Bundestagswahl in Erding: Ein Rückblick:Wie immer und doch ganz anders

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Die CSU ist Sieger und Verlierer zugleich. Die Christsozialen sind zwar die stärkste Partei und ihr Direktkandidat Andreas Lenz wird ungefährdet wiedergewählt. Doch die Verluste bei den Zweitstimmen sind massiv

Von Florian Tempel

Hätten die Wähler in ganz Deutschland so gewählt wie die Wähler in Erding, wäre jetzt wohl Armin Laschet Bundeskanzler. Für die rot-grün-gelbe Ampel hätte es jedenfalls nicht gereicht. Die neuen Regierungsparteien kamen am 26. September auf Landkreisebene zusammen nur auf 38,3 Prozent und waren somit weit entfernt von einer Mehrheit. Wäre der Landkreis Erding in Deutschland maßgeblich und entscheidend, wäre eine etwas andere Dreierkoalition oben auf: die Union mit den Freien Wähler und der FDP. Dieses Trio brachte es im Landkreis gemeinsam auf 55,9 Prozent.

Aus bundesdeutscher Sicht mag der Landkreis Erding als sonderbare Gegend erscheinen. Aber man kann es ja auch andersherum sehen.

In der Grobbetrachtung ist hier vieles beim Alten geblieben. Nummer eins in der Wählergunst war wie eh und je die CSU, die in allen 26 Kommunen mit Abstand die stärkste Partei wurde. Der direkt gewählte alte und neue Bundestagsabgeordnete heißt deshalb natürlich Andreas Lenz. Er war in allen 26 Kommunen glasklarer Sieger vor seinen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern, die wie er fast alle aus dem Landkreis Ebersberg kommen, mit dem der Landkreis Erding den gemeinsamen Bundestagswahlkreis 213 bildet. Magdalena Wagner von der SPD sicherte sich Platz zwei mit weniger als einem Drittel so viel Erststimmen wie Lenz. Der Grünen-Kandidat Christoph Lochmüller freute sich darüber, dass sein Erststimmenergebnis etwas besser war als der Zweitstimmenanteil der Grünen. Vor allem aber schnitt MdB Lenz mit satten 43,5 Prozent im Landkreis Erding sehr viel besser ab als seine Partei bei den Zweitstimmen.

So oder so wäre es jedoch furchtbar langweilig, eine Siegerkarte des Landkreises zu zeichnen. Sie wäre, wie immer schon, ganz und gar tiefschwarz eingefärbt. Gleichwohl mag jedoch niemand so recht von einem flächendeckenden Erfolg der Christsozialen sprechen. Die CSU blieb zwar die stärkste Partei, war aber auch der große Verlierer und büßte im Vergleich zur Bundestagswahl vor vier Jahren 5,6 Prozentpunkte in. Wobei man auch diesen Verlust relativieren kann, da er deutlich weniger stark ausfiel als das bayernweite CSU-Minus von 7,1 Prozentpunkten.

Interessanter als eine Karte der verlustreichen Siegerpartei CSU ist der Blick auf die Zweitplatzierten. Das gibt ein richtig buntes Bild. In 13 von 26 Kommunen kam die Kanzlerpartei SPD auf den zweiten Platz. Mit 17,8 Prozent war sie dabei in Erding am erfolgreichsten. Ihren schlechtesten Wert hatte die SPD in Steinkirchen mit 8,7 Prozent. Im deutschlandweiten Vergleich hinkten die Sozialdemokraten im Landkreis Erding mit ihren 14,7 Prozent allerdings sehr weit hinterher. Nur in einer Handvoll weiterer bayerischer Landkreise fanden die Sozialdemokraten noch geringere Zustimmung.

In sieben Gemeinden platzierten sich die Freien Wähler auf Rang zwei. Steinkirchen war ihre Hochburg, hier holten sie 18,2 Prozent der Stimmen. 6,5 Prozent in Erding waren ihr schlechtester Landkreiswert. Den Christsozialen gelang übrigens ebenfalls in Steinkirchen mit 42,2 Prozent ihr bestes Einzelergebnis in einer Landkreiskommune. Mit einem Plus von 6,8 Prozentpunkten könnten sich die Freien Wähler als größter Gewinner sehen. Aber was bringt's? Bundesweit strandeten sie bei 2,4 Prozent. Damit waren die Freien Wähler in Deutschland nur die Größten unter den Sonstigen - und alle Stimmen fielen unter den Tisch.

Bei den Grünen war der Aufschwung auch nicht so stark wie erhofft. Doch die Zufriedenheit ist angesichts des Politikwechsels in Berlin ausgeprägt. Nur in Ottenhofen und Dorfen kamen die Grünen mit 17,6 und 15,9 Prozent auf Platz zwei. Was sie aber besonders freute, ist, dass sie bei den jungen Wählern gut angekommen sind.

Auch das Ergebnis der FDP wurde allgemein auf die starke Zustimmung bei jungen Leuten zurückgeführt. Im Vergleich zu 2017 steigerte sich die FDP im Landkreis Erdung aber nur marginal. In fünf Gemeinden lag sie auf Platz zwei. Ihr bestes Ergebnis holte sie aber mit 14,0 Prozent als Nummer drei in Ottenhofen.

Die AfD war mit 14,8 Prozent in Kirchberg am stärksten. Doch im Gesamtergebnis gab es einen großen Dämpfer. Die rechtspopulistische bis rechtsextreme Partei war 2017 mit 13,5 Prozent im Landkreis Erding die zweitstärkste Partei hinter der CSU. Nun wurde sie im Ranking durchgereicht und reihte sich erst auf Platz sechs ein. Die Linke war mit 2,8 Prozent in Dorfen noch am stärksten, wobei man das nicht wirklich stark nennen kann. Landkreisweite 2,1 Prozent waren ein Ergebnis, das kaum sonst wo in Deutschland unterboten wird. Die früher wenigstens im Landkreis Erding recht beliebte ÖDP sackte auf unter ein Prozent ab.

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