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Brauereien im Landkreis:Pfanderhöhung vor hohen Hürden

Flaschen und Träger sind viel mehr wert als das heute übliche Pfand. Eine Umstellung wäre aber gar nicht so einfach.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Einsatz für Flaschen und Kästen deckt zwar nicht die Kosten, doch eine neue Regelung umzusetzen, ist nicht so einfach. Einen bundeseinheitlichen Vorstoß würden die Brauereien mitgetragen

Seit Jahren ist das Pfand für Bierflaschen und -kästen gleich hoch geblieben. Weil die Verbraucher die Bierkisten aber nicht immer zurückbringen und deshalb vor allem im Sommer beide manchmal knapp werden, fordert der Verband Private Brauereien Deutschland, die Interessenvertretung von 800 Bierherstellern, eine drastische Erhöhung. Vor allem kleine Regionalbrauer in Bayern haben die Pfandsätze zuletzt erhöht. Und auch im Landkreis Erding stehen die Brauereien dem Vorschlag durchaus positiv gegenüber.

"Das komplexe Thema betrifft nicht nur Brauereien, sondern alle Getränkehersteller, die in Mehrwegflaschen abfüllen. Der Pfandsatz bei Bierflaschen und Trägern ist seit ungefähr 40 Jahren unverändert und somit weit unter dem Wiederbeschaffungswert für Flaschen und Träger. Daher unterstützen wir grundsätzlich eine Pfanderhöhung", teilt Josef Westermeier, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu, mit. Die Brauerei ist die mit Abstand größte im Landkreis.

Auch beim Eittinger Fischerbräu ist man für den Vorschlag offen. "Bei eigentlich allen kleinen bis mittelständischen Brauereien ist es unumgänglich, dass der Pfandsatz erhöht wird. Der Betrag besteht seit einer Zeit, zu der 3,14 Euro beziehungsweise damals in umgerechnet in Mark, ein angemessener Einsatz für das Leihen des Trägers war. Heute bezahlen wir deutlich mehr für den neuen Träger und die Flaschen und können nur an die Kunden appellieren, das Leergut zeitnah zurückzubringen", sagt Tobias Vincenti von Fischerbräu.

Entscheidend sei, dass eine einheitliche und zukunftsfähige Lösung gefunden werde, die das Mehrwegsystem langfristig tragfähig mache, sagt Westermeier. "Aktionen einzelner Brauereien wären nicht zielführend. Somit ist es bei den Verbänden der Getränkebranche bestens aufgehoben." Es gehe darum, einen Pfandpreis festzulegen, der die Verbraucher dazu motiviere, das Leergut tatsächlich zurückzubringen - "und zwar so zügig wie möglich. Das würde auch wertvolle Ressourcen für unsere Umwelt sparen".

Auch beim Eittinger Fischerbäu sieht man das so. "Eine Umsetzung ist in unseren Augen nur machbar, wenn alle am selbem Strang ziehen und gerade die Großkonzerne sich an der Umstellung und an der Erhöhung beteiligen", sagt der Juniorchef des Fischerbräu. Man werde sich deshalb erst beteiligen, wenn genauere Pläne vorhanden seien. Eine Umstellung müsste in ganz Deutschland geschehen, was durchaus schwierig werde. Und obwohl der Fischerbräu zu den kleineren regionalen Brauereien zählt, geht es dennoch um viel Geld. Tobias Vincenti schätzt, dass etwa 20 000 bis 30 000 Träger im Umlauf sind.

Für ein höheres Pfand ist auch Fritz Rumpfinger, Vertriebsleiter bei der Guts- und Brauereigenossenschaft Taufkirchen. "Aber ich bin mir zu 90 bis 95 Prozent sicher, dass es nicht dazu kommen wird." Beim Brauereienverband habe man verschiedene Modell durchgespielt, aber keines habe sich als effektiv erwiesen. Zum einen müssten bei den Lebensmittelhändlern deutschlandweit 45 000 Rückgabeautomaten umprogrammiert werden. "Die Kosten wird bestimmt nicht der Lebensmitteleinzelhandelverband tragen, sondern er wird sie auf die Bauereien abwälzen", sagt der Vertriebsleiter. Außer sei nicht gelöst, wie man mit Kästen umgeht, die vor der Pfanderhöhung ausgegeben worden seien. Bei einer Rückgabe nach der Erhöhung ließe sich ein schöner Gewinn erzielen.

Bisher noch kein Probleme mit dem Pfandrücklauf hat man bei der Brauerei Bachmayer in Dorfen, auch der Schwund an Kästen sei nicht so hoch, teilt Geschäftsführer Albert Hörmann mit. Wie hoch der Verlust sei oder wie viele Kästen im Umlauf sind, weiß man bei Bachmayer nicht so genau. Aber auch er findet, dass der derzeitige Pfandpreis nicht mehr dem Marktpreisen für Flaschen und Kästen entspreche. "Für einen Kasten bezahlt man aktuell je nach Ausführung zwischen vier und zehn Euro und für Flaschen 20 Cent", wie Hörmann sagt. Falls Brauereien einmal erhöhen sollten oder eine Empfehlung vom Verband ausgesprochen werde, "werden wir das wohl auch machen, was natürlich mit einem hohen Aufwand verbunden ist". Auch bei der Schlossbrauerei Grünbach hat man keine größeren Probleme mit dem Rücklauf von Leergut. "Das schwankt", sagt Annalena Knips. Selber habe man noch nicht an eine Pfanderhöhung gedacht, aber wenn es eine überregionale Entscheidung gebe, werde man sich dem wohl anschließen.