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Boom am Bau:Volle Auftragsbücher

Seit Monaten wird auf der Baustelle der Oberbayerischen Heimstätte im Erdinger Ortsteil Klettham gebaut. Wer jetzt einen Auftrag am Bau zu vergeben hat, der muss sich allerdings gedulden - über Monate hinweg.

(Foto: Renate Schmidt)

Die bayerische Baubranche verzeichnet ein Plus von 20,7 Prozent für 2018. Auch im Landkreis bemerken Unternehmer die steigende Nachfrage

Von Katharina Kausche, Erding

Die Bauunternehmer in Bayern verzeichnen ein Auftragsplus, das Landesamt für Statistik verzeichnete für 2018 einen "Bauboom". Um 20,7 Prozent wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. Im November hatte die Landesvereinigung Bauwirtschaft Bayern noch mit einem Umsatzplus von nur 5,5 Prozent gerechnet. Besonders Unternehmen in Oberbayern verzeichnen gehörige Zuwächse: Sie können auf ein Jahr mit Aufträgen im Wert von 3,72 Milliarden Euro und somit einem Plus von 35,5 Prozent zurückschauen. Auch im Landkreis macht sich das bemerkbar.

"Eine Nachfrage wie seit Jahren nicht mehr"

Die Auftragsbücher sind bei vielen Unternehmen voll, die Wartezeiten für Neubauten, neue Fenster oder Renovierungen lang. "Aktuell ist die Nachfrage so hoch, wie schon seit Jahren nicht mehr", sagt Rudolf Waxenberger. "Ich höre von vielen Betrieben im Landkreis, dass sie bis Herbst komplett ausgebucht sind." Schon vor zwei Jahren habe diese Entwicklung begonnen, so der Kreishandwerksmeister. Eigentlich sei 2018 "nicht mehr zu toppen", und trotzdem steige die Nachfrage auch in diesem Jahr weiter. Ein Problem gebe es allerdings: "Wir können die Menge an Aufträgen mit unseren Arbeitskräften nicht mehr abdecken", sagt Waxenberger.

In seinem eigenen Unternehmen, Anzinger Bau, könne er erst wieder Termine im Jahr 2020 vergeben. Eine Ursache dafür sei "natürlich der eklatante Fachkräftemangel, der sich Jahr für Jahr weiter verschärft". Es sei bekannt, dass im Handwerk Arbeitskräfte fehlen. "Besonders bei Freiluftsportarten wie zum Beispiel Dachdecken bleibt der Nachwuchs aus", sagt Waxenberger. Allerdings zögen auch andere Faktoren die Aufträge und Wartezeiten in die Länge. "Fristen, Genehmigungen oder Auflagen verzögern die Arbeiten", erklärt er. "Darauf haben wir Unternehmer keinen Einfluss."

Platz bleibt bei vielen nur für kleine Aufträge

So sieht das auch Florian Stuber. Außer der hohen Nachfrage und dem Fachkräftemangel seien die Aufträge in den vergangenen Jahren auch immer komplexer geworden. "Zum Beispiel die Energieauflagen machen unsere Arbeit aufwendiger, dadurch brauchen wir länger", sagt der Spenglermeister. In seinem Betrieb seien die Auftragsbücher für Neubauten bis Herbst voll. Nur für "sehr kleine Arbeiten" habe er zwischendurch noch Zeit.

Auch Anton Schlehhuber ist bis Herbst ausgebucht. In seinem Holzbauunternehmen bemerkt er den Nachfrageanstieg allerdings schon seit fünf Jahren. "Der Berg wird immer und immer größer", sagt er. "Aber wenn man dann neue Mitarbeiter sucht, hat man keine Chance."

Dachdecker Peter Kreuzpointner händelt die hohe Nachfrage anders. Seine Devise ist: nie länger als drei Monate komplett ausgebucht sein. Zwar seien die Wartezeiten damit immer noch länger als sonst, bei der "guten Nachfrage könnte das allerdings auch schlimmer sein", so der Geschäftsführer. "Wir könnten ganz einfach bis zum Herbst ausgelastet sein, aber das ist nicht unser Ziel." Er habe sonst keine Zeit für Termine seiner Stammkunden oder kleinere Aufträge. Die Zimmerei Huber und Kroh behält ebenfalls "Kapazitäten in der Hinterhand", erklärte Richard Kroh. Sie seien zwar bis zum Sommer ausgebucht, einige Termine seien aber noch für "relativ spontane Aufträge" frei. "Wir sind mitten im Bauboom und freuen uns über mehr Aufträge", sagt Kroh. "Aber natürlich wird die Wartezeit länger, und auch der Fachkräftemangel trägt seinen Teil dazu bei."

Das Immobilienunternehmen von Robert Decker ist auf die Zusammenarbeit mit Bau- oder Handwerksunternehmen angewiesen. "Im Landkreis haben wir unsere Stammhandwerker und sind deshalb nicht so stark von den Problemen der hohen Nachfrage betroffen", sagt der Immobilienunternehmer. "Ich denke, dass besonders Privatleute unter der Situation leiden." In Regionen, in denen sein Unternehmen allerdings nicht so bekannt sei, habe auch er Probleme Handwerker für seine Aufträge zu finden.

© SZ vom 07.03.2019
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