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Cineplex Erding:Verknapptes Angebot

Auf keinen Fall will Veronika Fläxl das Cineplex in Erding wieder schließen. Nun gibt es erst einmal nur Vorstellungen am Wochenende.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Kino öffnet derzeit nur am Wochenende. "Wir wollen durchhalten", sagt Veronika Fläxl

Von Antonia Steiger, Erding

James Bond liegt weiter in der Schublade. Mehrfach wurde der Start des neuesten 007-Films "Keine Zeit zu sterben" verschoben, weil Corona einen lukrative Vermarktung unmöglich gemacht hatte. Als neuer Termin gilt im Moment der November 2020. Dass Verleiher ihre fertigen Produkte nicht auf den Markt werfen, hat Auswirkungen auf jedes Kino auf der ganzen Welt, auch auf das Cineplex in Erding, das mit den Kinos in Neufahrn und Vilsbiburg von Geschäftsführerin Veronika Fläxl geleitet wird. Nach einem mühseligen Start am 18. Juni fährt die Kinobetreiberin ihr Angebot jetzt jedoch schon wieder zurück: Fortan werden die Cineplex-Kinos in Erding, Neufahrn und Vilsbiburg nur noch am Wochenende geöffnet sein. Schon die Schließung sei teuer gewesen, sagte Fläxl. "Die Wiedereröffnung war aber noch teurer." Jetzt wird das Angebot reduziert mit einem klaren Ziel: "Wir wollen noch da sein, wenn es wieder richtig losgeht."

Die Mechanismen leuchten ein: Die ganz großen amerikanischen Blockbuster werden nicht gestartet, weil das Publikum fehlt. In den USA habe man noch viel stärker mit dem Virus zu kämpfen sagt Fläxl. Viele Kinos seien noch immer geschlossen, uns es fehle an einer klaren Strategie, wie die Branche und die gesamte Wirtschaft wieder zur Normalität zurückfinden solle. Auch in Deutschland war der Re-Start nicht einfach, sagte Fläxl, weil es keine klaren Vorgaben gab. Jedes Bundesland habe es anders gemacht, weswegen auch Verleiher von deutschen Produktionen sich schwer getan hätten, einen Film herauszubringen. In Deutschland seien die Bedingungen für einen Kinobesuch nun einigermaßen harmonisiert, davon sei Amerika aber noch weit entfernt. Und ohne die Produkte vom amerikanischen Markt läuft auch in Europa das Kinogeschäft nicht: Auf einen Anteil zwischen 60 und 75 Prozent schätzt Fläxl den Anteil amerikanischer Produktionen am Programm der drei Fläxl-Kinos. Etwa ein Viertel sind deutsche Produktionen, der Rest kommt vor allem aus anderen europäischen Ländern.

Dass die Menschen ihr Freizeitverhalten den veränderten Bedingungen angepasst haben, hat man auch im Kino gemerkt: In der zweiten Woche seien von Montag bis Mittwoch in keinem ihrer drei Häuser auch nur ein Gast gesehen worden. sagt Fläxl. Was aber auch nicht so fernab ist von Erfahrungen aus anderen Sommern: An einem warmen Montag im Juli seien auch früher schon Vorstellungen ausgefallen, weil keiner gekommen sei.

Jetzt aber sagt Fläxl: "Wir können uns das nicht leisten, unter diesen Umständen jeden Tag einen Spielbetrieb aufrecht zu erhalten." Sie wolle unbedingt vermeiden, die Kinos wieder zumachen zu müssen, wie es andere Betreiber schon machen mussten. Im Moment sehe es so aus, "dass wenn wir noch viele Wochen so durchhalten müssen", sagt Fläxl. Zwar gehe sie davon aus, dass kleinere europäischen Produktionen in den kommenden Wochen auf den Markt kämen, aber sicher sei da auch noch nicht.

Das Geld reicht vorläufig noch. "Wir haben gut gespart."Auch die Banken helfen mit Krediten. "Aber das reicht hinten uns vorne nicht." Ihr Ziel sei es durchzuhalten, bis es wieder richtig losgeht. Bis dahin bleiben die etwa vierzig sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kurzarbeit. Die bis zu 120 Frauen und Männer, die im Minijobs, als Aushilfen und als Studenten das Kino am Laufen halten, bekommen etwas Geld, wie Fläxl sagt. Und sie hofft, dass sie dann wieder da sind, wenn das Kino wieder hochfährt.

© SZ vom 15.07.2020

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