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Corona im Landkreis Erding:Gefragte Notbetreuung

Mini-Gruppe statt Maske: Wie mehr Notbetreuung in Kitas gelingt

Die Kindergärten füllen sich wieder, denn die Eltern nehmen die Notbetreuung rege in Anspruch.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Viele Kitas sind jetzt voller als im ersten Lockdown, manche Gruppen sind sogar zur Hälfte belegt. Aber auch wenn Eltern ihre Kinder zuhause betreuen, müssen sie in vielen Einrichtungen erst einmal weiterhin Gebühren bezahlen

Von Regina Bluhme, Erding

Der Lockdown läuft, die Kinderbetreuungseinrichtungen sind geschlossen, nicht wenige Familien kommen an ihre Grenzen. In den Kitas gibt es eine Notbetreuung, und die sieht in vielen Einrichtungen im Moment so aus, dass manche Gruppen bis zu fünfzig Prozent belegt sind. Tendenz steigend.

Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat in Erding mehrere Einrichtungen. Nach Angaben von Sandra Liebold, Fachbereichsleitung Kinder und Jugendliche, sind manche der Notgruppen bis zu 50 Prozent besetzt. "Wir rechnen mit einer weiter steigenden Auslastung." Sabine Materna vom Katholischen Kita-Verbund Erding, zu dem fünf Einrichtungen in der Großen Kreisstadt gehören, informiert, es gebe "Einrichtungen mit sechs bis 15 Kindern in der Notbetreuung, aber die Anzahl der Notbetreuungen steigen bis zu fünfzig Prozent".

Auch bei den Einrichtungen der Kinderland Plus GmbH sind mehr Kinder in der Notbetreuung als im ersten Lockdown im Frühjahr zu verzeichnen. Laut Geschäftsführerin Gabriela Kemether werden von den insgesamt 459 Buben und Mädchen der Kinderlandeinrichtungen im Landkreis Erding 125 Kinder betreut, das sind gut 27 Prozent. Im Frühjahr 2020 waren es 76 Kinder, das waren 16,5 Prozent. In den insgesamt neun Kitas der Stadt Dorfen wurden im ersten Lockdown im Frühjahr in den größeren Kinderbetreuungseinrichtungen "zwei bis drei Kinder notbetreut, in den kleineren wurde die Notbetreuung nicht in Anspruch genommen", schreibt Gudrun Gersbach, Pressesprecherin der Stadt Dorfen. Aktuell befinden sich 126 Kinder in der Notbetreuung.

Im ersten strengen Lockdown im Frühjahr 2020 gab es strenge Vorgaben für Eltern, die eine Notbetreuung für ihre Kinder anmeldeten. Wer in einem systemrelevanten Beruf arbeitete, musste einen Beschäftigungsnachweis vom Arbeitgeber vorlegen, zum Teil mit Stundenangabe, so Sandra Liebold. Dann kam der Sommer und dann der Lockdown light. Jetzt tragen die Eltern auf einem Formular die benötige Betreuungszeit ein und bestätigen per Unterschrift, dass sie dringend auf die Notbetreuung angewiesen sind.

"Sollte der Lockdown länger andauern, könnte ich mir schon vorstellen, dass noch mehr Eltern ihr Kind wieder in die Notbetreuung geben, denn auch die Zeiten der Eltern, ihre Kinder zuhause zu betreuen, ist nicht unendlich, wenn sie einer beruflichen Tätigkeit nachgehen müssen, schreibt Gabriela Kemether. "Was die Eltern gerade leisten müssen, ist irre", bestätigt auch Sandra Liebold. "Auch unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Kindern kommen hier an ihre Grenzen", fügt Gabriela Kemether hinzu. Aktuell könnten sie noch Überstunden und Resturlaubstage abbauen, nutzten aber auch das Kinderkrankengeld, das die Bundesregierung mit der Verlängerung des Lockdowns noch einmal verdoppelt habe und auch für die Betreuung der Kinder zuhause Gültigkeit habe. "Ansonsten bieten wir auch, wann und wo immer es möglich ist, Homeoffice an", so Kemether.

In den Einrichtungen der Städte Dorfen und Erding und auch des Katholischen Kita-Verbunds müssen Eltern, die ihr Kind zuhause betreuen, bis auf Weiteres weiter Gebühren zahlen. Der Betrieb laufe ja weiter, das bedeute, "dass auch die Personalkosten und Sachkosten gegeben sind", schreibt Sabine Materna. Die Stadt Dorfen verweist darauf, dass im Frühjahr 2020 die Kommunen einen Beitragsersatz vom Freistaat Bayern erhalten hätten. Die Stadt Dorfen habe darüber hinaus die gezahlten Beiträge "sehr großzügig zurückerstattet, so dass nur die Betreuung, die tatsächlich Anspruch genommen wurde, auch bezahlt werden musste". Derzeit könne die Stadtverwaltung aber keine Aussage über die Rückerstattung von Gebühren machen: Als Voraussetzung müsse bekannt sein, von welchem Zeitraum gesprochen werde und ob zum Beispiel der Freistaat sich mit einem Beitragssatz beteilige, wie es im Frühjahr der Fall war. "Dies ist derzeit noch nicht klar", so Gersbach.

Bei der Kinderland GmbH ist zu erfahren, dass Eltern, die ihre Kinder zuhause betreuen, im gesamten Zeitraum des Lockdown keine Elternbeiträge entrichten müssten, beziehungsweise würden sie diese zurückerstattet bekommen, wenn sie für Januar bereits abgebucht worden seien.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will nun bereits diese Woche und nicht erst wie geplant am 25. Januar mit den Bundesländern über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Sandra Diebold geht davon aus, dass bei den Vorgaben "nachjustiert wird". Sie macht sich Sorgen um die Kinder. Ihnen fehle der soziale Kontakt zu Gleichaltrigen und somit ein wichtiger Baustein für ihre soziale Entwicklung. "Die Kinder fallen jetzt hinten runter. Das ist wirklich schlimm."

© SZ vom 18.01.2021
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