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Bucherding schließt:Thalia übernimmt

Markus Betz in seiner Buchhandlung Am Herzoggraben. 14 Jahre führte er das Bucherding. Ab Januar übernimmt Thalia die Geschäfte.

(Foto: Renate Schmidt)

Markus Betz hat seine Erdinger Buchhandlung verkauft. Ab Januar geht es mit neuer Führung und in neuen Räumen an der Langen Zeile weiter. Betz will sich künftig auf den Onlinehandel von Tabletop-Spielen konzentrieren

Von Regina Bluhme, Erding

Bucherding. So könnte gut ein kleiner Weiler irgendwo im Holzland heißen. Bucherding aber befindet sich in der Innenstadt von Erding. Vor 14 Jahren hat Markus Betz die Buchhandlung namens Bucherding am Herzoggraben eröffnet. Ende des Jahres ist Schluss. Betz übergibt sein Geschäft an Thalia. Der Filialist mit Sitz in Hagen wird zum 1. Januar 2021 mit erweitertem Sortiment am neuen Standort an der Langen Zeile 26 weitermachen. Betz wiederum will sich auf den Onlinehandel mit Spielwaren, insbesondere sogenannten Tabletops, konzentrieren.

22 000 Bücher hat Markus Betz, 45, in seinem Sortiment. Zum Lesen sei er aber in der letzten Zeit immer weniger gekommen, sagt der passionierte Krimi-Liebhaber. Der Arbeitsaufwand sei immer höher geworden, vor allem "wegen der rechtlichen Angelegenheiten, die man beachten muss. Das wird immer mehr". An den Verkaufszahlen habe es nicht gelegen, so Betz - auch wenn sich die langwierigen Bauarbeiten an der benachbarten Freisinger Brücke schon aufs Geschäft ausgewirkt hätten. Und seit der Rewe ein paar Meter weiter geschlossen habe, sei auch die Laufkundschaft weniger geworden Die Corona-Krise war natürlich auch nicht gerade förderlich. Das Internet wiederum habe ihm nicht so zugesetzt, sagt der Erdinger Einzelhändler. "Beim Onlinehandel bin ich ja voll mit drauf gesprungen."

Bucherding bietet ein klassisches Vollsortiment auf einer Fläche von 200 Quadratmetern. "Es ist gemischt, wie die Stadt selbst", sagt Markus Betz. Angefangen von Romanen, Krimis über Fantasy bis Comics und Sachbuch. Nun übernimmt das Unternehmen Thalia aus Hagen. "Mit dem Umzug der Buchhandlung in eine deutlich bessere Lage an der Haupteinkaufsstraße von Erding gewinnt sie Platz für ein erweitertes Angebot", schreibt Thalia in einer Pressemitteilung. An der neuen Adresse Lange Zeile 26 wurde bisher Kindermode verkauft. Die Räume bieten insgesamt 325 Quadratmeter Verkaufsfläche, verteilt auf zwei Etagen. Die Eröffnung der neuen Buchhandlung wird im Laufe des Januar 2021 erfolgen, informiert die Pressestelle. Für die sechs bisherigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Bucherding steht ein Übernahmeangebot. Zusätzlich entstehen ein bis zwei neue Arbeitsplätze. Mit der Eröffnung der neuen Buchhandlung weite Thalia sein Netzwerk im Süden Deutschlands aus, schreibt das Unternehmen. Und erhalte "zugleich einen wichtigen Treffpunkt für Kultur- und Literaturinteressierte", wird Michael Wetzel, zuständiger Vertriebsdirektor von Thalia, in der Pressemitteilung zitiert.

Das Angebot der Buchhandlung werde auch zukünftig "ein Vollsortiment sowie sorgfältig ausgesuchte Geschenkideen und zum Buch passende Artikel umfassen", heißt es weiter. Mit dem Lesegerät Tolino finde auch das digitale Lesen seinen Platz. Die Kundschaft könne sich vor Ort zu den Tolino E-Readern beraten lassen, und es gebe zudem die Möglichkeit, E-Books direkt in der Buchhandlung zu kaufen. Neu dazu kommen "innovative Services, die das Einkaufen spielerisch einfach machen": Über das Tablet der Thalia Buchhändler können die Kunden mobil im Laden bezahlen, ohne sich an der Kasse anstellen zu müssen. Mit der Filialabholung könne die Kundschaft zudem Bücher online auswählen und bei Verfügbarkeit innerhalb von zwei Stunden vor Ort abholen.

"Ich freue mich sehr, dass Thalia meine Buchhandlung weiterführt und damit ein Ort für das Lesen in der Erdinger Innenstadt erhalten bleibt", sagt Markus Betz. Künftig wird es nur noch zwei inhabergeführte Buchhandlungen in Erding geben: Leseglück im Heiliggeisthof und Lesezeichen an der Haager Straße. Die Filialisten sind auf dem Vormarsch.

Markus Betz wird die Ladenräume Am Herzoggraben in der Erdinger Innenstadt nicht aufgeben und sich nun auf den Onlinehandel mit Spielwaren, insbesondere Tabletop-Spielen, konzentrieren: Bei Tabletop gestalten die Spieler verschiedene Miniaturfiguren selbst, bevor es damit auf dem Tisch, also tabletop, ans Spielen geht. Es wird gewürfelt, es gibt ein dickes Regelwerk und laut Markus Betz ist viel Strategie gefragt. Es handle sich dabei eher ein Nischenprodukt, das wohl für die Mehrheit nicht in Frage komme. Aber eine kleine Fangemeinde habe sich in Erding schon länger etabliert.

© SZ vom 13.06.2020
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