Christkindlmarkt Vor den Kopf gestoßen

Die Stadt Erding organisiert die Veranstaltung künftig selbst. Aber sie bindet Fieranten, Gastronomen und Beschicker nicht ein. Das sorgt für Dissonanzen

Von Antonia Steiger, Erding

Der Erdinger Christkindlmarkt bekommt ein anderes Gesicht, und das wird nicht allen gefallen. Eiszeit und Hütten werden neu arrangiert auf dem Kleinen und auf dem Schrannenplatz, doch daran stört man sich nicht so sehr. Erdinger Gastronomen und Beschicker des Christkindlmarktes sind vielmehr konsterniert darüber, dass mit ihnen keiner geredet hatte, bevor der Volksfestausschuss das Konzept am Donnerstag abgesegnet hat. Sie hätten OB Max Gotz (CSU) in einem Punkt umzustimmen versucht: dass auf dem Christkindlmarkt nur noch städtische Hütten zugelassen sind. Denn das irritiert die Gastronomen gewaltig. Er fange nun wieder bei Null an, sagt Konditormeister und Cafébesitzer Christoph Krönauer. Er hat seine Hütte vor drei Jahren gekauft und viel investiert, um sie seinen Bedürfnissen anzupassen.

So nicht: Die Eisbahn auf dem Schrannenplatz ist Vergangenheit. Künftig soll es eine Kunsteisbahn auf dem Kleinen Platz geben. Eine Neuerung von vielen, aber eine, an der sich die Betroffenen nicht stören.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Schrannenplatz wird künftig eine Area für Essen, Trinken, ein bisschen einkaufen und ein bisschen Kultur sein. Die Eisfläche wandert auf den Kleinen Platz direkt vor dem Kriegerdenkmal. Es wird eine Kunsteisbahn, sie wird kleiner als die bisherige Natureisbahn sein, und sie wird von der Stadt Erding gekauft. Die riesigen Kühlaggregate sind dann überflüssig, und es gibt wieder einen freien Blick auf den Schrannenplatz, was vor allem die dortigen Gastronomen freuen wird. Doch die künftige Anordnung von Eisfläche und Hütten war gar nicht Gegenstand des Beschlusses. Vielmehr hat der vierköpfige Ausschuss beschlossen, dass der Markt am Tag vor dem Heiligen Abend endet, dass die Stadt künftig Ausrichter ist und deswegen nun die Ausschreibungen vorbereitet, dass die Stadt die Eisfläche kauft - und dass wegen eines einheitlichen Erscheinungsbildes grundsätzlich städtische Hütten zu verwenden sind. Gotz sagte noch dazu, dass man sehen müsse, was für zusätzliche Möglichkeiten es gebe und dass man einen Ausgleich finden wolle. Wie der aussehen könnte, ist unklar.

Christoph Krönauer

"Warum holt man die Betroffenen, die das zum Teil seit Jahrzehnten machen, nicht an einen Tisch und fragt: Was sind eure Ideen?"

Gastronomen und Beschicker nicht nur aus Erding verfolgten die Sitzung des Volksfestausschusses und hätten es wohl gut geheißen, wenn Gotz auf den Vorschlag von Harry Seeholzer (Erding Jetzt) eingegangen wäre. Der hatte vorgeschlagen, wegen der Emotionalität des Themas den gesamten Stadtrat einzubinden. Auch andere Stadträte würden dazu sicher gerne etwas sagen. Gotz und CSU-Fraktionssprecher Jakob Mittermeier sahen das anders und vertraten die Auffassung, dass der Volksfestausschuss sehr wohl für den Christkindlmarkt zuständig sei, auch wenn es bisher wohl noch keinen einzigen Beschluss dieses Gremiums zum Christkindlmarkt gegeben hatte. Die CSU stimme nicht zu, sagte Mittermeier und sprach somit auch für CSU-Stadtrat Willi Vogl. Das vierte Ausschussmitglied ist Hans Fehlberger (FW), der den Christkindlmarkt gleich ganz in Frage stellen wollte. "Brauchen wir den überhaupt?", fragte er.

Er wies aber auch darauf hin, dass die Gefahr bestehe, dass sich zu wenig bewerben, wenn die städtischen Hütten vorgeschrieben werden.

Nach der Sitzung habe es ihm den Boden unter den Füßen weggezogen, sagte Krönauer am Freitag. Nicht nur halten er und andere den Beschluss zur verpflichtenden Verwendung stadteigener Hüttchen für falsch. Noch viel mehr bestürzt ihn, dass Gastronomen, die seit 30 oder 40 Jahren auf dem Christkindlmarkt vertreten sind, nicht einbezogen worden sind. Er fühle sich machtlos, sagte Krönauer. Keiner habe damit gerechnet, dass der Ausschuss einen endgültigen Beschluss fasse. Er betont, dass der Christkindlmarkt ein wichtiges wirtschaftliches Standbein sei. Unbestreitbar war Krönauers Hütte stets einer der Hotspots. Bis auf vergangenes Jahr: Weil sie die Ausschreibung verpasst hatten, waren einige Erdinger Gastronomen nicht auf dem Markt vertreten, was für viel Ärger gesorgt hatte. Und letztendlich wohl auch dafür, dass die Stadt die Organisation in die Hand genommen hatte. Er tue das nicht gerne, hatte Gotz mehrfach gesagt. Dies sei viel Arbeit für die Verwaltung. Das Ergebnis sei "eine Katastrophe", findet Krönauer.