Celonis-Gründer Bastian Nominacher Vom Bäckerbub zum Einhorn

Auf dem aufsteigenden Ast: Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk, die Gründer von Celonis.

(Foto: Privat)

Der Forsterner hat mit zwei Kommilitonen das Start-up gegründet. Seine Wurzeln hat er im väterlichen Betrieb

Von Julian Zieglmaier, Erding

Wer von Start-ups hört, die von Universitätsabsolventen gegründet werden, die Software zur Analyse von großen Datenmengen entwickeln, weltweit tätig sind und viel Geld von großen Investoren bekommen, denkt an ein sonniges Tal in der Nähe von San Francisco, ans Silicon Valley. Nur wenig gemein mit dem High Tech Standort in Kalifornien hat die Gemeinde Forstern. Hier reihen sich statt weltweit führenden Unternehmen wie Apple, Google und Facebook eine Apotheke, eine Sparkasse und eine Bäckerei aneinander. Und in dieser Bäckerei hat die Geschichte begonnen, auf die man auch im Silicon Valley stolz wäre. Die heutige Bäckerei Kreitmaier war bis zum vergangenen Jahr und für 125 Jahre die Bäckerei Nominacher. Der Sohn des Bäckermeisters Erwin Nominacher, Bastian Nominacher, hat 2011 mit zwei Kommilitonen das Software Start-up Celonis gegründet, das jetzt zu den seltenen Unicorns zählt, zu den Einhörnern: Sie werden mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet.

"Ich bin in Forstern zur Schule gegangen. Nach der mittleren Reife habe ich in Markt Schwaben eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann gemacht", erinnert sich Bastian Nominacher. Dort habe er viel gelernt, auch im kaufmännischen Bereich. Interesse an Informatik und am Programmieren habe er bereits während der Schulzeit gehabt, doch in der Ausbildung sei klar geworden, dass dieser Weg der passende ist. "Mein Abitur habe ich nachgemacht, um studieren zu können", so der 34-Jährige. Am Ende des Studiums in Großbritannien und an der Technischen Universität München stand ein Master in Wirtschaftsinformatik, Finanzmathematik und International Business.

An der TU war er in der studentischen Unternehmensberatung Academy Consult aktiv, er lernte Gründer kennen und gewann wichtige Einblicke. Mit seinen späteren Mitgründern Martin Klenk und Alexander Rinke bekam Nominacher im Rahmen der studentischen Unternehmensberatung die Möglichkeit, die Kundenbetreuung beim Bayerischen Rundfunk zu optimieren. "Wir hatten dabei das Gefühl, nicht wirklich bis zur Wurzel des Problems vordringen zu können", erinnert sich Nominacher. Es sei ihnen aber klar gewesen, dass die gesammelten Daten des BR eine wertvolle Ressource seien, "für die eine spezielle Analysesoftware nötig wird".

Bei ihren Recherchen stießen sie auf das an der Technischen Universität Eindhoven entwickelte Process Mining. Das Programm hat zum Ziel, alle in einem Unternehmen auftretenden Daten, egal ob zur Finanzplanung oder Kundenverwaltung, zusammenzufassen und zu analysieren. Daraus machten die drei Kommilitonen eine benutzerfreundliche Software mit guten Möglichkeiten zur Visualisierung, die den Grundstein des späteren Unternehmens bilden sollte. Von diesem Zeitpunkt an wurden sie weiterempfohlen, zum Beispiel an Siemens und Edeka.

"Wir haben unser Unternehmen aufgebaut, ohne Kredite oder anderes externes Kapital aufzunehmen", betont Nominacher. Das ist ungewöhnlich für Start-ups, die ihr schnelles Anfangswachstum meist durch geliehenes Geld finanzieren und oft zu Beginn rote Zahlen schreiben. Diese Bodenständigkeit sei ihm in seiner Kindheit vermittelt worden, sagt Nominacher. Auch der Bäcker muss ja morgens seine Semmeln und Brezen backen und sie tagsüber verkaufen. Das Geld, das er einnimmt, kann er wieder für Mehl und Butter ausgeben. Hat er mehr eingenommen als ausgegeben, kann er am nächsten Tag mehr Semmeln und Brezen backen und ein gesundes Unternehmen aufbauen.

"Durch meine Eltern habe ich gelernt, dass es immer am wichtigsten ist, dass die Kunden zufrieden sind. Und dass man es ohne harte Arbeit und eine gute Organisation nicht weit bringt." Diese Lehren befolge er noch heute. Sein Vater sitzt nach wie vor als dritter Bürgermeister im Gemeinderat von Forstern, den Bezug zur Heimat hat er also keineswegs verloren. "Das Klischee von Laptop und Lederhosen ist dann doch irgendwie richtig." In der Region um München finde man eine gute Mischung aus Traditionen und Technologie, Internationalität und dem Bewusstsein dafür, woher man komme. Und dazu die vielen internationale Unternehmen, der Flughafen und die Technische Universität, die Gründer unterstützt. "Als wir angefangen haben, konnten wir in einem Seminarraum loslegen. Heute arbeiten mehr als dreißig Start-ups im sehr modernen Entrepreneur Ship Center an der TU."

Das waren auch für Celonis ideale Voraussetzungen. Nach einem guten Beginn, konstant hohem Wachstum und schnell ansteigenden Mitarbeiterzahlen war der Schritt in die USA im Jahr 2016 richtig. Damals hatte Celonis 100 Mitarbeiter, heute mehr als 500 und Standorte in den USA, England und den Niederlanden. Sich auch in Asien zu etablieren, ist ein wichtiges Ziel, wie Nominacher sagt. Ein Ende des Wachstums sei noch nicht in Sicht, da der potenzielle Markt im Prinzip alle Unternehmen umfasse.

Im Juni verkündete Celonis den Einstieg von zwei amerikanischen Investoren, die den Wert des Unternehmens mit mehr als einer Milliarde Dollar bezifferten. Damit zählt das Unternehmen zu den Start-up Unicorns. Obwohl die drei schon einiges erreicht haben, ist sich Nominacher sicher: "Celonis steht noch am Anfang, wir sind immer noch in der Aufbauphase. Das Marktpotenzial ist riesig. Die Zukunft wird sicher herausfordernd und spannend."