Circus Feraro Die Manege wird kleiner

Seit Freitag gastiert das Familienunternehmen in Erding, im Vorfeld wurden Plakate zerstört. Die Zirkusfamilie sagt, ihre Tiere hätten "höchste Priorität" - und denkt nicht ans Aufhören

Von Katharina Kausche, Erding

In mehr als 32 Jahren als Zirkusdirektor im "Circus Feraro" habe er nur einmal ans Aufhören gedacht, sagt Hermann Schmidt-Feraro. Nach zerschnittenen Autoreifen, zerstörten Plakaten und Handzetteln mit der Aufschrift "Tierquäler", die Tierschützer verteilten, habe sich der Zirkusdirektor "einfach hilflos" gefühlt. Am Donnerstag wurden auch in Erding einige ihrer Plakate zerstört. Das geht bei der Zirkusfamilie an die Substanz. Aber ans Aufhören denkt sie nicht. "Wir geben nicht auf, wir machen weiter."

Seit Dienstag sind die Feraros in Erding, am Mittwoch haben sie ihr Zelt am Festplatz hinter der Eissporthalle aufgebaut. Durch die viele Routine schaffen sie das an einem einzigen Tag. Am Freitagabend war die erste Show. Das Motto: "The show must go on."

(Foto: Stephan Görlich)

Die Feraros haben etwas zu verlieren: ihr gemeinsames Leben. Schon in der siebten Generation reist die Großfamilie vor allem durch Süddeutschland. In Wohnwagen wie dem, in dem sich die Familie nun versammelt hat. Mit einem modernen Kamin und Ofenrohr, mit Porzellanengeln an den Wänden, Einbauküche, kleiner Sofalandschaft. Wie aus einem Wohnkatalog, wenn auch eine ältere Auflage. Die zehn Kinder von Herrmann Schmidt-Feraro, zwischen 36 und 11 Jahre alt, kennen nur das Leben im Zirkus. Schon als Kleinkinder waren sie Teil der Zirkusshow. Mit Onkeln, Tanten, Kind und Kegel bilden die Feraros eine insgesamt 26-köpfige Truppe.

Zum Zirkus gehören Ziegen.

(Foto: Stephan Görlich)

"Natürlich ist Zirkus über die Jahre schwerer geworden", sagt der Direktor. Die Besucherzahlen sinken, Gemeinden wollen oft keine Zirkusse mit Tieren, wegen der zu erwartenden Proteste. Auch die Feraros haben Tiere: neben Tauben, Ponys, Pferden und Hunden auch fünf Pythons und Boas. Gerade die Haltung von Wildtieren wird von Tierschutzorganisationen aber kritisiert. Da kann Schmidt-Feraro noch so sehr beteuern, die Tiere hätten "höchste Priorität" und würden immer gut versorgt. "Oft bekommen wir gar keine Plätze mehr oder die Miete ist wahnsinnig hoch". Anders sieht das in Erding aus. "Seit 20 Jahren bekommen wir hier immer einen Fleck." Solange dort nicht gebaut wird, dürfen die Feraros auf den Geislinger Ängern hinter der Eissporthalle gastieren und in Marzling ihr Winterquartier aufschlagen. Mit dem Platz auf den Geislinger Ängern wird es im nächsten Jahr vermutlich vorbei sein. Dann wird dort eine Sporthalle gebaut.

Will das Zirkusleben nicht an den Nagel hängen: Hermann Feraro-Schmidt (Mitte), mit seinen beiden Söhnen Miguel (links) und Robert.

(Foto: Stephan Goerlich)

Robert Feraro ist einer der Söhne von Hermann Schmidt-Feraro. Er stand mit zweieinhalb Jahren das erste Mal in der Manege, konnte kaum sprechen und hatte schon Schminke im Gesicht. Ein süßer kleiner Clown. So was zieht. Über die Jahre kamen dann noch Feuerspucken, Tierdressur und Balancenummern dazu. Heute ist Robert 29 Jahre alt. Jede Woche eine andere Stadt, eine andere Schule, das war seine Kindheit. "Man kennt es halt nicht anders", sagt Robert. "Dadurch habe ich viele Freunde in verschiedenen Städten."

In einem Ordner sammeln die Feraros von Schule zu Schule die Noten der Kinder. Am Ende des Schuljahres schicken sie die Mappe dann an die Stammschule nach Mindelheim. Dort hat die Familie einen angemeldeten Wohnsitz. So haben bisher acht der Feraro-Kinder ihren Hauptschulabschluss gemacht. Zwei von ihnen sind noch schulpflichtig. Miguel, 14, und Angelina, 11 Jahre alt, gehen für eine Woche in die Erdinger Mittelschule. "Es ist spannend, immer wieder etwas Neues zu sehen", sagt Miguel. Er tritt ebenfalls als Clown auf, ist Lassodreher und hinter dem Vorhang Schlagzeuger. Seine kleine Schwester Angelina wird von ihrer Tante zur Schlangentänzerin ausgebildet.

In Erding bricht für die Feraros die vielleicht letzte Spielsaison an. Die Familie hofft, dass vielleicht doch noch "ein Stückchen Wiese" für sie übrig bleibt.