellt. Er zielt auf gute Schutzausrüstung, verschärfte Desinfektionsmaßnahmen und darauf, die Besucherzahlen zu begrenzen und zu lenken. Die Therme habe bereits 1000 waschbare Masken für ihre Mitarbeiter gekauft, die Kassen seien mit Spuckschutz ausgestattet, es gebe Abstandsmarkierungen am Boden, Desinfektionsmittelspender und Sicherheitshinweise. Die Mitarbeiter würden geschult und man baue ein Online-Ticketsytem auf. Damit könne man vorab Tickets für einen festgelegten Tag erwerben. Diese Tickets seien personalisiert, jeder Gast sei damit registriert und man könne damit die Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Sars-CoV-2-Infizierten gewährleisten.

Zudem werde auch auf ältere Menschen Rücksicht genommen, die als besonders gefährdet gelten: Den über 60-Jährigen ist die Therme in der Zeit von 9 bis 14 Uhr vorbehalten.

Therme

In der Therme laufen derzeit Wartungsarbeiten, wie hier im Galaxy. Aber man will sobald wie möglich wieder öffen.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Geschäftsführer weist außerdem darauf hin, dass die Therme über eine enorme Fläche verfüge, innerhalb der sich die Gäste gut verteilen könnten. Die Therme plane im Schnitt 20 Quadratmeter pro Gast ein; in Österreich seien es nur zehn Quadratmeter. Das Wellenbad könnte somit 500 Gäste aufnehmen, die Therme 400, die Sauna 670, das Galaxy 680 und die Vital-Oase 180; zusammen ergebe das im Innenbereich 2430 Besucher. Bei schönem Wetter stünden mitsamt den Außenflächen weitere 50 000 Quadratmeter zur Verfügung. Damit könnte die Kapazität der Gäste um 2500 angehoben werden.

Maier sagte der SZ, Ministerpräsident Söder habe dafür geworben, dass der Tourismus heuer in Bayern stattfinden solle. Dazu zähle jedoch auch die Therme als Bayerns größter Tourismusmagnet. Am 30. Mai würden die Thermen in Österreich öffnen, am 15. Juni sollen auch die Grenzen nach Österreich wieder offen sein. Es wäre daher paradox, sagte der Thermen-Geschäftsführer, wenn eine Familie aus Erding am 15. Juni nach Österreich fahren könnte, um dort eine Therme zu besuchen, aber die Therme Erding sei dann immer noch geschlossen.

© SZ vom 19.05.2020/kafe

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