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Click-and-Collect in Erding:Ein Tropfen auf den heißen Stein

Anrufen oder Anklicken und dann Abholen: Das System ist in Erding ganz gut angelaufen. Doch einen wirklichen Ausgleich zu den Umsatzeinbußen im Corona-Lockdown bringt es dem Einzelhandel nicht. Die Geschäftswelt sieht weiterhin ihre Existenz gefährdet

Von Eva Sager, Erding

Click und Collect funktioniert (hier im Gewandhaus Gruber), nur der Umsatz ist gering.

(Foto: Renate Schmidt)

Wer in Erdings Geschäften Schuhe, Pullover oder Bücher kaufen möchte, der muss per Laptop oder Telefon auf Shopping-Tour gehen. "Click-and-Collect" oder "Call-and-Collect" heißt es seit dem 11. Januar für den Einzelhandel. Der Abholservice soll während des Lockdowns als Alternative zum herkömmlichen Einkaufen dienen. Im Landkreis Erding wird diese Möglichkeit von vielen Unternehmen bereits gut genutzt. Ersetzen kann sie das herkömmliche Geschäft aber nicht.

Wer bei Schuh-Mode Gerlspeck einkaufen möchte, macht das via Telefon. "Auf der Website, im Schaufenster und auf Instagram oder Facebook kann man sich die Ware ansehen. Dann rufen die meisten in der Regel an. Abholen können sie die Schuhe dann bei uns im Geschäft oder wir stellen sie zu", sagt Inhaber Rainer Gerlspeck. Im Schuhladen sind er und seine Frau derzeit alleine. Die Resonanz der Kundinnen und Kunden auf das Angebot sei sehr positiv. Einen wirklichen wirtschaftlichen Ausgleich schaffe die neue Regelung aber nicht. "Es ist ein wenig Bewegung da und es werden immer wieder Schuhe verkauft. Für uns ist es wichtig, dass wir den Kontakt zum Kunden nicht verlieren. Aber es sind keine Umsätze, mit denen man irgendetwas ausgleichen oder irgendwelche Kosten bezahlen könnte", meint Gerlspeck.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch beim Gewandhaus Hugo Gruber ab. Click-and-Collect läuft hier vor allem über die dekorierten Schaufenster und Social Media. "Es wird angenommen, ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Kunden möchten anfassen, probieren und beraten werden und das ist natürlich nicht möglich. Wir dürfen rein die Ware ausgeben und keinerlei Service sonst anbieten", so Tanja Sedlmaier vom Gewandhaus.

Auch beim Modehaus Kraus am Eck verlässt man sich in Zeiten der Pandemie auf die Auslage. "Wir zeigen die Ware jetzt massiv im Schaufenster. Außerdem rufen Kunden an und sagen, ich brauche noch einen warmen Pullover oder einen Rollkragenpulli für meine Tochter, dann stellen wir eine kleine Auswahl zusammen und die Kunden holen es dann ab, wahlweise liefern wir auch", sagt Geschäftsführer Wolfgang Kraus.

Kraus ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ardeo, einem Netzwerk von Einzelhändlern, Dienstleistern, Handwerkern und anderen Unternehmen in Erding. Er rede natürlich auch mit seinen Kollegen, erklärt Kraus. "Wir sind alle immer noch in einem Schockzustand und wie gelähmt. Wir dürfen unserer Arbeit nicht nachgehen und sehen unsere wirtschaftliche Existenz zunehmend gefährdet. Der eine mehr, der andere weniger." Aber er kenne niemanden, der die jetzige Situation besonders gelassen sieht. "Click-and-Collect ist ein kleines Ventil, aber eher ein Kommunikationsventil, um mit den loyalen Kunden in Kontakt zu bleiben", betont der Ardeo-Vorsitzende. Wirtschaftlich sei es von keiner Relevanz. "Wenn man mit Click-and-Collect oder den Dingen, die man momentan darf, auf zehn Prozent Umsatz von einem normalen Monat kommt, dann ist das schon sehr viel", erklärt Kraus.

Bei der Buchhandlung Leseglück kann man fortan über Telefon und E-Mail bestellen. "Es ist eine kleine Hilfe, aber es ist jedenfalls eine Hilfe. Es ist wichtig, dass wir das jetzt anbieten dürfen. Und die Reaktionen der Kunden sind sehr positiv. Viele bestellen jetzt auf diesem Weg. Quer durch die Bank. Alle Altersgruppen. Man merkt vielleicht, dass mehr Menschen Zeit haben, gerade zum Lesen", sagt Inhaberin Margit Inninger.

Auch das Caritas-Gebrauchtwarenkaufhaus Rentabel in Altenerding möchte in der Zukunft auf Click-and-Collect setzen und steckt derzeit in den Vorbereitungen dafür. Das Verkaufsfenster ist schon ausgewählt. Außerdem möchte man mit Sozialen Medien wie Facebook arbeiten. "Für uns ist es gut, wenn es weiterläuft und wir hoffen, dass sich die Kunden auch dran erfreuen, wenn sie wieder bei uns einkaufen können", sagt Kerstin Settke.

© SZ vom 20.01.2021
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