Der Fliegerhorst Erding ist seit Jahren so gut wie abgewickelt. 2014 stieg der letzte Tornado in die Luft, aus der Konversionsfläche sollte ein neuer Stadtteil werden. Doch es kam anders. Dort, wo einst nahezu alle Luftfahrzeugtypen der Luftwaffe gewartet wurden, werden jetzt KI-gesteuerte Drohnen und unbemannte Transportsysteme für die Bundeswehr entwickelt. Am Montag hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in Erding offiziell das „Innovationszentrum Bundeswehr“ eingeweiht.
Das Innovationszentrum soll die Schnittstelle zwischen Start-ups, der zivilen Forschungs- und Industrielandschaft und der Bundeswehr bilden, betonte der Minister. Dabei spiele vor allem der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle: Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass die Entwicklungszyklen für moderne Systeme heute bei sechs Wochen lägen, so Pistorius. Schneller müsse es also gehen mit der Entwicklung, Erprobung und Fertigung von Militärtechnologie. Dafür soll das neue Zentrum sorgen, „abseits der klassischen Beschaffungswege“.
Themenschwerpunkte in Erding sind laut Bundeswehr KI, Drohnensysteme, autonome Logistik und sogenannte „resiliente Kommunikation“. In Erding werde ein „Innovations-Ökosystem“ entstehen, in dem sämtliche Symbiosen genutzt werden sollen, so Pistorius. Ein nationales und internationales Netzwerk solle entstehen. Von den Erfahrungen der ukrainischen Streitkräfte, die sich bald im vierten Kriegsjahr befinden, könne die Truppe vor allem im Bereich Drohnen profitieren.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte beim Termin am Montag, mit der jahrelangen Mangelverwaltung der Bundeswehr sei es jetzt vorbei. Nun gelte es, die Einsatzfähigkeit der Truppe mit so viel Abschreckungspotenzial zu versorgen, „dass wir sie nie zum Einsatz bringen müssen“. Söder betonte die Bedeutung der künftigen engen Zusammenarbeit von Hochschulen und Bundeswehr, alle Forschungsressourcen würden benötigt. Zudem plädierte er für einen Bürokratieabbau für die Bereiche Verteidigung oder Raumfahrt.


Die bayerische Landesregierung unterstützt das Innovationszentrum Bundeswehr mit einer eigenen Initiative am Fliegerhorst. Ein Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum der bayerischen Polizei wird dort eingerichtet – in enger Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, Sicherheitsbehörden und bayerischen Unternehmen. Erst im Oktober vergangenen Jahres hatten Sichtungen von unbekannten Drohnen über dem Flughafen München und auch über dem Fliegerhorst Erding für Aufregung gesorgt.
Ganz verschwunden war das Militär in Erding auch nach der Entwidmung nie. 2022 wurde am Fliegerhorstgelände das Innovationslabor „System Soldat“ in Erding aufgebaut und eröffnet. Das Innovationszentrum, oder laut Bundeswehr kurz: InnoZBw, geht nun daraus hervor und nutzt die direkte Anbindung an das dort bereits befindliche Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe, ein Forschungsinstitut des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, zu dessen Geschäftsbereich auch das Innovationszentrum gehört.


Über 20 Firmen, Unternehmen und Institutionen im Bereich Verteidigung präsentierten am Montag, was so alles an Technologie bereits möglich ist, entweder im Forschungsstadium oder auch schon im Einsatz in der Ukraine. Pistorius und Söder informierten sich unter anderen an Ständen von Airbus, Rheinmetall, zahlreichen Start-ups, der bayerischen Polizei oder der Universität der Bundeswehr München. Das Spektrum der Einsätze ist groß. Es reicht von verschiedenen Möglichkeiten der Aufklärung über Kampfdrohnen bis hin zur Drohnenabwehr. Zugleich gibt es Firmen, die sich auf autonome Fahrzeuge für den Transport von Drohnen oder die Vernetzung unbemannter Systeme spezialisiert haben. Während des Rundgangs wurde ein sehr realistisch gestalteter Drohnenangriff auf einen Panzer simuliert.
Leiter des neuen Innovationszentrums ist Flottillenadmiral Christian Bock, zuletzt im Bundesverteidigungsminiserum als Unterabteilungsleiter für den Bereich Strategische Führung und Einsatzbereitschaft Streitkräfte tätig. Laut Bundeswehr soll das Zentrum auf circa 250 bis 350 Dienstposten anwachsen. Bock beschrieb das Innovationszentrum am Montag als Radnabe, an der alle Speichen zusammenlaufen. Eine Speiche führt auch ins Cyber Innovation Hub der Bundeswehr Berlin.

