Schulpolitik:Es läuft, aber es ruckelt noch

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Schulpolitik: Schülerinnen einer siebten Klasse melden sich während des Deutschunterrichts an einem Gymnasium. In den Brückenklassen werden Schüler und Schülerinnen alters- und schulartunabhängig unterrichtet. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erlernen der deutschen Sprache.

Schülerinnen einer siebten Klasse melden sich während des Deutschunterrichts an einem Gymnasium. In den Brückenklassen werden Schüler und Schülerinnen alters- und schulartunabhängig unterrichtet. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erlernen der deutschen Sprache.

(Foto: Felix Kästle/dpa)

In insgesamt zehn Brückenklassen werden ukrainische Schüler und Schülerinnen ab Klasse 5 gemeinsam unterrichtet. Sie sollen dort vor allem schnell Deutsch lernen. Nach einem halben Jahr wird entschieden, auf welche Schulart sie gehen. Einige Schulleiter sehen da noch Redebedarf.

Von Regina Bluhme, Erding

Geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine besuchen ab Jahrgangsstufe 5 seit diesem Schuljahr im Landkreis Erding sogenannte Brückenklassen, in denen sie unabhängig von Alter und Schulart erst einmal ein Jahr lang gemeinsam unterrichtet werden und dabei möglichst gut Deutsch lernen sollen. So der Plan des bayerischen Kultusministeriums. Im Landkreis gibt es insgesamt zehn Brückenklassen, verteilt auf die drei Gymnasien, auf drei Realschulen und drei Mittelschulen. Eine Nachfrage bei Schulleitungen zeigt: Es läuft, aber mitunter ruckelt es ganz schön.

Je zehn Wochenstunden für Deutsch als Zweitsprache (DAZ) sind in den Brückenklassen vorgesehen. Unterrichtet werden auch je fünf Stunden Mathematik und Englisch. Musik oder Sport sollen ebenfalls untergebracht werden. Nach Auskunft des Schulamts Erding besuchen im Landkreis insgesamt 132 Kinder und Jugendliche die Brückenklassen - etwas weniger, als ursprünglich erfasst, so Schulamtsdirektor Robert Leiter. Einige seien wohl wieder in die Ukraine zurück gegangen, andere umgezogen.

Am AFG wird der Deutschunterricht in Fortgeschrittene und Anfänger aufgeteilt

Am Anne-Frank-Gymnasium in Erding besuchen 13 Schüler und Schülerinnen von Klassenstufe 5 bis 10 die gemeinsame Brückenklasse. "Es läuft richtig gut", lautet bislang das Fazit von Schulleiterin Regine Hofmann. Die Klassenleitung habe eine Englischlehrerin übernommen, die bereits mit Migrationskindern gearbeitet habe. Demnächst werde die Klasse im Deutschunterricht aufgeteilt, in Fortgeschrittene und Anfänger.

Das unterschiedliche Wissensniveau und Lerntempo der Schüler und Schülerinnen sind nämlich durchaus nicht unproblematisch, wie Judith Heugel, Schulleiterin der Herzog-Tassilo-Realschule in Erding, erklärt. Sie würde sich mehr Möglichkeiten zur Differenzierung wünschen, ein individuelles Lernprogramm wäre nötig. So befänden sich in der zwölfköpfigen Gruppe an ihrer Schule sechs Kinder und Jugendliche, die kaum oder gar nicht lesen und schreiben könnten. Das sei nicht nur innerhalb des Klassenverbands ein Problem, das stelle auch die Lehrkraft vor eine große Herausforderung.

Das unterschiedliche Wissensniveau und Lerntempo sind nicht unproblematisch

Für mehr Differenzierung spricht sich auch Josef Hanslmaier, Schulleiter der Realschule Taufkirchen/Vils, aus. Auch er verweist auf das unterschiedliche Leistungsniveau der elf- bis 15-jährigen Schüler und Schülerinnen. Er fände es gut, wenn mehr differenzierter Unterricht stattfinden könnte, vielleicht auch in noch mehr Brückenklassen. Für die Schule sei mit der neueingerichteten Klasse der bürokratische Aufwand gestiegen. So war vor wenigen Tagen noch der Verbleib von drei gemeldeten Schülern und Schülerinnen nicht geklärt. Die Suche nach einer muttersprachlichen Lehrkraft habe Ressourcen gebunden. Die Lehrkraft stemme nun in Kombination mit zwei Stammlehrkräften den Unterricht. Noch sei das machbar, "solange niemand ausfällt".

13 ukrainische Schüler und Schülerinnen werden am Gymnasium Dorfen unterrichtet. An Personal scheint es nicht zu mangeln, wie einer Pressemitteilung der Schule zu entnehmen ist. Die Klassenleitung hat Nadine Bürglen, der neben ihrem Stellvertreter Stephan Wägner noch vier Lehrkräfte sowie eine Bundesfreiwilligendienstleistende zur Seite stehen. Zudem komme dort "auch die Differenzierung in unterschiedliche Sprachniveaus zur Anwendung".

Gleich zwei Brückenklassen sind an der Mittelschule am Lodererplatz in Erding eingerichtet. Zwei ukrainische Lehrkräfte konnten gefunden werden, Schulleiter Stephan Treffler ist zufrieden, "es läuft gut".

Matheunterricht klappt offensichtlich auch ohne perfekte Deutschkenntnisse

Soweit es möglich ist, können die Schüler und Schülerinnen je nach Altersstufe auch in bestimmten Fächern die Regelklassen besuchen. Das klappt offensichtlich zum Beispiel in Mathe sehr gut, wie zu erfahren ist. Womöglich auch, weil dort mangelnde Deutschkenntnisse keine unüberwindbare Hürde darstellen.

Laut Kultusministerium soll im Halbjahr entschieden werden, für welche Schulart die Kinder und Jugendlichen aus den Brückenklassen geeignet sind. "Wir betreten hier Neuland", hatte Robert Leiter beim Pressegespräch zu Beginn des Schuljahres eingeräumt. Einige Schulleitungen sehen da durchaus noch Redebedarf, zum Beispiel, was den Zeitrahmen für eine Selektierung der ukrainischen Schüler und Schülerinnen betrifft. Robert Leiter sagt, die genauen Kriterien würden noch vom Kultusministerium erarbeitet, zudem sei das deutsche Schulsystem durchlässig "und davon profitieren auch die ukrainischen Schüler und Schülerinnen".

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