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Corona im Landkreis Erding:Der große Run auf den Impfstoff

Das BRK erhält jeden Tag rund 1500 Anrufe. Am Dienstag kamen 195 Ampullen des Mittels gegen das Sars-CoV-2-Virus an. Und diese müssen mit Ebersberg geteilt werden. Die Sieben-Tage-Kennzahl liegt bei 128,8

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Mit der Lieferung von 195 Ampullen des Impfstoffes der Firma Biontech/Pfizer gegen das Sars-CoV-2-Virus am Dienstag, ist auch im Landkreis Erding der endgültige Startschuss gegen die Corona-Pandemie gefallen. Allerdings musste man die Hälfte nach Ebersberg abgeben und 15 Ampullen ans Klinikum Erding, um dort "systemrelevante Mitarbeiter" zu impfen. Jetzt kann das Impfzentrum am Lodererplatz voll in Betrieb gehen: 200 Impfungen in der Sporthalle sowie 80 weitere durch das mobile Impfteam in Pflegeheimen sollen pro Tag durchgeführt werden - mit einer Ampulle können fünf Impfungen erfolgen. Der erste mobile Einsatz ist am Mittwoch im Marienstift in Dorfen geplant. Das Interesse an einer Impfung ist groß: bis Dienstagnachmittag haben mehr als 10 000 Personen beim BRK für einen Termin angerufen, beziehungsweise eine E-Mail geschickt, wie Gisela van der Heijden, die BRK-Kreisgeschäftsführerin, mitteilt.

Der Impfstart hat derzeit noch keine Auswirkungen auf das Corona-Geschehen im Landkreis. Dafür ist die Zeit zu kurz und sind zu wenig Personen geimpft. Zwar sank die Sieben-Tage-Kennzahl von Montag (178,0) auf 128,8 am Dienstag, wie Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, Pressesprecherin am Landratsamt, mitteilt, es sind aber 43 neue Fällehinzugekommen. Die Zahl der bestätigten Fälle nimmt damit von 4102 auf 4145 zu. Die Zahl der Genesenen steigt von 3472 um 38 auf 3510 Personen. "Bedauerlicherweise sind in der vergangenen Woche fünf weitere Personen aus dem Landkreis verstorben, die Zahl der Todesfälle steigt damit auf 38", teilt Fiebrandt-Kirmeyer mit. Wie am Montag gelten am Dienstag 597 Personen als infiziert. Im Klinikum Erding werden derzeit 21 Covid-19-Patienten behandelt, fünf davon auf der Intensivstation. Zwei von ihnen müssen beatmet werden. An der Screeningstelle in Erding wurden Montag insgesamt 309 Personen getestet. Die Gesamtzahl steigt damit auf 31 568 Corona-Tests.

Stark begehrt und derzeit noch ein rares Gut: Die Ampullen des Impfstoffes der Firma Biontech/Pfizer gegen das Sars-CoV-2-Virus lagern im Kühlschrank, wie Impfzentrumleiter Christian König zeigt.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz spricht aufgrund der sinkenden Fallzahlen und der sich etwas entspannenden Lage im Klinikum Erding derzeit von "einer überschaubaren Situation". Dennoch könne, insbesondere aufgrund der derzeit hohen Todeszahlen, weiterhin keine Entwarnung gegeben werden. In den nächsten Tagen wird nun Personal geimpft, das auf den Covid-19-Stationen arbeitet, sowie Ärzte, die mit Patienten zu tun haben, deren Immunsystem zum Beispiel bei Chemotherapien unterdrückt ist.

Die Logistik hinter der Impfaktion ist immens. Am Sonntag hatten noch Mitarbeiter des THW den bei 70 Grad minus gefrorenen Impfstoff von einem Verteilzentrum abgeholt, seit Dienstag liefert eine Spezialfirma die Ampullen. In Erding werden sie dann in einem Medikamenten-Kühlschrank bis zur Verabreichung der Injektion gelagert. Vier Tage lange ist der Impfstoff dort haltbar. "In den nächsten Tagen erhalten wir einen speziellen Kühlschrank, der bis minus 86 Grad runter kühlt, was die Haltbarkeit des Impfstoffes auf zwölf Tage erhöht", sagt Gisela van der Heijden. Am Donnerstag erwartet das BRK Erding erneut 195 Ampullen. Diese müssen aber wieder mit Ebersberg geteilt werden. Vor der Verabreichung wird der Impfstoff mit Kochsalzlösung verdünnt. Mehrere Mitarbeiter sind von Montag bis Freitag vor Ort: zwei Medizinische Fachangestellte, Projektleiter Christian König, der ärztliche Leiter Dr. Jörg Jakob, fünf Verwaltungskräfte, Mitarbeiter einer Securityfirma und je Schicht ein Arzt.

Bei der Anmeldung in der kleinen Sporthalle der Grundschule wird streng auf die Einhaltung der Hygieneregeln geachtet.

(Foto: Renate Schmidt)

Die etwas längere Vorlaufzeit bei den Heimen ist laut der BRK-Kreisgeschäftsführerin damit zu erklären, dass man die Pflegeheime alle angeschrieben habe, damit die Senioren und Seniorinnen auf die Impfungen inhaltlich vorbereitet werden können. Zudem mussten Einverständniserklärungen bereits im Vorfeld erstellt werden und bei den Senioren, die gesetzlich betreut werden, auch die Zustimmung des gesetzlichen Betreuer eingeholt werden, erläutert van der Heijden. Beim Einsatz in den Heimen werde das mobile Impfteam von der Polizei begleitet.

Um den Andrang zu bewältigen, hatte das BRK zwei weitere Verwaltungskräfte eingestellt. Somit sind dann ab Jahreswechsel bis zu vier Telefone gleichzeitig besetzt. "Vom 22. Dezember bis Dienstag sind mehr als 1000 E-Mails eingegangen. Am 22. Dezember wurden wir mit fast 5000 Anrufen überrannt, hinzu kommen täglich 1500 neue Anrufe", sagt die BRK-Kreisgeschäftsführerin. Bis zum 16. Januar sind nach der Pressesprecherin des Landratsamtes alle Impftermine vergeben. "Die Termine werden im Fünf-Minutentakt vergeben. Ausschließlich bis dahin an Impfende der Gruppe 1 nach den Empfehlungen der Ständige Impfkommission."

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Die Hotline im Impfzentrum in der kleinen Turnhalle am Lodererplatz in Erding.

(Foto: Renate Schmidt)

Für die Geschichtsschreibung hatte van der Heijden am Sonntag, am ersten Impftag, noch eine wichtige Aufgabe. Sie sicherte die leere erste Impfstoff-Ampulle fürs Museum Erding.

Die Termin-Software, die bayernweit für die Impfzentren zur Verfügung gestellt wird, kann in Erding aber erst ab Mitte Januar komplett eingesetzt werden. Das BRK nimmt dennoch bereits Termine an, derzeit noch telefonisch (081 22/553 79 40) und per E-Mail (impftermin@kverding.brk.de) in der Zeit von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr. Weitere Informationen zum Ablauf und den benötigten Dokumenten sind auch im Internet unter www.brk-erding.de/impfzentrum zu finden.

© SZ vom 30.12.2020
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