Bundestagswahl im Landkreis ErdingDie AfD ist jetzt die Nummer zwei

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Der Blick geht nach oben: Landrat Martin Bayertorfer und CSU-Kandidat und Wahlsieger Andreas Lenz neben Konrad Thees vom Kreisvorstand der Grünen.
Der Blick geht nach oben: Landrat Martin Bayertorfer und CSU-Kandidat und Wahlsieger Andreas Lenz neben Konrad Thees vom Kreisvorstand der Grünen. Renate Schmidt

Im Landkreis Erding bildet sich das bundesweite Ergebnis ab: Die bayerische Schwesterpartei der CDU landet auf Platz eins. Die AfD kommt vor den Grünen auf Platz zwei.

Von Regina Bluhme, Erding

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Alles beim Alten im Landkreis Erding? Ja und nein. Nummer eins ist wie gehabt die CSU. Sie lag nach Auszählung der Wahllokale am Sonntagabend bei 40,8 Prozent, ein Plus von 8,2 Prozent. Auf dem zweiten Platz landete im Landkreis – erstmals – die AfD mit 18,8 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 10,4 Prozent. CSU-Kandidat Andreas Lenz holte mit 46,9 Prozent haushoch die meisten Stimmen unter den Direktbewerbern.

Insgesamt waren 17 Parteien und der parteilose Einzelbewerber Bernhard Winter am Sonntag im gemeinsamen Wahlkreis der Landkreise Erding und Ebersberg angetreten. Von den zehn Kandidaten für ein Bundestagsmandat holte wie erwartet erneut Andreas Lenz für die CSU das Direktmandat. Lenz, der seit 2013 den Landkreis Erding in Berlin vertritt, erreichte dieses Mal im Landkreis 46,9 Prozent, im Wahlkreis Erding-Ebersberg erreichte Lenz insgesamt 45,9  Prozent.

Bei den Zweitstimmen lief es im Landkreis Erding für die CSU dieses Mal besser als 2021: Damals war die CSU bei den Zweitstimmen auf 34,2 Prozent abgerutscht, eine Differenz zum CSU-Direktkandidaten Lenz von fast zehn Prozent. Dieses Mal schaffte die Partei 40,8 Prozent. Insgesamt siegte im gemeinsamen Wahlkreis Erding-Ebersberg die CSU klar mit insgesamt 40,1 Prozent der Stimmen.

Bei der EU-Wahl im vergangenen Jahr hatte Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin und Erdings Heimatabgeordnete Ulrike Scharf (CSU) wegen des überdurchschnittlich hohen Stimmanteils für die AfD gerade bei jungen Wählern noch eine besorgte Pressemitteilung herausgeschickt. „Ein deutliches Warnsignal“ sei das, schrieb Scharf damals. Am Sonntag zeigte sich: Im Landkreis Erding ist die AfD weiter auf dem Vormarsch – und wie: 18,8 Prozent erreichte die Partei landkreisweit, ein sattes Plus von 12,6 Prozent.

Dass ihre Partei so gut abschneidet, überrascht die AfD-Kandidatin nicht

Dass ihre Partei so gut abschneidet, hat die AfD-Direktkandidatin Manuela Schulz nicht überrascht: „Wir hatten in letzter Zeit ja viel Zuspruch an den Wahlständen“, sagte sie beim Telefonat.  Mit dem Ergebnis ihrer Partei und auch ihrer Direktkandidatur ist sie sehr zufrieden: „Jedes Prozent für uns ist gut.“ Enttäuscht sei sie nicht, dass es mit einem Sitz im Bundestag nicht klappt, denn damit habe sie ohnehin nicht gerechnet. „Alles gut, so wie es ist.“

Die SPD im Landkreis Erding sackte diesmal auf neun Prozent ab, die Grünen erhielten 10,4 Prozent. Grünen-Direktkandidat Christoph Lochmüller, der bereits 2021 angetreten war, erreichte bei den Erststimmen im Landkreis Erding 10,6 Prozent und fällt damit hinter der AfD-Kandidatin Manuela Schulz auf Platz drei.

Wenn es nach dem Landkreis ginge, wäre die FDP nicht im Bundestag vertreten

Die Freien Wähler wiederum erreichten im Landkreis Erding insgesamt nur 5,5 Prozent. Anton Steinbacher, der Direktkandidat der Freien Wähler, räumt ein, dass er schon enttäuscht sei von dem Ergebnis. Er habe sich „ein bisschen mehr erhofft“. Er finde, die kleinen Parteien seien gerade in den letzten Tagen in den Wahldebatten kaum vorgekommen, „wir wurden aufgefressen“. Dabei seien die Freien Wähler die „einzig echte Alternative“. Wie es nun weitergeht in Berlin, welche Koalition sich ergeben wird, das sei jetzt die Frage. Seine Motivation ist ungebrochen: Sollte es in drei Monaten Neuwahlen geben, dann werde er sich auf jeden Fall nochmals als Direktkandidat bewerben, sagt Steinbacher

Wenn es nach dem Landkreis geht, wäre die FDP nicht mehr im Bundestag vertreten: Sie sackte auf 4,6 Prozent ab. Die Linke erreichte 4,8 Prozent. Ein Plus immerhin von 2,6 Prozentpunkten.

Die ÖDP fährt im Landkreis ein Minus ein und kommt auf 0,7 Prozent. Wolfgang Reiter, Direktkandidat der ÖDP, sagt angesichts Ergebnisses: „Natürlich bin ich nicht zufrieden, wir hätten uns schon ein bisschen mehr gewünscht.“ Das Ergebnis sei für die ÖDP „tatsächlich tragisch“, gerade im Landkreis Erding, „wo wir immer gut waren“. Schlimmstenfalls würden nun die Wahlkampfkosten nicht erstattet. Geld, das der ÖDP dann fehle. Er hoffe jetzt nur, „dass die Partien der Mitte es schaffen, eine stabile Regierung hinzukriegen. Wenn nicht, sollten sie sich in Grund und Boden schämen.“

Der Altbürgermeister von Markt Schwaben, Bernhard Winter, kandidierte im Wahlkreis Erding-Ebersberg als parteiloser Einzelkämpfer für ein Direktmandat. Um seinen Traum zu erfüllen, hätte er Andreas Lenz schlagen müssen. Dies ist nicht gelungen, Magere 0,5  Prozent sprangen für Winter im Landkreis Erding heraus.

Insgesamt hat der Wahlkreis Erding-Ebersberg rund 200 000 Stimmberechtigte. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag insgesamt bei 87,1 Prozent, im Landkreis Erding betrug sie 86,2 Prozent.

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